„Und was liest du so?“-Spezial: Drei Bilderbuchklassiker feiern Jubiläum

Der Grüffelo, Ritter Rost und der Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat, feiern Geburtstag!

2019 bietet eine gute Gelegenheit, um sich mal wieder alt zu fühlen – und das geht natürlich am besten, wenn man die Jubiläen anderer betrachtet, anstatt die eigenen weißen Haare zu zählen!

Drei der beliebtesten deutschen Kinderbuchhelden feiern in diesem Jahr Geburtstag: Der Grüffelo ist der Jüngste im Bunde, er wird 20 Jahre alt. Ritter Rost, der singende Blechkasten aus Schrottland, wird schon 25 und der  Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat wird sagenhafte 30 Jahre alt!

Alle drei Bilderbücher sind aus keinem Bücherregal wegzudenken – sie sind echte Klassiker und das seit Jahrzehnten. Auf den ersten Blick haben die drei zunächst gar nichts gemeinsam – ein Ungetüm, ein Ritter und ein Maulwurf -, doch bei genauerer Betrachtung bin ich auf die Gemeinsamkeit gekommen: Alle drei Bilderbücher brechen mit Erwartungen. Mal sehen, wen unsere „Und was liest du so?“-Kandidaten zum Lieblingshelden auserkoren haben…

Der Grüffelo von Julia Donaldson und Axel Scheffler

Der Grüffelo wurde 1999 geboren und ist das Ergebnis der zweiten Zusammenarbeit von Julia Donaldson und Axel Scheffler – und ihr bis heute beliebtestes Bilderbuch. Auf seiner Homepage berichtet Axel Scheffler von seinem Kampf mit dem Grüffelo, denn seine ersten Entwürfe waren dem Verlag zu gruselig für kleine Kinder, er sollte ihn runder und kuscheliger zeichnen.

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Der Grüffelo, Beltz&Gelberg 1999

Der Erfolgsfaktor

Ganz klar – Held*in ist hier nicht das titelgebende Ungeheuer, sondern die kleine Maus, die sich mit List und guten Ideen nicht nur vor ihren natürlichen Fressfeinden, sondern auch vor dem riesigen Grüffelo schützt. Klein gegen Groß – das gefällt jedem, wenn der vermeintlich unterlegene Gegner gewinnt!

Das sagen die Fans

Ingmar Gregorzewski: Mein großer Kinderbuchfavorit ist und bleibt der Grüffelo. In Anlehnung an einen Ausspruch von Ali Mitgutsch würde ich sagen, gute Kinderbücher zeigen keine heile Welt, sondern eine heilbare. Ohne kindisch zu sein spielen diese Geschichten, die uns unvergessen bleiben, mit allen wichtigen Facetten unserer Seele: Liebe, Angst, Mut und Humor.

Julia Dibbern: Ich liebe den Grüffelo, weil bis heute der Satz »Silly old Snake, doesn’t he know? There’s no such thing as a gruffel … Oh!« zu unseren beliebsteste Familienzitaten gehört.

Dunja Schnabel: Da muss ich wirklich überhaupt nicht überlegen: Mein Lieblingsheld ist DIE MAUS! Sie hat den Grüffelo zum Star gemacht, oder? Im Wald, da hört man niemand mehr. Die Maus knackt die Nüsse und ich freu mich sehr! Und das immer immer wieder!

 

 

Tanja Szekessy: Von diesen Dreien ist mir der Grüffelo der Liebste. Ich habe das Buch x-mal meinem kleinen Sohn vorgelesen bzw. auswendig abwechselnd mit ihm aufgesagt.
Es waren wohl vor allem die schmissigen Reime, aber auch die knuddel-cool-lustigen Bilder, die dieses Buch für uns unsterblich gemacht haben, so sehr, dass auch jetzt noch immer wieder Zitatfetzen in unseren Alltag einfließen.

Regina Schwarz: Kleine Maus ganz groß! Ich mag den Grüffelo, weil die mutige, kleine Maus einen schlauen Plan hat, und alle an der Nase herumführt. Sehr empfehlenswert auch in der Originalausgabe, denn die Reime sind genial!“

Kati Naumann: Ich mag den Grüffelo wegen der kleinen Maus darin so gern. Keine Muskeln, aber jede Menge Fantasie! Das ist, auf den Punkt gebracht, meine Idealvorstellung von einem männlichen Wesen 😉

 

Ritter Rost von Jörg Hilbert und Felix Janosa

1994 erschien der erste Band des Kindermusical-Bilderbuches Ritter Rost (Das erste Kinderbuch mit beigelegter CD!) und es ist Gott sei Dank noch kein Ende in Sicht. Die Geburt von Rösti, Bö und Koks ist jedoch noch länger als 25 Jahre her und die Geschichte dazu finde ich sehr rührend: Autor und Illustrator Jörg Hilbert dachte sich die Figuren bereits in seiner Grundschulzeit aus und führte gemeinsam mit seinen Brüdern kleine Theaterstücke mit ihnen auf. Als er dann etliche Jahre später den Komponisten Felix Janosa kennenlernte, war der gerade auf der Suche nach Stoff für ein Kindermusical – der Rest ist (Erfolgs-) Geschichte.

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Ritter Rost hat Geburtstag, Carlsen 2019

Der Erfolgsfaktor

Mit einem Ritter verbinden wir Mut, Tapferkeit und furchtlose Männlichkeit, doch ohne Burgfräulein Bö und den kleinen Drachen Koks wäre Ritter Rost ganz schön aufgeschmissen! Der Titelheld ist schlampig Zuhause und ängstlich wenn es um Abenteuer geht, was ihm immer wieder Ärger mit Bö einbringt. Hinzu kommen eine Reihe fantastisch-fantasievoller Protagonisten (hier geht’s zum Welche Figur wärst du?-Test) und schmissige Lieder – kein Wunder, dass bisher schon 500 Ritter Rost-Musicals aufgeführt wurden!

Das sagen die Fans

Christian Hanne

Christian Hanne: Die Geschichten von Ritter Rost, Burgfräulein Bö und Drache Koks stecken voller Humor und Sprachwitz. Da haben auch die Eltern Spaß beim Vorlesen (möglicherweise mehr als die Kinder)!

Vom Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch

Seit 30 Jahren ist der kleine Maulwurf bereits dabei, den Übeltäter zu finden, der ihm auf den Kopf gemacht hat – und das in mittlerweile 39 Sprachen! Werner Holzwarth dachte sich vor dem Schlafen gemeinsam mit seinem Sohn Geschichten um einen „Kackahund“ aus, beide sponnen das Ganze immer weiter und plötzlich war ein Buch daraus geworden! Und zwar ein Buch, das kein Verlag haben wollte. Holzwarth bekam den Rat, sich einen Illustrator zu suchen und so kam es zur Zusammenarbeit mit Wolf Erlbruch und schließlich mit dem Peter Hammer Verlag: Vom Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat wurde wegweisend für das Kinderbuchprogramm des Verlags, der ursprünglich auf afrikanische Literatur (für Erwachsene) spezialisiert war.

 

Der Erfolgsfaktor

Natürlich: der Tabubruch! Ein Bilderbuch über Kacka hatte es vor 30 Jahren so noch nicht gegeben – kein Wunder, dass alle Verlage erst einmal dankend ablehnten! Das Thema Körper-Ausscheidungen interessiert und fasziniert Kinder von klein auf und für lange Zeit, Eltern ist es hingegen erst einmal unangenehm. Werner Holzwarth und Wolfgang Erlbruch bringen beide zusammen: Das Bilderbuch ist witzig, niedlich und informativ – mehr kann man sich eigentlich nicht wünschen beim Vorlesen!

Das sagen die Fans:

Elsa Klever: Der Maulwurf – weil er ungefähr so alt ist wie ich und ich quasi mit ihm zusammen und der Frage, wer ihm auf den Kopf gemacht hat, groß geworden bin!

Silke Schlichtmann: Mein Favorit ist ganz klar Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat. Ich kenne ihn zwar noch nicht seit 30 Jahren sondern erst seit knapp 17 Jahren, aber ich weiß noch genau, wie ich das Buch als Pappbilderbuchausgabe bei einem Besuch im Norden im Frühjahr 2002 in einer Kieler Buchhandlung entdeckte, hineinlas, es kaufte und hinterher sehr, sehr oft und sehr gern vorlas.

Warum dieses Buch mein Favorit ist? Nun, es ist einfach eine gute Geschichte, die sich nicht nur thematisch, sondern auch in der Gestaltung wohltuend von vielen anderen Bilderbüchern abhebt. Es greift das für Kinder spannende Thema Körperausscheidungen auf originelle Weise auf und bringt auch dem erwachsenen Vorleser noch so einiges über Optik, Konsistenz und angenommene Akustik (lautmalerisch differenziert umgesetzt!) verschiedenster Tierexkremente bei (zumindest beim Maulwurf selbst müsste der eine oder die andere Erwachsene vor der Lektüre garantiert passen). Und der Humor kommt ebenfalls nicht zu kurz, blitzt sprachlich wie bildnerisch auch im Detail immer wieder durch. Außerdem ist das Buch herrlich unpädagogisch: Das Ziel von Werner Holzwarths Erzählung ist die Rache des kleinen Maulwurfs, diese Rache wird nicht sanktioniert, sondern sogar noch belohnt, mit Glück und Zufriedenheit für den kleinen kurzsichtigen Protagonisten. Und last but not least: Ich liebe Wolf Erlbruchs Strich, den ich mit diesem Buch das erste Mal ganz bewusst kennenlernte.

 

 

Lorenz Pauli: Wahrscheinlich ohne diese Absicht wurden hier alle bedient: Die ganz Kleinen bekommen eine Reihungsgeschichte. Die etwas Grösseren freuen sich über das verkackte Thema. Eltern, die Lerninhalte bis auf die Bettkante tragen müssen, finden die Lösung in der Losung. Kunstbeflissene bekommen eine geniale Bilderwelt und wer politisch sucht, findet in diesem Buch die Aufforderung, das Unrecht nicht auf sich sitzen zu lassen. Und sei die Rache und die Wurst noch so klein. Aber schöner als all das: Da sprüht die Lust an der Freude aus Bild und Wort.

Anja Kiel: Mein Favorit unter den Jubilaren ist – obwohl ich alle drei sehr mag – Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat. Weil ich erstens ein großer Fan von Wolf Erlbruchs Illustrationen war und bin und auch als Erwachsene noch manches Jahr seinen Kinderzimmerkalender an der Wand hängen hatte. Und weil ich zweitens die Genugtuung des kleinen Maulwurfs sooo gut verstehen kann, als er endlich sein Würstchen auf Hans-Heinerichs Hundekopf landen lässt. Denn manchmal muss man sich gegen Unverschämtheiten einfach wehren, auch wenn man noch so klein ist (und auch, wenn der Adressat es unter Umständen gar nicht richtig mitbekommt).

Barbara Rose: Mein Lieblingstitel unter den Gefeierten ist der kleine Maulwurf. Ich könnte mich jedes Mal über den Text kaputt lachen, beispielsweise die Stelle, wenn die großen Pferdeäpfel direkt vor den Maulwurf plumpsen und es lapidar heißt „Er [der Maulwurf] war tief beeindruckt“. Oder „malzbonbonfarbene Knöllchen“ der Ziege. Herrlich! Aber natürlich sind auch die Illus großartig. Eben Bio-Unterricht auf besondere Art und Weise!

 

 

Wahrscheinlich denken viele Autoren, Illustratoren und vor allen Dingen die Verlage Tag und Nacht darüber nach, wie man so ein Erfolgskonzept wiederholen kann. Was meint Ihr? Welche aktuellen Kinderbücher haben das Zeug zum Klassiker und werden vielleicht in 30 Jahren noch unseren Enkeln vorgelesen?

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Nenu sagt:

    Hmm, jetzt muss ich tatsächlich sehr grübeln. Ein Buch, dem ich mehr Bekanntheit wünschen würde, ist “Die Nacht des Elefanten“ von Martin Baltscheit und Katharina Sieg. Der Text ist poetisch und witzig (wie oft wir hier zitieren “ein ZISCH, ein ZOSCH, ein RACKATACK aus allen vier Wipfeln der Bäume“ … 😁), das Thema “Angst im Dunkeln“ ist lebensnah und die Illustrationen sind einfach nur wundervoll. Leider scheint das Buch absolut niemand zu kennen.

    Gefällt 1 Person

    1. Juli sagt:

      Das kannte ich tatsächlich auch nicht! Es sieht toll aus! Ich habe jetzt auch noch einmal überlegt, was für mich so ein Klassiker werden könnte: Es ist „Drei Kinder und ein Tag“ – aber das würde natürlich nur funktionieren, wenn sich der Alltag in den nächsten 20 Jahren nicht übermäßig ändert! 😉

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      1. Nenu sagt:

        Lies es mal. 🙂 Es ist auch haptisch ein Vergnügen, zumindest von außen. Und ja, “Drei Kinder und ein Tag“ ist auch total super, stimmt! Das lieben wir auch – obwohl es bei uns “nur“ zwei Kinder sind finden wir uns da sehr wieder. 😁

        Gefällt 1 Person

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