Menschen, die mit Kindern und Literatur zu tun haben, stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Anja Kiel ist ein richtiger Familienmensch. Nach ihrem Studium arbeitete sie zunächst als Journalistin, bis ihre Mutter, die Autorin Inge Meyer Dietrich, sie zu der gemeinsamen Arbeit an einem Kinderbuch überredete – Die Hüter des Schwarzen Goldes.

Anja Kiel, Inge Meyer-Dietrich
Ein Stern für Finja, Ravensburger 2015

Das gefiel Anja so gut, dass sie fortan nur noch als Kinderbuchautorin arbeiten wollte und fünf Jahre später sogar noch ein weiteres Buch gemeinsam mit ihrer Mutter veröffentlichte.

Bei ihrer Arbeit übernimmt Anja einen wichtigen Job: Sie versorgt nämlich unsere Erstleser mit immer wieder neuen Geschichten, so dass diese hoffentlich am Ball bleiben und merken, wie großartig es ist, sich die Welt der Buchstaben und Wörter selbstständig erschließen zu können. Im Januar erscheinen von der Mutter zweier Kinder zwei weitere Erstlese-Abenteuer.

Heute erzählt uns Anja Kiel aber erst einmal von ihrem Lieblingskinderbuch – einem Klassiker der Kinderliteratur:

„Mein Lieblingskinderbuch benennen? Puh, das fällt mir schwer.

Fest steht, dass ich nie aufgehört habe, Kinderbücher zu lesen. Selbst dann nicht, als meine eigene Kindheit offiziell vorbei war. Obwohl ich damals noch keine Ambitionen hatte, Kinderbuchautorin zu werden. Heute lese ich Kinderbücher natürlich auch aus beruflichen Gründen. Und ich lese meinen Kindern vor. Doch weiterhin lese ich Kinderbücher zum reinen Vergnügen.

Alan Alexander Milne, E. H. Shepard
Pu der Bär, Dressler 2014

Ein Buch, das mich schon seit meiner Kindheit begleitet und das ich sicher immer lieben werde, ist Pu der Bär von A. A. Milne. Besonders ans Herz gewachsen ist mir Pus bester Freund Ferkel. Ferkel ist ein bisschen ängstlich und macht sich ständig Sorgen:

„Es ist schwer, tapfer zu sein“, sagte Ferkel und schniefte leise, „wenn man nur ein sehr kleines Tier ist.“

Wie gut kann ich das nachempfinden. Wie oft stehe ich selbst da und möchte tapfer und unerschrocken sein. Entspannt und mutig wie Pu der Bär. Der ist nicht nur für Ferkel ein großes Vorbild. Und motiviert das kleine Schwein, immer wieder über seinen Schatten zu springen. So wie auch ich immer wieder versuche, über meinen Schatten zu springen. Und meistens klappt das sogar irgendwie.

Sympathischerweise ist Pu genauso wenig perfekt (sondern ziemlich verfressen). Ja, eigentlich haben alle Tiere aus dem Buch ihre (sehr menschlichen) Schwächen. Doch die liebevolle Art, wie A. A. Milne über sie schreibt, stellt die Charaktere nie bloß. Und wie wundervoll sind die Zeichnungen von E. H. Shepard (viel, viel schöner als die Disney-Illustrationen, die heute vermutlich den meisten Kindern – leider – geläufiger sind)!

Meine Pu-Gesamtausgabe wurde von Harry Rowohlt übersetzt. Ich hatte das Glück, den Schauspieler und Übersetzer vor vielen Jahren bei einer Lesung aus Pu der Bär in Frankfurt am Main live erleben zu dürfen. Seine brummelige Stimme passte perfekt zu dem gutmütigen Bären und seinen Freunden. 2015 starb Harry Rowohlt. Doch durch die Übersetzungen und Hörbücher von Pu der Bär bleibt er sicher nicht nur für mich unvergessen.“

Alan Alexander Milne: Pu der Bär – Neuausgabe (Übersetzung: Harry Rohwohlt). Dressler 2014, ab fünf Jahren, 16,99 €.

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