„Und was liest du so?“ mit Barbara Rose

Menschen, die mit Kindern und Literatur zu tun haben, stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Heute darf ich Euch eine Frau mit einem der klangvollsten Namen, die ich je gehört habe, vorstellen: Barbara Rose. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen, oder?

Barbara Rose ist eine gebürtige Rheinländerin, die in Würzburg aufgewachsen ist, hat über zehn Jahre Geschichten fürs Fernsehen geschrieben und (Kinder-) Sendungen fürs Radio gemacht, vier Kinder bekommen und sich vor einigen Jahren dazu entschlossen, gemütlich in ihrem Haus, am warmen Ofen mit nahrhafter Suppe nur noch Bücher für Kinder und Jugendliche zu schreiben.

Hä? Am warmen Ofen mit nahrhafter Suppe? Nun ja, es war nämlich schon immer Barbaras Traum gewesen, Schriftstellerin zu werden. Leider hatte ihr nur jemand als kleines Mädchen erzählt, dass diese in kalten Zimmern ohne genug zu Essen darben müssten – Stichwort „brotlose Kunst“. Deshalb machte Barbara zunächst etwas Vernünftiges, bis sich herausstellte, dass man es auch als Autorin warm und gemütlich haben kann.

Was für ein Glück! Denn Barbara hat in ihrem Schaffen immer die Kinder im Blick, wie zum Beispiel in ihrem neuesten Bilderbuch Küsschen? Bäh!, das das übergriffige Abküssen von Kindern thematisiert und über dessen Entstehungsgeschichte sie auf ihrem Blog erzählt.

Volker Fredrich, Barbara Rose, Bilderbuch, Kinder, Familie, Kind will nicht geküsst werden
Küsschen? Bäh! Tulipan 2018

Und was liest du so, Barbara Rose?

„Ich mag Lautmalerei, Sprachspiele, Nonsensgedichte und Reime. Ich schätze Wörter, die Geräusche und Klänge erzeugen und Texte lebendig machen. Ich liebe Humor. Und ich bin ein Ohrenmensch. Vielleicht kommt das daher, dass ich früher Unmengen von Schallplatten mit Kindergeschichten gehört haben, vielleicht kommt es auch aus meiner langen Zeit beim Radio. Auf jeden Fall muss ich Geschichten und Bücher gut hören und vorlesen können, damit ich sie mag.

Seit meiner Kindheit lese ich – auch mit meinen Kindern – gern die Reimgeschichten von Onkel Tobi von Hans G. Lenzen. Onkel Tobi, der zum Einkaufen fährt und dabei allerhand Bekanntschaften macht. Unterwegs muss Onkel Tobi seine Einkaufsliste ständig erweitern und wiederholt diese zum Einprägen immer wieder. Herrlich, wenn man so langsam im Takt mitschwingt und mitsingt. Auch Henriette Bimmelbahn von James Krüss ist so ein Ohrwurm. Die Reime über die kleine Lok, die ihren ganz eigenen Willen hat, sind wunderbar rhythmisch, eingängig und liebenswert. Weg mit aller Theorie! So entsteht Sprachgefühl.

 

Eine ganz andere Geschichte, die ich aber seit vielen Jahren auch immer im Ohr habe, ist Urmel aus dem Eis von Max Kruse. Die Sprachfehler der Tiere, die aber trotz oder gerade deswegen starke Persönlichkeiten sind, finde ich ausgesprochen liebenswert. Mir ganz egal, dass Kritiker genau das immer bemängeln. Ich lese eher die Liebe von Max Kruse heraus, mit der er seine Figuren erdacht hat. Und ich bin sicher, dass er damit sagen wolle: „Ganz egal, wie einer redet oder wie einer ist, versuche ihn einfach zu mögen. Gib ihm eine Chance!“

Mit dieser Unvollkommenheit spielt auch das Kinderbuch, das ich erst als Erwachsene kennen- und lieben gelernt habe: In einem tiefen dunklen Wald… von Paul Maar. Was für eine wunderbare, witzige Geschichte über ein verzaubertes Untier mit Sprachfehler, eine Prinzessin, die ziemlich selbstbewusst, leider aber ein bisschen zu eitel ist. Eine andere Prinzessin, die eigentlich keine sein will, aber schlau und mutig ist. Mein absolutes Lieblingsbuch von Paul Maar. Weniger bekannt als seine anderen Werke, deshalb umso empfehlenswerter!“

 

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ella sagt:

    Onkel Tobi und Henriette Bimmelbahn sind auf jeden Fall auch zwei meiner liebsten Kinderbücher und das Küsschen?Bäh!-Buch eine super Sache, um sie an alle Omis, Opis, Tanten und Onkels zu verschenken 😉

    Gefällt 1 Person

  2. kunterbunt79 sagt:

    oh toll

    Gefällt 1 Person

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