Autoren, Illustratoren und Sprecher stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Christian Hanne hätte eigentlich auch bei der Rubrik Social Reading mitmachen können, so aktiv ist der junge Mann im Netz unterwegs: Auf Familienbetrieb bloggt er über das Leben und seine Familie und veröffentlicht dort auch jeden Freitag die Familien-Tweets der Woche, an denen kein Twitterer mit Kindern vorbeikommt.

Christian Hanne
Wenn’s ein Junge wird, nennen wir ihn Judith, Seitenstraßenverlag 2016.

In diesem Sommer ist Christian Hanne aber auch unter die Autoren gegangen: Wenn’s ein Junge wird, nennen wir ihn Judith vereint zwölf längere Kurzgeschichten, die aus den frühen Gründerjahren des Familienbetriebs erzählen – als also der Nachwuchs noch sehr klein und deshalb noch keine Zeit zum twittern und bloggen war. Christian Hanne klärt, ob sich Eltern wirklich über alle Babygeschenke freuen müssen, ob der werdende Vater während der Entbindung essen darf und ob tatsächlich alle Kinder schlafen lernen.

Man sieht: Der Mann hat in seinem Familienbetrieb viel Erfahrung sammeln können, was liest er also seinen Kindern vor?

„Gute Kinderbücher zu finden, stellt für Eltern eine Herausforderung dar wie man sie allenfalls von Indiana Jones auf der Suche nach dem Heiligen Gral kennt. Das sagt einem aber niemand, bevor man Kinder bekommt. Und ehe man sich’s versieht, breiten sich die rot beschleifte und blau belatzhoste Conni, mit ihren zwölf Millionen Hobbys, die sie alle in Perfektion beherrscht, der ewig weinende und motzende Bobo Siebenschläfer mit seinen Valium verströmenden Subjekt-Prädikat-Objekt-Sätzen oder der Nerv tötende Nager Leo Lausemaus im Bücherregal im Kinderzimmer aus wie Hausschwamm. Das ist sehr unschön, wenn man abends seinen Kindern vorlesen soll und sich dabei am liebsten mit einem stumpfen Löffel in den Oberschenkel bohren möchte, um einen befreienden Konterschmerz auszulösen.

Kirsten Fuchs, Cindy Schmid
Der Miesepups, Voland & Quist 2016

Um Eltern vor diesem Unbill zu bewahren, möchte ich ihnen das brandneue Buch der großartigen Kirsten Fuchs ans Herz legen. Die kennt man eigentlich durch ihre Kolumnen in Das Magazin oder ihre Romane wie Mädchenmeute.

Nun hat sie aber ein Kinderbuch geschrieben: Der Miesepups. Der lebt in einer dunklen, unaufgeräumten Baumhöhle, die es in Sachen Unordnung mit jedem Kinderzimmer aufnehmen kann, ist immer schlecht gelaunt und regt sich unablässig über irgendetwas auf. Und trotzdem erscheint jeden Morgen an der Tür das Kucks, ein „dünnes, rothaariges Gewackel“, und bringt dem misanthropischen Miesepups ein Geschenk mit, denn es möchte ihn gerne ankucken, aber der motzt einfach immer weiter. Bis das Kucks ihn eines Tages doch anschauen darf und die beiden zusammen losziehen. Das endet dann in dem schönen Schlusssatz des Miesepups: „Wenn ich hier so mit dir unterwegs bin, könnte ich mich überhaupt nicht aufregen.“

Ein Buch mit einem ganz wunderbaren Text, der sowohl den Vorlesern als auch den Vorgelesenen Spaß macht, und dazu noch mit tollen Collagen von Cindy Schmid bebildert ist, so dass man sich das Buch auch mehrmals anschauen kann und immer wieder etwas Neues entdeckt.“

Kirsten Fuchs, Cindy Schmid: Der Miesepups. Voland & Quist 2016, ab vier Jahren, 14,90 €.

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