Heute gibt es mal wieder eine kleine Anekdote aus meinem Leben, warum ich einst Germanistik studierte und nicht Astrophysik (Oder Medizin. Oder Wirtschaftsingenieurwesen.) Denn der Weg zu diesem Entschluss war lang und steinig, hatte viele kleine Episoden und ließ mir letztendlich keine andere Wahl.

Eine kleine Episode möchte ich Euch heute erzählen. Es war 1996, vielleicht aber auch ’97 oder ’98, wer kann das schon noch so genau sagen. Ich hatte irgendwas mit meiner rechten Hand, was genau, kann ebenfalls niemand mehr sagen, auf jeden Fall trug ich einen Verband.

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ich einen sehr fiesen Mathe- und Physiklehrer hatte, der beinahe schon die Karikatur eines fiesen Mathe- und Physiklehrers war. Dieser bestand darauf, dass ich – wie auch immer – an der bevorstehenden Physikklausur teilnehmen sollte, da meine Physiknote zwischen zwei Noten schwankte (Ich vermute, zwischen 4 und 5.). Mit meiner lädierten rechten Hand konnte ich jedoch nicht schreiben und so musste dringend eine Lösung gefunden werden.

Die Lösung erschien in Person meiner lieben, zarten Deutschlehrerin, die keiner Fliege etwas zuleide tun konnte und manchmal zum Weinen in die Bibliothek ging wenn die pubertären Jungs es allzu weit mit ihr trieben. Ich hoffe für sie, dass sie mit der Zeit stärker geworden ist, damals war sie im Referendariat (und müsste mittlerweile Ende vierzig sein, huch, na Gott sei Dank, dass ich nicht älter werde).

Diese nette Referendarin bot sich also an, meine Physikklausur für mich zu schreiben und so kam es, dass man uns zwei in ein leeres Klassenzimmer setzte und ich anfing, ihr die Lösungen der Aufgaben zu diktieren. Eine Stunde lang erzählte ich irgendwas über Schaltkreise und Ampere und das ist gelogen, ich habe keine Ahnung, wovon die Klausur handelte. Nach der Stunde war meine Deutschlehrerin schwer beeindruckt, wie ausgeprägt mein Wissen über Schaltkreise und Ampere war und auch ich verließ den Raum mit einem guten Gefühl.

Nach einer Woche klatschte mir der fiese, rotnasige Mathe- und Physiklehrer die Klausur auf den Tisch: 5. Ich weiß nicht, wer entsetzter war: meine Deutschlehrerin oder ich. Doch die Tatsache, dass jemand, der über zehn Jahre älter war als ich, der sein Studium beendet hatte und kurz davor stand verbeamtet zu werden, mein Physikwissen als umfangreich empfand, obwohl es mangelhaft war, gab mir Mut, dass noch nicht alles verloren war (natürlich könnte man aus heutiger Sicht darüber diskutieren, ob eine Akademikerin nicht über Grundkenntnisse in Physik verfügen müsste etc. pp., jedoch meinem pubertären Ich hat es sehr gut getan, dass es nicht so war und trotzdem etwas aus ihr geworden ist).

Soviel zu dieser kleinen Episode aus meinem Schulleben, eine von vielen, die dafür gesorgt haben, dass aus mir wurde was aus mir wurde.

Wie so häufig im Leben bekommt man aber eine zweite Chance – in meinem Fall durch meine Mutterschaft und den Wissensdurst meiner Monsieurs. Ich schrieb darüber auch im No Robots Magazine: Eines der Dinge, die das Elternsein so fantastisch machen, ist ja, dass man die ganze Zeit Neues lernt – oder all das auffrischen kann, was ein fieser Physiklehrer nicht vermitteln konnte.

Deshalb ist jetzt auch Professor Astrokatz bei uns eingezogen. Der erklärt mir und natürlich den Monsieurs noch mal ganz genau und in Ruhe das mit den Schaltkreisen und Ampere also known as warum der Himmel blau ist, was Naturgesetze sind und wie diese funktionieren oder warum ein Heißluftballon nicht vom Himmel fällt. Und das macht er wesentlich besser als alle fiesen, rotnasigen Physiklehrer auf der Welt zusammen (wer mir nicht glaubt, kann hier einen Blick ins Buch werfen).

Dominic Walliman, Ben Newman: Professor Astrokatz – Physik ohne Grenzen (Übersetzung: Sylvia Prahl ). Nord Süd Verlag 2016, ab sieben Jahren, 22,99 €.

ISBN/EAN: 9783314103629
Sprache: Deutsch
Umfang: 66 S.
Erschienen am 22.08.2016

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