Blogparade: Starke Frauen

Wann ist eine Frau eine starke Frau?

Momentan ist es hier ein wenig ruhiger als sonst, oder? Was soll ich sagen – das Leben, Freunde, das Leben… Aber dann kam ars edition und hat mich gefragt, ob ich anlässlich des neuen Buches Power Woman – Geniale Ideen mutiger Frauen bei ihrer Blogparade zum Thema Starke Frauen mitmachen möchte.

Ja, möchte ich. Denn zum Thema Starke Frauen fällt mir eigentlich immer etwas ein. Ich habe in diesem Zusammenhang schon einmal Kirsten Boie vorgestellt. Rund um den Weltfrauentag habe ich Euch die neuesten Bücher über Malala Yousafzai und Frida Kahlo gezeigt, außerdem natürlich die Good Night Stories for Rebel Girls und Unerschrocken. Ich finde, solche Bücher kann es nicht genug geben und hoffe, dass diese nicht nur einer von vielen Trends sind, sondern unsere Gesellschaft nachhaltig verändern werden. Denn das ist nötig, doch dazu später mehr.

In der Woche zum Weltfrauentag wurde sehr viel über starke Frauen geschrieben, gesprochen und getwittert. Irgendwann wurden Stimmen von Frauen laut, in denen gefragt wurde, warum es eigentlich immer nur um starke Frauen gehen würde, was sei denn mit den schwachen, depressiven, müden Frauen?

Mich hat das lange beschäftigt. Der Einwand ist nicht ganz falsch. Denken wir an starke Frauen, denken wir an Frida, die einen Busunfall überlebte und unter Schmerzen großartige Bilder malte. Wir denken natürlich an Malala, an Michelle Obama oder Florence Nightingale, an Frauen, die Großes geleistet haben, meist unter schwierigsten Bedingungen. Da kann man sich schon mal etwas klein fühlen, wenn man es gerade mit Ach und Krach schafft, Job und Kinder unter einen Hut und eine warme Mahlzeit auf den Tisch zu bringen. Der Kampf für Menschenrechte? Das großartige Gemälde? Das schaffen wohl nur die starken Frauen.

Falsch. Soll ich Euch was sagen? Wir sind alle starke Frauen, egal, ob wir für Menschenrechte oder gegen Depressionen kämpfen. Wir leisten alle unser Bestes, in unserem Land, in unserer jeweiligen Lebenssituation. Einige haben es leichter, andere schwerer, doch wir alle haben unsere Kämpfe und geben nicht auf. Was sollte daran nicht stark sein? Wir alle möchten gern besonders sein und vielleicht sind das die wenigsten von uns – aber stark? Das sind wir alle!

Die Bedingungen für uns Frauen sind auch 2018 nicht leicht. Die Gesellschaft sorgt sich gern um unsere Unterdrückung wenn wir aus fremden Kulturen kommen, gleichzeitig wird uns mit Vergewaltigung gedroht wenn wir ein Fußballspiel kommentieren. Wir werden als mächtigste Frau Europas Mutti genannt und wir werden von unseren Kindern getrennt wenn wir weniger Macht haben. Wir werden von anderen Frauen als „Kopftuchmädchen“ bezeichnet oder aufgefordert, für den Job auf die Einschulung unseres Kindes zu verzichten. Wir verdienen weniger als Männer, auch wenn wir dieselbe Position bekleiden. Und vielerorts gibt es uns gar nicht.

Deshalb kann ich nur sagen: Natürlich sind wir alle starke Frauen, denn wir alle halten das Tag für Tag aus! Manche von uns haben durch Geburt und Herkunft mehr Glück als andere, manche haben mehr Charisma als andere, manche erleben ein so großes Schicksal, dass es kaum zu ertragen ist. Wir alle haben unsere schwachen Momente und Zweifel, wir weinen und wir klagen und dann stehen wir auf und machen weiter. Und wenn wir das gerade nicht schaffen, kämpfen andere für uns. Denn das machen starke Frauen so – jede für sich im Kleinen und gemeinsam im Großen.

Zum Buch

Power Women holt Mädchen ab zehn Jahren genau dort ab, wo die Schere zwischen charismatischer Powerfrau und dem eigenen Kleinklein vielleicht am größten ist: Es versammelt mutige Frauen aus allen Erdteilen und Epochen – von Kleopatra bis Emma Watson, von Ada Lovelace bis Zaha Hadid – und bricht ihre Erfolge und Denkansätze auf das Hier und Jetzt pubertierender Mädchen herunter. Mobbing, die Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen, die falschen Turnschuhe, das Gefühl, ein Alien inmitten von Normalos zu sein – what would Jeanne D’Arc do?

Das mag auf uns Erwachsene vielleicht befremdlich wirken – „Was hat der Ausschluss aus einer WhatsApp-Gruppe mit dem Frauenwahlrecht zu tun?“ -, doch mein zwölfjähriges Ich sagt mir, dass wir die Irrungen und Wirrungen der Pubertät nicht unterschätzen dürfen. In dieser Zeit von mutigen und eigenwilligen Vorbildern und ihrer Sicht auf die Welt zu lesen, stärkt Mädchen und bringt sie auf den richtigen Weg – auf den Weg, zu einer starken Frau zu werden, die sich für ihresgleichen einsetzt und die Gesellschaft nachhaltig verändert. Im Großen wie im Kleinen.

Kay Woodward: Power Women (Übersetzung: Andreas Jäger). ars edition 2018, ab 10 Jahren, 16,00 €.

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