100 außergewöhnliche Frauen in einem Buch vereint

Irgendwie glaube ich, dass wir mit dem Feminismus auf einem guten Weg sind. Ja, wir haben 2017 und es müsste eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass Frauen und Männer gleich bezahlt werden. Ja, wir haben 2017 und ich werde (ganz sicher im Gegensatz zu allen dreifachen Vätern) regelmäßig bei Bewerbungsgesprächen gefragt, wie ich „das alles managen“ will. Und ja, wir haben 2017 und Väter feiern sich für zwei Monate Elternzeit ab.

Aber: Gleichzeitig boykottiert die dänische Frauennationalmannschaft die WM-Qualifikation, nachdem der norwegische Fußballbund entschieden hat, männliche und weibliche Fußballspieler gleich zu bezahlen. Unter dem Hashtag #metoo versammeln sich nicht nur Frauen, sondern auch Männer schreiben kluge Dinge darüber, dass der Kampf für eine gleichberechtigte Gesellschaft von beiden Geschlechtern geführt werden muss.

Doch trotzdem: Das ist noch ein langer Weg, den wir da alle vor uns haben. Was da gut hilft: sich Mut anlesen. Mit dem Sachbuch des Monats Oktober zum Beispiel – Good Night Stories for Rebel Girls.

Einst als Crowdfunding-Projekt in den USA gestartet, wurde Good Night Stories for Rebel Girls das Buchprojekt mit dem höchsten Unterstützungsbeitrag in der Geschichte des amerikanischen Crowfundings und erhielt über eine Million Dollar. Jetzt ist sie auch auf Deutsch erschienen, die Sammlung von hundert Frauen, die alle auf ihre ganz persönliche Weise Großes vollbracht haben.

Angela Merkel (aus deutscher Sicht vielleicht alles andere als rebellisch) findet in Good Night Stories for Rebel Girls genauso Platz wie die Grundschülerin Coy Mathis oder die Boxerin Mary Kom. Sie alle, ebenso wie die Kriegerkönigin Yaa Asantewaa, Frieda Kahlo und Steffi Graf werden von über sechzig Künstlerinnen aus aller Welt porträtiert und in Szene gesetzt.

Diese hundert Geschichten sind spannend und inspirierend und vor allen Dingen machen sie Mut, seinen eigenen Weg zu gehen und sich nicht aufhalten zu lassen – nicht von Personalern, nicht von Hollywood-Produzenten und schon gar nicht von gesellschaftlichen Zwängen und Normen.

Als Siebzehnjährige kaufte ich mir WahnsinnsFrauen – die Rebel Girls hätte ich vermutlich wesentlich cooler gefunden. Aber ich sagte ja bereits: Wir haben 2017 und sind auf einem guten Weg. Und als ich kurz wehmütig darüber nachdachte, dass ich gar keine Tochter habe, der ich dieses schöne Buch schenken kann, fiel mir zum Glück ein: Als dreifache Jungsmutter („Wie wollen Sie denn das alles managen?!“) kann ich immerhin für Männer sorgen, die kluge Sachen sagen und sich dämliche Fragen verkneifen – oder erst gar nicht auf dämliche Fragen kommen! 😉

Wir wünschen Euch ein schönes Restwochenende, passt gut auf Euch auf!

Good Night Stories for Rebel Girls, Hanser, Rezension, Juli liest, Buchtipp, Sachbuch des Monats
Rebel Boys reading Rebel Girls

Elena Favilli, Francesca Cavallo: Good Night Stories for Rebel Girls (Übersetzung: Birgitt Kollmann). Hanser 2017, ab 12 Jahren, 24,00 €.

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