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„Und was liest du so?“ mit Anke Loose

Autor*innen und Illustrator*innen stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Heute auf dem digitalen Und was liest du so?-Lesesofa zu Gast: Anke Loose. Anke ist in einer mittelkleinen, mitteldeutschen Stadt aufgewachsen, „mit Büchertürmen so hoch wie die Eiger Nordwand“. Nach einer Ausbildung als Textiltechnikerin und einem Designstudium in ihrer Wahlheimat Berlin folgt sie fortan ihrer Leidenschaft, schöne Dinge für Kinder zu entwickeln, denen viele gute Geschichten innewohnen. Neben ihrer Arbeit als Designerin, Dozentin und Autorin hat sie bereits diverse Konzepte für Kinder entwickelt.

Und da Anke gleich in ihrem wunderbar ausführlichen Buchtipp noch viel mehr über ihr Leben erzählt, möchte ich die Gelegenheit nutzen und Euch an dieser Stelle unbedingt den kleinen Herrn Heimlich vorstellen – Ankes neuestes Kinderbuch, es ist gerade erschienen!

Der kleine Herr Heimlich hat Großes vor ist ein Vorlesebuch für alle ab fünf Jahren und erzählt von dem turbulenten Familienchaos in Lottes Familie: Ständig geht etwas kaputt – der Fahrradreifen ist platt, das Regal kracht von der Wand, der Wasserhahn tropft… Wer kennt es nicht? Zum Glück trifft Lotte auf den kleinen Wichtel Heimlich, der sich eigentlich zur Ruhe setzen und ein Buch über seine Erfindungen schreiben wollte. Doch weil Lotte unbedingt seine Hilfe braucht und auch Erfindungen nicht abgeneigt ist, tun sich die beiden zusammen und krempeln die Ärmel hoch um Lottes Heim wieder in Ordnung zu bringen. Abgerundet wird das ganze durch zuckersüße Illustrationen von Ariane Camus, Familienchaos zum Vor- und Selberlesen!

Wo wir nun also wissen, dass Anke sich mit Kindern, Chaos und Büchern auskennt, wollen wir jetzt endlich erfahren, welche ihren liebsten Kinderbücher sind, oder? Also fragen wir auch schon:

Und was liest du so, Anke Loose?

Bücher begleiten mich, soweit ich zurückdenken kann. Also bis drei, ungefähr ziemlich genau. Mein erstes Buch war eine blaue Pappe mit einem flauschigen Entenküken auf dem Cover. Dann kamen echte Bücher mit Text. An den Wochenenden, die kurz waren, denn wir gingen damals noch am Samstag zur Schule, habe ich jede Sekunde genutzt, um meine Nase in Bücher zu stecken. Sogar an schönsten Sonnentagen musste mich meine Mutter vor die Tür schieben. Während sich andere Kinder Rollschuhe oder Kinokarten gewünscht haben, waren Bücher mein größtes Glück. Sie wohnten in einem knarzenden Bücherschrank von meinem Großvater. Später kam ein nagelneues Bücherregal hinzu, hinter dem ich mich lesend verschanzen konnte. Am liebsten mit Russisch Brot und Schokolade, die Spuren auf den Seiten hinterließ.

(Grübelt) Mir fallen viel zu viele Bücher ein, in die ich liebend gern in der Kindheit eingetaucht bin. Eine Buchreihe war bei Kindern besonders beliebt: die kleinen Trompeterbücher. Davon habe ich unzählige gelesen, querbeet durch alle Genres: Märchen, Gedichte, Geschichten, Abenteuer. Und Quatschgeschichten wie Meta Morfoß von Peter Hacks. Die liebe ich noch heute. Aber ok, hier sind drei Bücher, aus denen ich wirklich ALLE Wörter rausgelesen habe: Die rote Zora von Kurt Held hat meine ewige Sehnsucht nach Freiheit genährt und die Liebe zu einem fremden Land in mein Herz gepflanzt, welches ich erst 30 Jahre später kennenlernen sollte. Die kleine Meerjungfrau von Hans Christian Andersen habe ich so oft gelesen, nur weil ich hoffte, dass die Geschichte doch eines Tages anders ausgehen würde … hat nicht geklappt, wisster ja, Und die Bibliotheks-Ausgabe war so unfassbar schön illustriert, dass ich alle Bilder nachgezeichnet habe. Das Haus am Ende der Welt von Monica Dickens (die ist tatsächlich die Enkelin von Charles Dickens) habe ich so oft gelesen, bis ich das Gefühl hatte selbst Teil des Buches zu sein. Kinderabenteuer at it‘s best! Und Das Mädchen aus dem Apfelbaum eine federleichte, traumhaft erzählte Märchensammlung über alles, was da grünt und blüht. Bis heute weiß ich, warum die Wegwarte eben Wegwarte heißt und warum sich ihre Blüten am Tage nach der Sonne drehen. Ok, jetzt sind es vier.

Und wie alles kam, dass ich irgendwann selber starke Charaktere zu entwickeln begann und Kinderbücher zu schreiben? Gute Frage…Dinge für kleine Leute entwickeln – das mache ich schon ewig. Mein Inspirationsquell war (fast) alles um mich herum. Und der Mangel. Und Kinder. Na klar, auch das eigene Kind, welches im Wendejahr 1989 geboren wurde. Weil wir damals nicht so viel Schönes hatten, gab es bei uns irre viel Selbstgemachtes und Ausgedachtes, kunterbunte Klamotten aus riesigen Sportlertrikots, gestrickte Socken und Mützen von Oma, sonderbare Kuscheltiere, bunt zusammengewerkelte Spielzeuge, wolkige Wandbilder, wilde ausgedachte Geschichten – und – ist ja so klar wie ein Bergbach im Wallis: Es gab jede Menge Bücher.

Bücher, die zusammen mit dem Kind zerlesen wurden: Ich mach dich gesund, sagte der Bär von Janosch, Mäuseken Wackelohr von Hans Fallada, Sophie macht Geschichten von Peter Härtling, Ben liebt Anna auch von Peter Härtling, Geschichten für Kinder und eigentlich alles von Elisabeth Shaw, Michel aus Lönneberga und Madita von Astrid Lindgren, Drachenreiter von Cornelia Funke … Und eines Tages konnte das Kind dann plötzlich selber lesen.

Schon in der Ausbildung, später an der Uni, anfangs bei der Arbeit im Modezirkus und noch später in einem Spieleverlag, in einem Trickfilmstudio, in einem Kinderbuchverlag – also eigentlich immer – sind Dinge für Kinder entstanden: Kinderklamotten, Kindertaschen, Kinderspielzeug, Kinderfiguren. Und seit ein paar Jahren eben auch Kinderbücher. In meinen inneren und äußeren Schubladen haben sich so viele Gedankenschnipsel angesammelt, dass ich diese nun nach und nach zu Papier bringe – bis die sich alle verbraucht haben, bin ich sicher Hundert.

Und zum Schluss kommen jene Bücher, die ich auch als Erwachsener immer und immer gern lese und/oder einfach nur gerne anschaue: (Fast) alle Janosch-Bücher, weil man damit so schön herumblödeln kann, wer bitte denkt sich sowas wie Schnuddel aus oder Seifried mit dem Bügelbrett??!!. (Fast) alle Astrid Lindgren-Bücher, weil ihre Sprache so wertvoll und ihre Figuren unverwechselbar sind. Und Bücher, in denen es um was geht. Zusammenhalt, sich Durchbeißen, erste Liebe, dicke Freundschaft, Philosophisches, komische Leute, skurrile Orte, sowas. Ganz vorneweg marschieren die Rico&Oskar-Bücher. Alle. Dicht gefolgt von Kannawoniwasein. Emil in modern sozusagen. Meine Lieblings-Bilderbuch-Liste ist kilometerlang und würde Julis Format sprengen. Damit fange ich gar nicht erst an. Aber eines ist besonders besonders, und das ist Herman & Rosie, eine Geschichte über die Freundschaft. Darüber bin ich kürzlich gestolpert, war Liebe auf den ersten Blick und ZACK zog es bei mir ein.

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