Über meine Bewerbungsphase

Ein Beitrag zur Blogparade #Arbeitgeberwunsch

Lange habe ich hier nichts Persönliches geschrieben. Doch jetzt ist es wieder einmal so weit, Ein Vater greift zur Flasche von Christian Hanne und der Aufruf zur Weihnachtsblogparade von Alu und Konsti von Grosseköpfe #Arbeitgeberwunsch – Was ist euer politischer Familienwunsch an die Gesellschaft? haben da ein Ventil geöffnet.

Es ist nämlich so, dass ich vor noch nicht allzu langer Zeit eine einjährige Bewerbungsphase hinter mich gebracht habe. Ich hatte einen sehr schönen, aber befristeten Job mit netten Kollegen und tollen Aufgaben, doch auf Grund der Befristung begann ich rechtzeitig, mir etwas Neues zu suchen; schweren Herzens, aber durchaus motiviert schrieb ich Bewerbungen und ging zu Vorstellungsgesprächen. Ich bewarb mich aus einer 34-Stunden-Stelle kommend – doch scheinbar war das meinem Gegenüber selten bewusst, jedenfalls befragte man mich häufig, als wäre ich seit Jahren in Elternzeit, vollkommen unorganisiert und der Arbeitswelt nicht gewachsen.

Was soll ich sagen? Es war ein hartes Jahr und hätte ich nicht so viele Male vollkommen verzweifelt auf dem Sofa gesessen, könnte ich bestimmt ein witziges Buch darüber schreiben. So wird für lange Zeit in Erinnerung bleiben, dass ich mich während dieser Phase und während dieser Gespräche und nach diesen Gesprächen und irgendwann sogar vor diesen Gesprächen wie eine Vollidiotin gefühlt habe, unwürdig, auch nur einen der Jobs, auf die ich mich beworben hatte, auszufüllen.

„Wie viele Kinder haben Sie? Drei? Ich bewundere das immer, meine Frau und ich haben bei zwei aufgehört.“

„Sie wären dann die erste Mutti hier, die nicht um 13 Uhr zu ihrem Kind will!“

„Aus Müttern mache ich immer schön eine Assistentin der Geschäftsführung.“ [mein Arbeitsvermittler]

„Und wo sind jetzt gerade [11 Uhr] die Kinder?!“

„Ich habe extra einen Mädchen-Becher [Goldrand, Rosen] mitgebracht!“

Irgendwann kam ich mir vor wie in einem schlechten Film. Wie in einer Satire über Mütter auf dem Arbeitsmarkt. Absage für Absage trudelte ein, die Jobs wurden anderweitig vergeben und da wir in einer relativ kleinen Großstadt leben, konnte ich auch sehen, an wen. Mütter waren nicht dabei, ein Umstand, von dem ich nicht wusste, ob er vielleicht irgendwie tröstlich war.

Um die Spannung vorwegzunehmen und wieder auf das Thema dieser Blogparade zurückzukommen: Jetzt ist alles gut. So gut, wie es in einem Job, der auf ein solches Gespräch folgt, niemals hätte werden können. So gut, dass ich jetzt zu einer dieser Personen geworden bin, die sagen: „Kommt Zeit, kommt Rat! Alles wird gut! Du musst nur abwarten!“ Blablabla. Aber auf dieses Jahr hätte ich wirklich gut verzichten können.

Und damit sind wir auch schon bei meinem #Arbeitgeberwunsch: Ich. Möchte. Dass. Das. Aufhört.

Sofort.

Ich möchte, dass sowohl (potentielle) Arbeitgeber als auch die gesamte Gesellschaft arbeitende Mütter und Väter in Elternzeit als vollkommen normal wahrnehmen. Dass auf Zeugnisse und Ergebnisse geguckt wird und nicht auf die Anzahl der Kinder. (Obwohl: Eigentlich möchte ich schon, dass auch auf die Kinder geschaut wird und zwar wohlwollend und lächelnd. Nicht, weil sie zukünftige Rentenzahler, sondern einfach da und ganz wunderbar sind.)

Findet Euch damit ab – wir sind jetzt da und wir machen einen guten Job und dass nicht nur im Büro! Wir sind keine Aliens, sondern ein Teil der Gesellschaft. Findet Euch damit ab und dann werdet Ihr sehen, dass Ihr es sogar gut finden könnt!

Es wird noch dauern, ich ahne es. Irgendwann werden arbeitende Mütter und Elternzeit nehmende Väter tatsächlich so normal sein, dass niemand mehr ein Wort darüber verliert, ich bin mir ganz sicher. Doch nur Ihr könnt dafür sorgen, dass dieser Prozess schneller voran geht und keine weitere Energie verschwendet wird – wir Eltern sind nämlich schon da.

Noch mehr lustige Job-Geschichten von mir findet Ihr hier und hier.

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