„Und was liest du so?“ mit Marcus Jauer

Menschen, die mit Kindern und Literatur zu tun haben, stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Heute darf ich Euch in unser aller Lieblingsrubrik einen Mann vorstellen, den Ihr sicher bereits kennt, dessen neuestes Buch ich gerade lese während ich erkältet auf dem Sofa liege und der in meinen Augen mindestens eine richtig kluge Sache gemacht hat – bestimmt aber auch noch viel mehr 😉 -, er hat Alexa Hennig von Lange geheiratet, von der ich ja ein absolutes Fangirl bin (wir erinnern uns): Marcus Jauer.

Marcus Jauer, Alexa Hennig von Lange, Ängste, Ratgeber, Familie, Eltern, Kinder, Helikoptereltern, Sachbuch
Keine Angst!… ist auch eine Lösung, Gütersloher Verlagshaus 2018

Marcus ist Journalist und Autor, er schreibt Artikel für die Süddeutsche Zeitung und Süddeutsche Zeitung Familie und gemeinsam mit Alexa Ratgeberbücher, die in meinen Augen keine Ratgeberbücher sind und deshalb ganz tolle Ratgeberbücher sind. Hä? Was ich damit meine, könnt Ihr heute schon einmal hier nachlesen und bald auf diesem Kanal, wenn ich Euch Keine Angst!… ist auch eine Lösung vorstellen werde.

In ihrem aktuellen Buch behandeln die Eltern von fünf Kindern Ängste aller Art – ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber bei mir ist es so, als wären mit jedem Kind mindestens zwanzig Ängste, von denen man nichts ahnte, mitgeboren worden, andere wiederum kamen aus der eigenen Kindheit wieder hervor. Nicht anders geht es Marcus und Alexa, die schonungslos ehrlich ihre eigenen Ängste in ihre Bestandteile zerlegen und im Bestfall auflösen. Doch wie gesagt: dazu in nächster Zeit mehr.

Jetzt freuen wir uns erst einmal auf Marcus‘ Lieblingskinderbuch und fragen: Und was liest du so, Marcus Jauer?

Hans Fallada, Buchtipp, Marcus Jauer, Kinderbücher, DDR, Rezension
Geschichten aus der Murkelei, Aufbau Verlag

„Ich bin in der DDR aufgewachsen und habe als Kind vor allem Märchen gelesen: Brüder Grimm, Hauff, Bechstein. Eines meiner Lieblingsbücher war Geschichten aus der Murkelei von Hans Fallada, obwohl es mich immer auch gegruselt hat.
Das meiste von dem, was für jemanden, der zur gleichen Zeit im Westen gelebt hat, zur Leseerinnerung der Kindheit gehört, habe ich erst so richtig kennengelernt, als ich meine Frau traf. Wir haben zusammen drei kleine Kinder, denen ich sehr gern vorlese und ich muss zugeben, als meine Frau mir dafür zum ersten Mal Astrid Lindgrens Wir Kinder aus Bullerbü gab, war ich skeptisch. Mädchen und Jungen, die in ein paar Bauernhöfen auf dem Land leben, mit mutterlosen Lämmchen und einem Schulweg über endlose Feldwege – ich hielt das ehrlich gesagt für Heile-Welt-Kitsch. Aber da wurde ich vom ersten Satz an widerlegt.

Astrid Lindgren, Klassiker, Schweden, Kinderliteratur, Kinderbücher
Wir Kinder aus Bullerbü, Oetinger 2014

In den meisten Kinderbüchern geht es heute meinem Gefühl nach oft nur um das Verhältnis zwischen Kindern und Erwachsenen, so als sei es wichtig, was sie miteinander zu klären haben. Dabei sind es doch meistens die Erwachsenen, die irgendetwas mit den Kindern klären, sie zu irgendetwas bringen, ihnen irgendetwas anerziehen wollen. Bei Astrid Lindgren dürfen Kinder unter sich sein, sie haben Zeiten und Orte, Wünsche und Probleme, die ganz ohne Erwachsene auskommen. Das rettet einem als Vorleser die Perspektive, die, wie ich finde, in der Hektik des Alltags schnell verloren geht: Das Kind nimmt die Welt ganz anders wahr, es bewohnt sie auf vollkommen verschiedene Art und Weise und wenn man das als Erwachsener nicht zulässt, nimmt man ihm im Grunde seinen Lebensraum, denke ich. Wenigstens geht mir das immer durch den Kopf, wenn ich sehe, wie gespannt meine Kinder die Geschichten aus Bullerbü verfolgen, fasziniert davon, dass das hier etwas ist, dass tatsächlich ganz und gar für sie geschrieben wurde.“

 

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Cary sagt:

    Richtig coole Rubrik!

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    1. Juli sagt:

      Ja, doch. Ich mag sie auch sehr! 😉 Danke für das Lob!

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  2. kunterbunt79 sagt:

    gefällt mir auch…wie lesen jeden Tag ein Kinderbuch…noch darf ich vorlesen

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