Rassistisch sind immer die anderen

Wisst Ihr, welcher Rassismus mir der liebste ist? Der Reiswaffel-Rassismus. Das ist der Rassismus von Leuten, die lieber Reiswaffeln statt Schokoriegel für ihre Kinder kaufen. Die gesund leben möchten und lieber auf den Wochenmarkt statt in den Supermarkt gehen. Die ihren Kindern lieber musikalische Früherziehung statt Ninjago anbieten.

Reiswaffel-Rassismus, das ist der Rassismus von Leuten, die Bündnis 90/Die Grünen wählen, ganz Hartgesottene vielleicht die SPD. Leute, die auf AfD-Wähler kopfschüttelnd mit dem Finger zeigen, Leute, die nie im Leben bei Pegida mitmarschieren würden. Leute, die sich über den Rechtsruck in Europa sorgen.

Reiswaffel-Rassismus, das ist der Rassismus von Leuten, die ganz mutig allein mit ihrer Tochter durch Marokko reisen und vollkommen überrascht sind, wenn sie dort auf ein deutsch-marokkanisches Paar treffen, das sich nicht im Urlaub kennengelernt hat und das miteinander perfektes Deutsch spricht.

Reiswaffel-Rassismus, das ist der Rassismus von Leuten, die bei der Bahn arbeiten und die Mitreisenden eines Wochenendtickets über ihre Familienverhältnisse ausfragen, weil der Inhaber dieses Wochenendtickets Migrationshintergrund hat.

Reiswaffel-Rassismus, das ist der Rassismus von Kinderladen-Cliquen, die sich wenn sie ihr eigenes Fehlverhalten nicht mehr erklären können, dahin retten, dass sie Angst vor dem schwarzen Mann haben und deshalb nicht mehr sein Kind betreuen können.

Reiswaffel-Rassismus, das ist der Rassismus von Eltern, die das wilde Verhalten bei einem Kind mit deutschem Vater mit dem großen Bruder erklären und bei einem Kind mit arabischem Vater mit dessen ultrastrenger Erziehung.

Reiswaffel-Rassismus, das ist der Rassismus von Leuten, die zweisprachige Erziehung auf Englisch ganz großartig finden. Auf Türkisch, Russisch oder Polnisch aber bedenklich.

Reiswaffel-Rassismus, das ist der Rassismus von Leuten, die Weihnachten und Ostern feiern, ihre Kinder taufen lassen und Sieben-Wochen-ohne machen, aber kein Verständnis für Ramadan haben. Den ganzen Tag ohne zu trinken? Das ist doch ungesund!

Reiswaffel-Rassismus, das ist der Rassismus von Leuten, die gerne das afrikanische Sprichwort zitieren, dass es ein ganzes Dorf bräuchte um ein Kind groß zu ziehen und die es dann unpassend finden, wenn tatsächlich die Großfamilie nach der Geburt eines Babys auf der Entbindungsstation erscheint.

Reiswaffel-Rassismus, das ist der Rassismus von Leuten, die Kinderreichtum bei deutschen Familien ungewöhnlich finden und bei Familien mit Migrationshintergrund mit dem Migrationshintergrund erklären.

Reiswaffel-Rassismus ist mir wirklich der liebste Rassismus. Also macht ruhig weiter damit, unser Leben wäre sonst echt langweilig. Und während unsere Kinder zusammen eine Reiswaffel futtern, können wir ja gemeinsam ein wenig auf Pegida schimpfen. Und überhaupt auf diese ganzen Rassisten. Die da draußen natürlich.

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