Menschen, die mit Kindern und Literatur zu tun haben, stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Als ich Mehrdad Zaeri letzten Sonntag anrief, um ihm die Frage Und was liest du so? zu stellen, kamen wir dermaßen vom Hündchen zum Stöckchen (wie meine Mutter immer sagt), dass die ursprüngliche Frage fast ein wenig in den Hintergrund geriet, weil es einfach auch so viele andere spannende Themen gab – an denen ich Euch an dieser Stelle natürlich teilhaben lassen möchte.

Leser dieses Blogs kennen Mehrdad Zaeri als Illustrator des feinen Bilderbuchs Als Oma immer kleiner wurde, Bilderbuchliebhaber wissen vermutlich um Nusret und die Kuh, für das es im letzten Jahr den deutschen Jugendliteraturpreis gab. Dasselbe Team – neben Mehrdad sind das Autorin Anja Tuckermann und Illustratorin Uli Krappen – hat nun wieder ein gemeinsames Bilderbuch geschaffen: Der Mann, der eine Blume sein wollte erscheint Mitte März im Tulipan Verlag.

Mehrdad und Uli Krappen sind bereits seit zwölf Jahren befreundet, damals haben sie sich in einer Internetgalerie kennengelernt, in der beide ihre Bilder ausstellten, und sich sofort in die Kunst des anderen verliebt. Seitdem fahren sie regelmäßig gemeinsam nach Frankreich oder Italien, bauen einen langen Tisch voller Pinsel, Papier und Farben auf und hängen die fertigen Bilder an Wäscheleinen auf. Für Nusret und die Kuh legten die beiden ein Blatt Papier zwischen sich in die Mitte des Tisches und stellten eine Küchenuhr: Zwei Minuten lang durfte jeder von ihnen malen und zeichnen, wenn die Uhr klingelte wurde gewechselt und das Werk des anderen durfte sogar übermalt werden.

Der Mann, der eine Blume sein wollte funktionierte dann schon ganz ohne Küchenuhr. Durch die vorangegangene gemeinsame Arbeit wissen die beiden nun, was der andere besser kann und nutzen die Stärken des Gegenübers. Mehrdad verwendet am liebsten einen feinen Stift, Uli Krappen malt leidenschaftlich mit dem Pinsel und starken Farben – und so werfen sie sich den Ball hin und her.

Ähnlich harmonisch läuft die Zusammenarbeit mit Autorin Anja Tuckermann, die laut Mehrdad „die perfekte Autorin“ ist: „Sie schreibt wie ein Engel. Wenn wir ihre Texte zum ersten Mal lesen, sind wir beide erstmal völlig ergriffen und brauchen zwei Tage zum Runterkommen – dann erst können wir über die Illustrationen nachdenken.

Und was gibt es noch zu erzählen? Vielleicht etwas zum Familienmenschen Mehrdad. Der hat eine Schwester namens Mehrnousch, die seit 1999 als Sozialpädagogin in der Flüchtlingsarbeit tätig ist. Von den beiden sind zwei Bücher erschienen, in denen Mehrnousch die Fluchterfahrung ihrer eigenen Familie beschreibt, einmal real (33 Bogen und ein Teehaus) und einmal fantastisch (Das Mondmädchen). Und auch mit seiner Frau Christina Laube macht Mehrdad gemeinsame Sache, im Herbst erscheint ihr Buch im Knesebeck Verlag (aber das zeige ich Euch dann).

Wie es sich anfühlt, wenn man mit vierzehn Jahren nach Deutschland kommt, erst mit Anfang Dreißig hier nicht mehr nur geduldet ist und dann plötzlich als deutscher Vertreter zur Kinderbuchmesse nach Bologna fahren darf, könnt Ihr hier nachlesen. Denn ich sage jetzt herzlichen Dank an Mehrdad für das spannende Gespräch und frage endlich:

Und was liest du so, Mehrdad Zaeri?

„Das allerneueste Buch, das ich mir gerade bei meinem Buchhändler bestellt habe, ist Smon Smon von Sonja Danowski, erschienen im Nord Süd Verlag. Sonja ist eine absolute Lieblingskünstlerin von mir, zum einen, weil sie so ein extrem netter Mensch ist, sehr warm und liebenswürdig. Und zum anderen, weil sie mit ihrem Strich Welten erschafft, in denen ich versinken möchte.

Sonja Danowski, Illustration, Mehrdad Zaeri, Kinderbuch, Bilderbücher, ab 4
Smon Smon, Nord Süd Verlag 2018

Smon Smon lebt auf dem Planeten Gon Gon und daran merkt man schon, was hier passiert. Das Buch ist eine wunderbare Kombination aus Wort und Bild, Sonja hat verschiedenen Dingen verschiedene Namen gegeben und am Anfang ist es schwierig, den Text zu verstehen. Doch nach und nach versteht man alles total gut – es ist beinahe interaktiv, denn man lernt eine neue Sprache.

Smon Smon ist keine lineare Geschichte, bei der man weiß, was als nächstes passiert. Man muss mitdenken und eintauchen – und das gefällt mir sehr!“

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