Bilderbuch des Monats: Meine Omi, die Wörter und ich

Über eine besondere Beziehung, Springteufel und Quallenschlachten

Heute möchte ich Euch ein Bilderbuch des Monats vorstellen, das auf so vielen Ebenen so wunderbar ist, dass ich ein wenig Sorge habe, etwas zu vergessen oder aber das Wunderbare nicht richtig transportieren zu können:

Meine Omi, die Wörter und ich erzählt die Geschichte von Mio und seiner Großmutter. Die beiden haben ein enges Verhältnis und sehen sich sehr häufig, denn alle Wörter, die Mio kennt, hat er von seiner Omi bekommen. Kein Wunder, dass Mios erstes Wort „Omi“ ist!

Doch mit der Zeit wird Omi immer schwächer und wortloser. Mio bringt neue Wörter in ihr kleines Zimmer, doch diese wollen einfach nicht bleiben und Omi verstummt, bis sie schließlich noch ein letztes Mal „Mio“ sagt und stirbt.

„Es hätte ja auch Tiefseekabel sein können oder Kommandokapsel oder Froschlaich. Aber nein, Mio. Und eigentlich ist das auch kein Wunder, wenn man bedenkt, bei wem die Wörter wohnen, seit meine Omi sie verschenkt hat.“

Kommen wir nun zu dem Wunderbaren. Da ist zum einen diese innige und rührende Enkel-Oma-Beziehung, die sich jeder nur wünschen kann, voller Liebe, Spaß und Vertrauen. Die gemeinsame Ebene der beiden ist die Sprache und damit wären wir auch schon bei dem zweiten wunderbaren Aspekt: Was Nikola Huppertz sich da ausgedacht hat, ist einfach nur großartig. Vollkommen fließend erscheinen Worte wie „Augenstern“, „Springteufel“ oder „Firlefanz“ und werden von Mio und seiner Omi lautmalerisch untersucht und auf ihre Wirkung und Bedeutung abgeklopft.

„Es gab Wörter für alles und jeden. Wörter, die gute Laune machten. Zitronendrops. Clownfisch. Schuhplattler. Und Wörter, die eklig waren. Quallenschlacht. Eiterbeule. Bandwurmlarve.“

„Es gab Wörter fürs Traurigsein. Stoßseufzer. Tränenschleier. Schneckenhaus. […] Und Wörter zum Hoffen. Sternschnuppe. Wundertüte. Freund.“

Nun stellt sich dem geneigten Bilderbuchliebhaber natürlich die Frage: Wie illustriert man das? Wie stellt man eine Eiterbeule dar? Und damit sind wir beim dritten Wunderbaren: den Bildern. Während sich Mehrdad Zaeri bei Als Oma immer kleiner wurde für ganz feine Bleistiftzeichnungen entschieden hat (was auch zu der zarten Geschichte gut passt), knallen uns in Meine Omi, die Wörter und ich die Springteufel, die Worte und die Bilder bunt und ungestüm entgegen.

Ich benutze dieses Wort wirklich selten (Oder nie?), aber heute ist es soweit: Elsa Klever setzt den Text von Nicola Huppertz in ihren Illustrationen kongenial um – alles ist im Fluss, alles ist in sich harmonisch und fügt sich zu einer rührenden Heilsgeschichte zusammen (hier gibt es einen Blick ins Buch). Einfach großartig, Tränchen nicht ausgeschlossen. Ein schwieriges Thema genial umgesetzt – und somit ein echtes Bilderbuch des Monats!

Nicola Huppertz, Elsa Klever: Meine Omi, die Wörter und ich. Tulipan Verlag 2017, ab vier Jahren, 15,00 €.

 

 

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. katharina sagt:

    Das klingt wirklich großartig, und der „Blick ins Buch“ bestätigt es. lg

    Gefällt 1 Person

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