Ausgezeichnetes Debüt einer jungen Illustratorin

Nach den kleinen Nachdenkereien in der letzten Woche von Kirsten Boie und mir müssen wir nun irgendwie wieder die Kurve zum Kernthema dieses fröhlich-subjektiven Blogazines für lesende Familien bekommen. Das gelingt wohl am besten mit einem Buch, das ganz wunderbar zeigt, was gute Kinderliteratur alles vermag: Horizonte erweitern, Vorurteile abbauen, Empathie erzeugen.

Die Italienerin Francesca Sanna, 1991 geboren, lernte zwei Mädchen in einem Flüchtlingszentrum in Italien kennen und erfuhr ihre Geschichten. Diese ließen sie nicht mehr los, so dass sie begann, Geflüchtete aus unterschiedlichen Ländern zu befragen und diese Fluchterfahrungen zu sammeln.

Im September 2014 begann Francesca Sanna ihr Masterstudium in Illustration an der Hochschule Luzern und ihr war klar, dass sie aus diesen ähnlichen und doch persönlichen Lebensgeschichten ein Buch machen wollte. Und so entstand Die Flucht, das all diese Geschichten zusammenfasst und durch unglaubliche Illustrationen greifbar macht.

Erzählt wird die Geschichte zweier Geschwister, die durch den Krieg aus ihrem Leben gerissen werden, den Vater verlieren und sich mit ihrer Mutter auf die Flucht in ein Land begeben, das ihnen fremd ist. Ein Land mit hohen Bergen, fremden Tieren und fremden Wäldern. Doch dieses Land muss erst einmal erreicht werden. Nach und nach verliert die Familie ihren gesamten Besitz, muss sich vor Grenzwächtern verstecken, Schleuser bezahlen und in einem schwankenden Boot das Meer überqueren.

Werden sie jemals ankommen? Der kleine Ich-Erzähler beobachtet aus dem Zug die Vögel und hat nur einen Wunsch: Ich hoffe, eines Tages anzukommen wie diese Vögel. In einer neuen Heimat, wo wir in Sicherheit sind und neu anfangen können.

Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. Ich wünsche uns allen einen schönen Sonntag.

Francesca Sanna: Die Flucht (Übersetzung: Thomas Bodmer). Nord Süd Verlag 2016, ab vier Jahren, 17,99 €.

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