Jutta Bauer: Schreimutter

Als ich im letzten Jahr den Artikel Kinder anbrüllen von Till Raether in der Brigitte MOM las, musste ich ganz schön schlucken. Da steht auf der einen Seite, dass Jesper Juul sagt, man solle seinen Kindern gegenüber authentisch sein – also wäre ab und zu mal brüllen vollkommen okay, weil authentisch. Dann schreibt Till Raether aber auch noch über eine Studie der University of Pittsburgh, deren Ergebnis es ist, dass Schreien im Grunde so schlimm sei wie Schlagen und zu psychischen Problemen bis hinein ins Erwachsenenalter führen könnte. Schluck.

Derjenige, der ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Wie Till Raether kann auch ich nur hoffen, dass sich gelegentliches Anschreien nicht so extrem negativ auswirkt wie andauerndes Anschreien. Und dass man diese Momente der Schwäche wiedergutmachen kann durch häufigere Momente der Innigkeit und des gemeinsamen Lachens. Alles in allem ist der Artikel aber sehr deprimierend. Lesenwert und ehrlich, aber deprimierend.

Jutta Bauer – eine meiner liebsten Illustratorinnen, besonders in Kombination mit Kirsten Boie – hat sich diesem schwierigen Thema bereits im Jahr 2000 gewidmet. Pinguinmütter scheinen demnach manchmal auch die Fassung zu verlieren. Die Mutter des kleinen Pinguins schreit so laut, dass er buchstäblich auseinander fliegt und sich seine Körperteile über die ganze Welt verteilen. Doch Schreimutter sammelt alles wieder ein und entschuldigt sich. Und dann fahren sie gemeinsam in den Sonnenuntergang…

Dieses letzte Bild ist so tröstlich. Ohne moralischen Zeigefinger und ohne viele Worte zeigt das kleine Buch: Fehler können passieren. Man muss sie nur sich selbst und seinem Kind gegenüber eingestehen.

Jutta Bauer: Schreimutter. Beltz & Gelberg 2000, ab drei Jahren. 12,95 €

ISBN/EAN: 9783407792648
Sprache: Deutsch
Umfang: 36 S.
Erschienen am 20.07.2011

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