Leider Gottes leben wir in einer Zeit und in einem Land, in dem tatsächlich wieder intolerante und rassistische Menschen auf die Straße gehen und sich „Das Volk“ nennen (und dabei auch noch zu allem Übel bei Politikern Gehör finden und von diesen „ernstgenommen werden müssen“). Und leider Gottes werden in diesem Land nun beinahe wöchentlich Flüchtlingsunterkünfte in Brand gesetzt oder Helfer attackiert (vermutlich, weil sich „Das Volk“ von den Politikern in den letzten Monaten zumindest so „ernstgenommen“ fühlte, dass es sich im Recht und in seiner rassistischen Meinung bestätigt fühlt). Auf Twitter werden fassungslos ekelhafte hetzerische Internet-Kommentare geteilt und beim Lesen möchte man einfach nur noch kotzen – Entschuldigung, das muss jetzt einfach mal so gesagt werden.

Und was hat das nun mit diesem Blog zu tun, in dem es um hübsche, lustige oder kreative Kinderbücher gehen soll? Eine ganze Menge. Denn diese Menschen, die rassistische Internetkommentare posten, auf der Straße rechte Parolen brüllen oder im schlimmsten Fall Flüchtlingsunterkünfte anzünden, waren ja auch einmal Kinder. Und mit „Dumm geboren und nichts dazugelernt!“ ist es leider nicht getan.

Es gibt ja viele, die Kindern reine Seelen bescheinigen – doch machen wir uns nichts vor: Spätestens ab dem Kindergartenalter ist es mit der Reinheit vorbei. Kinder können grausam sein. Ob das nun an „Survival-of-the-fittest“ oder an falschen Vorbildern liegt oder vielleicht an beidem, kann an dieser Stelle nicht geklärt werden. Wenn Monsieur 2 „Guck mal, der fette Junge da isst ein Eis!“ sagt, dann weiß ich, dass er das nicht bei uns Zuhause gehört hat. Ich kann dann Ursachenforschung betreiben, aber in erster Linie muss ich dagegen an erziehen und ihm ein gutes Vorbild sein. Und ich kann ihm Vorbilder und Identifikationsfiguren an die Hand geben – und das auch in Form von Büchern.

Eine Menge Kinderbücher behandeln das Thema Toleranz und ich habe auch noch einige davon in petto. Abrakazebra – Jeder braucht ein bisschen Zauberei aus dem Hause ellermann mögen meine Jungs besonders und deshalb stelle ich es an dieser Stelle gern vor.

Ins kleine langweilige Örtchen Nichtviellos kommt eines Tages das Abrakazebra mit seiner Zaubershow und zieht alle Dorfbewohner in seinen Bann – endlich ist in Nichtviellos richtig viel los! Nur einem gefällt das gar nicht: Onkel Ziege. Also beginnt er, über das Abrakazebra Gerüchte zu verbreiten und niemand traut sich, ihm zu widersprechen, bis eines Tages Plakate mit der Aufschrift „Streifen sind verboten!“ in Nichtviellos hängen und das Abrakazebra traurig den Ort verlässt.

Anders als im wahren Leben kommt Onkel Ziege allerdings recht schnell zu der Einsicht, dass Nichtviellos weiß Gott einiges an Streifen gebrauchen kann und so gesteht er seinen Fehler ein und macht sich mit den anderen Tieren auf den Weg um das Abrakazebra zurückzuholen, was ihm natürlich auch gelingt.

Ach ja, wäre die Welt doch ein bisschen mehr wie in Kinderbüchern. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass für die nachfolgenden Generationen „Überfremdung“ ein Fremdwort ist…

Helen und Thomas Docherty: Abrakazebra – Jeder braucht ein bisschen Zauberei. ellermann 2015, ab 4 Jahren, 12,99 €

ISBN: 9783770745012

Sprache: Deutsch

Erschienen am  20.01.2015

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