Letztens musste ich das Freundebuch von Monsieur 2 ausfüllen und schrieb bei „Lieblingsbuch“ Juli von Jutta Bauer und Kirsten Boie. Denn tatsächlich zählen die Juli-Bücher (ursprünglich übrigens als kleine Filme für die Sendung Siebenstein entstanden) seit ihrem Erscheinen 1991 zu meinen Lieblingsbüchern , obwohl ich bereits damals eigentlich schon viel zu alt dafür war. Nur wenige schaffen es wie Kirsten Boie und Jutta Bauer, kindliches Empfinden so realistisch und unaufgesetzt in Worte und Bilder zu fassen – weshalb sie auch beide hier noch ihren ganz eigenen Beitrag bekommen werden.

Nun aber konkret zu Juli. Worum geht es? Eigentlich um alles, was Conni, Caillou und Konsorten auch erleben. Juli hat mal einen schlechten Tag oder traut sich nicht aufs Klo oder verliert beim Fahrradrennen. Kinderalltag eben, schon tausendmal erlebt, schon hundertmal erzählt. Bei Juli ist es aber eben alles eine Nuance empathischer und eine Spur pointierter. Und auch realistischer. Da fängt Juli zum Beispiel aus purer schlechter Laune Streit an. Und dann?

Zum Glück fällt Anja beim Kriegenspielen gegen Kai und Kai fällt gegen Juli und da boxt Juli ihm eins in den Bauch. „Kannst du nicht aufpassen, du Blödmann!“ schreit er. „Pass du auf!“ schreit Kai und boxt zurück und leider ist er stärker als Juli und das hat Juli bisher nicht gewusst.

(aus: Kein Tag für Juli)

Kriegenspielen! Boxen! Schreien! Blödmann! Das wollen wir Eltern und Erzieher ja eigentlich alles gar nicht hören! Bobo Siebenschläfer würde vor Schreck tot umfallen. Aber seien wir doch mal ehrlich: Das Leben von Kindergartenkindern ist nun einmal so und es bringt nichts, das durch nostalgisch anmutende Bilder oder geschönte Geschehnisse zu verleugnen. Bilderbücher und Kinderbücher im Allgemeinen sind ja nicht nur für den Spracherwerb da, sondern auch für so vieles andere wichtig, Sozialverhalten, Empathie, etc. Und da bringt es in meinen Augen für kleine Zuhörer wesentlich mehr, wenn sie sehen, dass Juli abends weinen und weinen und weinen muss, weil er sich im Kindergarten prügeln musste [!], als wenn solche Vorfälle in Kinderbüchern sofort durch Erwachsene sanktioniert oder komplett negiert werden (überhaupt kommen Erwachsene hier erfrischend selten vor).

Als Mutter gefallen mir die Juli-Bücher so gut, weil sie mich in der Hektik des Alltags manchmal daran erinnern, wie Kinder ticken. Warum es gerade jetzt so schlimm ist, dass das Kuscheltier weg ist. Oder warum gerade heute bei jeder scheinbaren Kleinigkeit angefangen wird zu weinen. Wer weiß, welches Rennen verloren wurde, als ich nicht da war. Und manchmal fühlt sich sogar das Kind in mir ein bisschen verstanden. Juli zu lesen ist für mich wie selbstgekochten Vanillepudding essen – es macht mir ein warmes Gefühl im Bauch.

Mama steht nackt in der Küche – kann ja auch mal vorkommen.

Jutta Bauer/Kirsten Boie: Juli! Alle Juli-Geschichten in einem Band. Beltz und Gelberg. Ab 4 Jahren. 9,95 €

ISBN: 978-3407740779

Sprache: Deutsch

Erschienen am 10.09.2015

 

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