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„Und was liest du so?“ mit Kathrin Schrocke

Autor*innen und Illustrator*innen stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Die Verlage machen es vor – ich mache es nach mit! Da die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr nicht wie gewohnt stattfinden kann, müssen Bücher, Autor*innen und Illustrator*innen digital in die heimischen Wohnzimmer kommen und so gibt es hier auf dem Blog ein kleines Und was liest du so?-Spezial. Der Lyriker Arne Rautenberg hat den Anfang gemacht, es folgte Monsieur 2’s Lieblingsautorin Sarah Welk und heute erzählt uns Jugendbuchautorin Kathrin Schrocke etwas über ihre Lieblingskinderbücher.

Zunächst erzähle ich Euch aber noch ein wenig über Kathrin! Kathrin studierte Germanistik und Psychologie, seit vielen Jahren befasst sie sich mit dem Thema Posttraumatische Belastungsstörung und entwickelt zu dem Thema Bücher – zum Beispiel das therapeutische Bilderbuch Schattige Plätzchen, das in Zusammenarbeit mit Lilli L`Arronge für Kinder von traumatisierten Soldat*innen entstand. Ihren aktuellen Roman Immer kommt mir das Leben dazwischen mochte ich sehr, sehr gern (die Rezension findet Ihr hier); Freak City, eine Liebesgeschichte, in der der 15jährige Mika Gebärdensprache lernt, wurde in mehrere Sprachen übersetzt und erscheint mittlerweile in der 8. Auflage beim Carlsen Verlag. Kurz vor der Corona-Krise ist die Verfilmung von Freak City fertig geworden – und sieht sehr vielversprechend aus:

Und was liest du so, Kathrin Schrocke?

Ich glaube, nichts hat mein Weltbild, meine Ästhetik und mein Wertegerüst so stark geprägt wie die Bücher, die ich während meiner Kindheit las. Insbesondere von Bilderbüchern war ich oft so gefesselt, dass ich meine Mutter bat, mit der Schere ein Loch in die Seite zu schneiden, so dass ich in die Geschichte hinein schlüpfen könnte … Diese frühe Begeisterung ist sicherlich ausschlaggebend dafür, dass ich später selbst Autorin von Kinder- und Jugendbüchern geworden bin.

Die Lieblingsbilderbücher von Kathrin Schrocke

Lieblingsbücher aus dieser Zeit habe ich viele. Bei genauer Betrachtung ist mir jedoch etwas wirklich Interessantes aufgefallen. Denn einige dieser Geschichten haben auffällige Parallelen – sowohl zueinander als auch zu meinen eigenen literarischen Texten. Bis heute bin ich tief berührt von den Bilderbüchern Das kleine Lumpenkasperle von Michael Ende und Ladislaus und Annabella von James Krüss. In Endes Geschichte wird ein zerschlissener Stoffkasperl von einem Müllmann aus der Tonne gerettet und schließlich von einer lieben Großmutter wieder so hergerichtet, dass er als Spielzeug taugt. Ladislaus und Annabelle erzählt ebenfalls von zwei nicht beachteten Spielsachen: einem Teddy und einer Puppe. Traurig sitzen sie am Weihnachtsabend im hell beleuchteten Schaufenster eines großen Kaufhauses. Niemand hat sie gekauft! Mitten in der Nacht befreit einer sie aus ihrem Elend. Der Weihnachtsmann höchstpersönlich schaut vorbei, um die beiden mitsamt ihrem Puppenhaus als Geschenk mitzunehmen.

In meinen eigenen Büchern geht es ebenfalls sehr häufig um Figuren, die es schwer haben und um Anerkennung und Liebe kämpfen müssen. Realistische Protagonist*innen, die große Probleme haben, tief vereinsamt sind und ein Happy-end dringend nötig hätten. In meinen Romanen finden sie in der Regel ihr Glück – genau so wie Ladislaus, Annabelle und das Lumpenkasperle. Einen Unterschied mache ich in meinen eigenen Geschichten aber doch: Während sowohl der Stoffkasperl als auch der Bär und die Puppe darauf angewiesen sind, dass ein anderer sie rettet, kommt diese Kraft bei meinen Figuren aus ihnen selbst. Sie stellen sich ihrer Andersartigkeit – leben ihr Leben taub, im falschen Körper, in einer Familie, die von anderen nicht als solche akzeptiert wird, mit Verliebtheiten, die tabu sind … oder mit schweren Traumatisierungen. Den Weg heraus aus der Isolation bahnen sie sich jedoch hoch erhobenen Kopfes selbst. Klar gibt es Unterstützung auf diesem steinigen Weg, aber sie sind im Gegensatz zu meinen geliebten alten Bilderbuchfiguren nicht voll und ganz der helfenden Hand anderer ausgeliefert.

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