Juli hört Musik: Deine Freunde

Kindsköpfe

Ich kann es nicht so gut leiden, wenn Musik für Kinder damit beworben wird, dass diese auch den Eltern gefällt. Gerne wird dann ausgeholt, dass man Rolf Zuckowskis „In der Weihnachtsbäckerei“ oder „Was zieh ich an“ ja nicht mehr hören könne und es endlich neue Kindermusik geben müsse, der auch Eltern gern zuhören würden.

Ich sehe das nicht so. Also, zumindest dem zweiten Teil der Aussage stimme ich nicht zu, denn natürlich soll es immer weiter neue Kindermusik geben. Aber diese muss in meinen Augen nicht den Eltern gefallen. Nichts, was Kindern gefällt und sich im Rahmen des Vertretbaren bewegt, muss Eltern gefallen oder deren ästhetisches Empfinden auch nur ansatzweise befriedigen. Dasselbe gilt übrigens und unter anderem auch für Kuscheltiere, Kinderzimmerdekoration und Bücher.

Kinder haben ihren eigenen Geschmack und damit sich dieser entwickeln kann, sollten sie ihn zunächst einmal ausleben dürfen – auch musikalisch. Monsieur 1 durfte Zuckowski rauf und runter hören, ohne, dass ich davon genervt war, ebenso Benjamin Blümchen, und er darf sich diese wunderschönen Ninjago-Figuren als Poster über sein Bett hängen. Würde auf Instagram vermutlich nicht so viele Likes bringen, aber es ist ja nun einmal sein Bett.

Die Band Deine Freunde wird sehr häufig in einem Atemzug mit „Das können auch Eltern gut hören!“ genannt, deshalb muss ich hier ganz ehrlich zugeben, dass ich dann meistens nicht mehr weitergelesen oder zugehört habe. Bis letzte Woche. Da kam Monsieur 1 nämlich vollkommen aufgeputscht von seinem Freund nach Hause, weil beide den ganzen Nachmittag Kindsköpfe gehört hatten, das mittlerweile dritte Studioalbum der Band.

Seit neuestem interessiert sich Monsieur 1 nämlich für Musik jenseits von Rolf Zuckowski. Ganz vorn dabei: Astronaut von Andreas Bourani und Sido, alles von Mark Forster und leider auch Wenn sie tanzt von Max Giesinger.

„Leider“? Ja, leider. Ganz ehrlich? Da hätte ich tatsächlich lieber noch ein bisschen Zuckowski gehört. Diesen Radio-Pop beim Frühstück Textzeile für Textzeile erklären zu müssen und dann auch noch die ganzen Kraftausdrücke zu tolerieren, darauf habe ich wirklich wenig Lust. Irgendwie hatte ich auch gedacht, dass das noch ein paar Jahre dauern würde…

Doch es naht Rettung in Form von Deine Freunde und nun schreibe ich tatsächlich einen Text, in dem die Band und „Das können auch Eltern gut hören!“ in einem Atemzug genannt werden, denn: Diese Musik macht einfach Spaß!

Was aber noch viel wichtiger ist: Die Jungs können es gut hören. Die Texte sind super, sie behandeln all das, was einen so in der Grundschule umtreibt (aufräumen, Spielverderber, Hausaufgaben, Pyjama-Partys) und haben einen großartigen Humor („Wir trinken O-Saft pur“ ist bereits in unseren Familienwortschatz eingezogen). Die Beats sind ebenfalls toll gemacht und lassen vermuten, dass Deine Freunde eine ähnliche musikalische Sozialisierung hatten wie ich (dazu eventuell an anderer Stelle mehr). 🙂

Mit Kindermusik im herkömmlichen Sinne hat das Ganze wirklich sehr wenig zu tun,  ist damit cool genug für Monsieur 1 und Mark Forster und Sido können erst einmal – und hoffentlich für länger – einpacken. Wir hören jetzt Deine Freunde!

Deine Freunde: Kindsköpfe. Universal Music 2015, 14,99€.

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Liebe Juli,

    durch die Überschrift bin auf deinen Beitrag aufmerksam geworden, denn bei uns läuft auch oft die Musik von Deine Freunde rauf und runter.
    Nur wurde ich bei deinen Ausführungen über heutige Popmusik im Radio ein wenig stutzig. Genauer gesagt, habe ich mich gefragt, welche Kraftausdrücke im Lied „Wenn sie tanzt“ von Max Giesinger denn vorkommen sollen? Ich finde nämlich keine. Und der Text ist so geschrieben, dass das von dir oft verwendete Wort „leider“ direkt auf Max Giesinger referiert. Bei der Musik von Mark Forster kenne ich mich zu wenig aus, um sagen zu können, welche Worte er verwendet, die man vielleicht nicht unbedingt hören will. Einzig bei Sido ist es unumstritten, das solche Worte benutzt werden.
    Ich will auch gar keine Diskussion à la „Du hast etwas gegen meinen Lieblingskünstler gesagt“ anfangen, denn jeder sollte selbst entscheiden dürfen, ob ihm ein Lied gefällt und diese Meinung auch vertreten.
    Nur finde ich eben nicht, dass man all diese Lieder in einen Topf werfen und ihnen den Stempel „enthält Kraftausdrücke“ aufdrücken kann.

    Viele Grüße,
    Lauretta

    Gefällt 1 Person

    1. Juli sagt:

      Liebe Lauretta, vielen Dank für Deinen Kommentar! Du hast recht, bei Max Giesinger konnte ich tatsächlich noch keine Kraftausdrücke feststellen! 🙂 Das ist ein wenig missverständlich formuliert, das gebe ich zu.
      Das „leider“ bezog sich darauf, dass ich das Lied nicht so mag, die Kraftausdrücke auf Sido und Mark Forster (zu Kraftausdrücken zähle ich z.B. auch sowas wie „Wir haben die Schnauze voll, doch die Köpfe sind leer“).
      Max Giesinger ist in diese Aufzählung geraten, weil ich erklären musste, warum die Mutter sich ein Leben ohne ihre Kinder vorstellt – muss ich nicht unbedingt haben. 🙂
      Liebe Grüße,
      Julia

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