Menschen, die mit Kindern und Literatur zu tun haben, stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Flo Sump, das ist der freundlich dreinblickende junge Mann in der Mitte, kennen wir natürlich alle von der Band Deine Freunde. Flo, der übrigens ausgebildeter Erzieher ist, geht gerade aber auch unter die Kinderbuchautoren, sein Erstling Reime durch die Zeit ist vor kurzem erschienen und momentan arbeitet er fleißig an dem zweiten Band.

Ich bin froh, dass Flo in dieser unserer Lieblingsrubrik dabei ist, so habe ich nämlich endlich einmal die Gelegenheit, eine kleine Promi-Anekdote aus meinem bewegten Leben zu erzählen. Spoiler: Die Anekdote ist wirklich sehr klein.

Leute meines Alters kennen Flo vermutlich auch noch aus der Zeit, als er Schlagzeuger bei der Band Echt war und diese Band kam ja bekanntlich aus Flensburg – so wie ich! 🙂 Flensburg ist klein und damals gehörte es für jeden Flensburger unter zwanzig zum guten Ton, wenigstens ein Bandmitglied von Echt zu kennen. Ich kannte natürlich keines. Doch wie gesagt, Flensburg ist klein und so kannte ich zumindest Leute, die Leute von Echt kannten. Und deshalb habe ich einmal vor gut zwanzig Jahren mit Flo Sump und seinem damaligen Bandkollegen Puffi an einem Tisch in der Hansen’s Brauerei gesessen und ein Bier getrunken. Flo wusste das bis heute nicht und darf diese Information auch gerne wieder vergessen – und damit ist meine sehr kleine Promi-Anekdote auch schon wieder zuende.

Widmen wir uns nun wieder Wichtigerem: der Literatur. Flo hat einen ganz wunderbaren Text darüber geschrieben, was diese alles vermag – mag sie auch noch so trivial sein!

„Die Liebe zum geschriebenen Wort – zum tatsächlich nur geschriebenen – entdeckte ich erst nach meiner Kindheit, als junger Mann. Alles was mich vorher in seinen Bann zog, war stets mit Bildern untermalt. Das kommt vielleicht daher, weil mir als Kind der Fernseher strikt untersagt wurde und ich deshalb unfassbar doll fernsehen wollte. Die verbotene flimmernde Frucht kosten, immer und überall, das war mein Wille. Ging aber nicht, Wohnzimmer war abgeschlossen, Fernbedienung versteckt.

61vwjluwl8l-_sx329_bo1204203200_Während eines Dänemarkurlaubes entdeckte ich dann in zufällig gefundenen Comics eine Art Methadon für meine unausgelebte Fernsehsucht. Die Bilder dieser Bücher bewegten sich zwar nicht auf einem Bildschirm und von alleine, dafür aber in meinem Kopf, auf eine mir bis dahin unbekannte und faszinierende Weise. Ich war acht Jahre alt und mein erstes Lustiges Taschenbuch, dem noch viele folgen sollten, war auf Dänisch.

Ich verstand also kein Wort. Trotzdem las ich es und reimte mir mithilfe der Bilder die Geschichten zusammen so gut es ging. Am nächsten Tag las ich die Geschichten erneut, sah dieselben Bilder, las dieselben mir fremden Wörter, aber baute mir diesmal eine völlig neue Handlung zurecht. Die Bösen waren jetzt gut, die Guten böse und sowieso alles anders. Dass sowas geht, war für mich völlig verrückt und gleichzeitig extrem interessant. Es gelang mir trotz meines fehlenden Verständnisses oder vielleicht gerade deswegen, eine eigene Geschichte zum Leben zu erwecken. Heftigster Flash!

Jeden Tag fügte ich meiner Geschichte kleine Details hinzu, entfernte andere, füllte die Charaktere mit neuem Leben und genoss zum ersten Mal das Gefühl fließender Kreativität. Diese mir völlig fremde Power hat mich damals nachhaltig beindruckt, sie war irgendwie leicht und verspielt und gleichzeitig übermächtig. Alles war möglich. Und das nur, weil ich ein paar Denk- und Sprechblasen mit eigenen Inhalten belebte.

Mein durch schlechte Schulnoten angekratztes Selbstbewusstsein bekam eine Streicheleinheit und ich begann immer öfter und immer intensiver mit Sprache zu spielen. Ich spiele immer noch, in erster Linie in der Musik als Texter. Und der heftige Flash begeistert mich noch heute, mit Mitte 30, genauso wie damals.

Ich hab kein richtiges Lieblingsbuch, aber das wichtigste Buch in meinem Leben war wahrscheinlich ein Lustiges Taschenbuch aus Dänemark, das ich nicht verstand.“

 

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