Die Netzgemeinde liest vor

Über Martin und seinen Blog hatte ich Euch bereits letzten Sonntag etwas erzählt, als er uns die Weihnachtslieder für Kinder aus dem Carus Verlag vorstellte. Martin war so nett, mir  zwei Vorlesetipps zu schicken, deshalb halte ich es heute kurz und knackig und sage: Viel Spaß mit einem wunderbaren Text über Jim Knopf, Lukas den Lokomotivführer und die Wilde 13!

„Als Eltern kramt man ja irgendwann die Geschichten aus der eigenen Kindheit wieder raus. Und so kamen wir (wieder) zu Michael Endes Jim Knopf, einer Abenteuergeschichte in zwei Bänden. Wir haben die beiden Bände im Urlaub vorgelesen (den ersten Band im Sommer-, den zweiten Band im Herbsturlaub) und meine Frau und ich haben uns abends immer gestritten, wer als nächster vorlesen darf.

Das Wunderbare bei Jim Knopf: Es ist eine wirklich spannende Abenteuergeschichte, phantastisch und verrückt, aber wiederum nicht zu verrückt, als dass sie nicht eine nahvollziehbare Handlung hätte. Eine tolle Mischung!

Michael Ende, Klassiker, Bilderbuch, vorlesen
Jim Knopf und die Wilde 13, Thienemann 2004

Das Buch kommt unpädagogisch daher (das muss man heute ja erwähnen) und das ist wunderbar. Im Vordergrund steht allein der Plot, es gibt keine „Moral von  der Geschicht“. Trotzdem enthält Jim Knopf eine Menge an Lebensweisheit, aber eher en passent.

Der Scheinriese Herr Turtur ist in Wirklichkeit ganz anders, als er erscheint, der Halbdrache Nepomuk leidet daran, aufgrund seiner Herkunft ausgestoßen zu sein und der böse Drache Frau Malzahn ist zugleich ein Drache der Weisheit. Zur Weisheit kam Frau Malzahn übrigens, weil sie von Jim & Lukas besiegt, aber nicht getötet wurde – sie wurde überwunden. Die Überwindung des Bösen gerade nicht als „Mythos von der erlösenden Kraft der Gewalt“ (so gängig, so falsch), sondern mit Mut, List und Hartnäckigkeit. All das schwingt erzählend mit, es wird einem aber nicht platt um die Ohren gehauen.

Michael Ende schreibt witzig und detailreich – ein Kinderbuch, bei dem sich auch kein erwachsener Vorleser langweilt. Und immer wieder musste ich selbst das ein oder andere nachschauen, zum Beispiel wie das doch gleich mit einer Fata Morgana war (nun ja…) oder ob es „kalfatern“ wirklich gibt (gibt es). Der erste Band ist in sich abgeschlossen, aber die Geheimnisse um Jim, Frau Malzahn, der Wilden 13 und das Land Jamballa werden erst im zweiten Band gelüftet. Das Tempo nimmt zum Schluss auch noch einmal deutlich zu. Natürlich ist es kein Geheimnis, dass die Geschichte gut ausgeht – aber wie!?

Nach dem ersten Band haben wir zusammen die Verfilmung der Augsburger Puppenkiste geschaut, also die vom ersten Teil (4 Folgen à 30 Minuten), nochmals ein Kindheitsflash! Zu Weihnachten gibt es dann die nächsten vier Folgen vom zweiten Teil.“

Michael Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. Thienemann 2015, ab acht Jahren, 16,99 €.

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