Menschen, die mit Kindern und Literatur zu tun haben, stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Bettina Pohlmann hat mit ihrer Familie das gemacht, was wir uns in diesem kalten deutschen November wohl alle – offen oder heimlich – wünschen: Sie ist mit ihrer Familie auf Weltreise gegangen!

Eines Tages im Dezember packten die Journalistin und ihr Mann die Koffer und ihre beiden Töchter ein und bereisten in 154 Tagen fünf Kontinente.

Südafrika, Asien, Australien, Neuseeland, USA und Kanada – geht das alles überhaupt mit Kindern? Scheinbar schon und wer das nicht glaubt, der kann das alles in Bettinas Buch nachlesen.

Bettina Pohlmann, Reisetagebuch, Weltreise, Reisen mit Kindern
Frühstück mit Giraffen, Blanvalet 2016

Frühstück mit Giraffen heißt das gute Stück und darin erzählen die zweifache Mutter und ihre älteste Tochter ehrlich und witzig über den etwas anderen Familienausflug, die Höhen und Tiefen, die er beinhaltet und unvergessliche Augenblicke.

Wer das Buch liest, hat zwei Möglichkeiten: Entweder bleibt er gemütlich auf dem kuscheligen Sofa sitzen und freut sich an den blumigen Erzählungen aus fremden Ländern oder er lässt sich vielleicht auch mitreißen – es muss ja nicht gleich eine Weltreise sein, doch das Buch macht durchaus Mut, als Familie etwas mehr zu wagen als das Ferienhaus in Dänemark. 🙂

Bettina Pohlmann, Blanvalet, Frühstück mit Giraffen
Familie Pohlmann vor dem Taj Mahal

Mittlerweile ist Familie Pohlmann wieder Zuhause in Hamburg angekommen und (nicht nur) dort liest Bettina natürlich auch vor. Sie hat einen ganzen Katalog auf die Frage Und was liest du so? als Antwort parat – inklusive zwei Tipps für die nahende Vorweihnachtszeit:

Klassiker
Winnetou I-III, Anaconda Verlag

„Mein damaliges absolutes Lieblingsbuch als Kind waren im Grunde mehrere Bücher, eine Serie sozusagen, es war Winnetou Teil I-III und auch die anderen Bücher von Karl May. Ich habe sie nachts heimlich mit Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen, und mich weg gebeamt zu den Indianern, den Pferden („Hattatitla“ und „Iltschi“) und in die Prärie. Was mich besonders faszinierte, war Winnetous Gabe, Fährten lesen zu können und je nach Mondlicht auch nachts fantastisch sehen zu können. 
 
Tagsüber hatte ich dann im Wald mit meinen Freundinnen „Indianer“ gespielt, wir haben aus Ästen Unterschlüpfe und Tipis gebaut, eine von uns spielte die Gruppe der Apachen (der „Guten“), eine andere musste die Kiowas spielen (die „Bösen“) und die Dritte war wechselweise Old Shatterhand oder Winnetous Schwester – da waren wir sehr flexibel.  🙂
 
Winnetou hat mich irgendwie geprägt als Kind, er war mein großer, weiser Freund im Geiste, und vielleicht weckten er und sein Erschaffer Karl May auch eine Sehnsucht nach der Ferne und Fremde – ähnlich wie bei Karl May selbst, der im wahren Leben ja nie Indianer und die USA kennen gelernt hatte. Die Landschaften jedoch sind so plastisch beschrieben, genau wie die Geräusche und die Gerüche, das alles hat mich sehr fasziniert, so dass ich mich immer wegträumte. Und am liebsten Winnetou kennenlernen wollte, denn für mich lebte er ja, er war mein Held. Mit meiner Freundin habe ich dann sogar „Blutsbrüderschaft“ absolviert, wir haben uns Blutstropfen abgenommen und auf die Unterarme gestrichen.

Heute habe ich selbst Kinder, und ich kann ein Buch ganz besonders empfehlen, ein Buch, das wir alle vier sehr lieben und uns jetzt schon wieder darauf freuen, es in der Adventszeit zu lesen: Du spinnst wohl! von Kai Pannen.
Dieses Buch hat Kai Pannen nicht nur selbst geschrieben, sondern auch die sehr witzigen Illustrationen allesamt selbst gezeichnet. Es ist die Geschichte einer Fliege, die in ein Spinnennetz gerät und an Heiligabend als Weihnachstbraten von ihr verspeist werden soll, aber natürlich…kommt alles ganz anders. Das Schöne: Man liest ab dem 1. Dezember jeden Tag ein Kapitel daraus vor, das Buch hat 24 Kapitel und endet Heiligabend. Du spinnst wohl! gibt es mittlerweile auch als Hörbuch, und bekannte Stimmen (u.a. Tatort-Schauspieler) sprechen die Figuren.

Außerdem noch schön für die Vorweihnachtszeit: Marias kleiner Esel von Gunhild Sehlin, das ich als Kind sehr, sehr gerne gelesen habe und nun unserer jüngsten Tochter vorlese.

Und – ganz aktuell – ein dickeres und extrem spannendes Buch, das auch den Eltern Spaß macht, weil die Geschichten und Charaktere ganz großartig sind:

Die Muskeltiere von Ute Krause
Die Muskeltiere, cbj 2014

Die Muskeltiere – Einer für alle, alle für einen und Band 2 Die Muskeltiere auf großer Fahrt von Ute Krause. Spannend, lustig, mit unterschiedlichen Dialekten (die eine Maus spricht Hamburgisch). Es handelt von zwei Mäusen, einer Ratte und einem Hamster, spielt in Hamburg, ist sehr gut geschrieben und ganz toll gezeichnet. Das Besondere wie auch schon bei Du spinnst wohl!: Die Autorin hat sowohl den Text geschrieben als auch die Zeichnungen angefertigt.“

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