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Antennenkind

Ein Vorlesebuch über Hochsensibilität

Köbi ist einfach alles zu laut – momentan ganz besonders seine Tante Ruh, die gerade aus dem Libanon gekommen ist und laut in zackigem Arabisch spricht. Wenn Köbi die ganze Welt zu laut ist, setzt er sich Kopfhörer auf die Ohren und Schildkröte Pänzi auf den Schoß und verschanzt sich in seinem Zimmer.

Für deine Ohren ist die Welt zu laut, sagt Mama immer. Niemand sonst hat solche Ohren, die immer weh tun. Und der Ohrenarzt kann gar nichts machen.

Antennenkind, Picus Verlag 2021

Köbis Eltern haben sich in bewundernswerter Ruhe und sehr liebevoll auf ihren „Prinz auf der Erbse“ mit seinen besonderen Ohren eingestellt: Köbi hat ein Zimmer im Zimmer, spezielle Kopfhörer und einen Astronautenanzug und wenn er nicht zur Schule gehen möchte, lassen sie ihn. Zu dritt haben sie sich gut arrangiert. Doch dann kommt Tante Ruh und dass ihr Name auf Deutsch „Seele“ bedeutet, ist Köbi ziemlich egal. Der Besuch soll so schnell wie möglich wieder verschwinden, alles an Tante Ruh mit ihrer „Pistolenstimme“ ist zu laut und zu anstrengend.

Andrea karimé, Birgitta Heiskel, Hochsensibel, hypersensibel, Kinder, Diversität, multikulturelle Familie, vorlesen, Grundschule
Antennenkind, Picus 2021

Und so arbeiten Köbis Eltern und Tante Ruh hart daran, dass Köbi diesen Besuch akzeptieren kann – Tante Ruh gewöhnt sich an zu flüstern und macht die besten Pommes der Welt, denen auch Köbi nicht widerverstehen kann. Und dann stellt Köbi eines Tages fest, dass er weder der einzige mit besonderen Ohren – „Antennen“ – ist, sondern auch nicht der einzige mit Problemen. Und dass Tante Ruh ihm ähnlicher ist als er dachte: Beide verarbeiten ihre Erlebnisse künstlerisch.

Andrea Karimé ist in Antennenkind etwas ganz Wunderbares gelungen: Sie widmet sich empathisch und beinahe zärtlich dem Thema Hochsensibilität und lässt uns tief in Köbis Gefühlswelt eintauchen. Gleichzeitg setzt sie ihren Protagonisten und seine Antennen in ein interkulturelles Setting, in dem Arabisch ohne falsche Rücksichtnahme zur „Stachelsprache“ wird und in dem die Kindheitserfahrungen von Köbis Vater ebenso Raum haben wie die Flucht seiner Tante.

Eine solche Mischung ist in deutschen Kinderbüchern bisher noch recht ungewöhnlich, man konzentriert sich normalerweise auf Hochsensibilität oder Diversität, auf den ersten Töpfchengang oder interkulturelle Protagonist*innen, als könnte alles zusammen die (Vor-) Leser*innen überfordern. Wie sollte es, ist es doch für ein Viertel der deutschen Bevölkerung sowieso Realität und somit auch für deren Kindergartenkumpels und Nachbar*innen! Und damit geht auch ein großes Lob raus an den Picus Verlag, solche Bücher brauchen wir noch viel mehr!

Andrea Karimé, Birgitta Heiskel: Antennenkind. Picus Verlag 2021, ab 5 Jahren, 15,00 €.


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