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„Und was liest du so?“ mit Steffi Bieber-Geske

Autor*innen und Illustrator*innen stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Heute stelle ich Euch in unser aller Lieblingsrubrik eine sehr engagierte Tausendsassarin aus Berlin vor: Steffi Bieber-Geske – Verlegerin, Autorin, Journalistin, Messeorganisatorin, Netzwerkerin. Steffi verlegt in dem ihr eigenen Verlag Biber&Butzemann Reisebücher für Kinder und das ist gerade jetzt in diesem Jahr, in dem Ihr hoffentlich alle nicht in Fliegern nach Mallorca sitzt, ziemlich interessant. Denn die Biber&Butzemann-Leseabenteuer spielen in den schönsten Urlaubsregionen Deutschlands, vom Teutoburger Wald über die Müritz bis zu uns ins Land der Wikinger.

Die Reisebücher sind nicht nur spannend, nebenbei vermitteln sie auch interessantes Wissen über die jeweilige Region und geben tolle Tipps, welche Ausflugsziele sich für Familien wirklich lohnen. Die Bände im handlichen A5-Format passen in jede Tasche – also genau das Richtige für alle, die Urlaub in Deutschland machen oder wie wir Zuhause bleiben und jetzt immerhin mit Lilly und Nikolas nach Haithabu fahren! (Hier entlang geht es zur Leseprobe für Norddeutschland.)

Über Steffi muss man noch unbedingt erzählen, dass sie ein weiteres Herzensprojekt hat: BUCHBerlin – die Berliner Buchmesse. Seit 2014 organisiert sie als Gründerin und geschäftsführende Vorsitzende des Bücherzauber e.V. mit ihrem Team die inzwischen drittgrößte Buchmesse Deutschlands und seit 2019 auch das Lesefestival BUCHBERLINkids. Aufgrund der Corona-Krise musste die BUCHBerlin auf November 2021 verschoben werden, was den kleinen Verein in große finanzielle Schwierigkeiten bringt. Wenn Ihr möchtet und könnt, besteht die Möglichkeit, Steffi und Ihr Team durch Crowdfunding auf Startnext zu unterstützen, es gibt tolle Goodies für Buchliebhaber*innen!

Nun fragen wir aber endlich: Und was liest du so, Steffi Bieber-Geske? (Spoiler: Endlich mal Kästner! <3)

Es gibt viele wunderschöne Kinderbücher, aber mein allerliebstes ist seit 34 Jahren Das doppelte Lottchen von Erich Kästner. Damals lieh ich das Buch in der Schulbücherei aus, denn zu kaufen bekam man es zu DDR-Zeiten nur mit Glück. Es sollte noch ein paar Jahre dauern, bis endlich mein eigenes Exemplar bei mir einzog. Solange lebte, wann immer es niemand anderes vorbestellt hatte, das Bibliotheksexemplar bei mir. Es war Liebe auf den ersten Satz. Oder eher auf die Zusammenfassung zu Beginn des ersten Kapitels: „Seebühl am Bühlsee – Kinderheime sind wie Bienenstöcke – Ein Autobus mit zwanzig Neuen – Locken und Zöpfe – Darf ein Kind dem anderen die Nase abbeißen? – Der englische König und sein astrologischer Zwilling – Über die Schwierigkeit, Lachfältchen zu kriegen“.

Das doppelte Lottchen

Vielleicht traf mich die Geschichte der als Babys getrennten Zwillingsschwestern Lotte und Luise, die sich im Ferienlager wiedertreffen und ihre Leben tauschen, um das jeweils andere Elternteil kennenzulernen, so ins Herz, weil ich selbst ein relativ frischgebackenes Scheidungskind war. Zudem eins, das seine Schwester sehr liebte – und mal während einer furchtbaren fünfwöchigen Kur, zu der sie fahren musste, von ihr getrennt war. Ein bisschen war es vielleicht auch die Faszination für exotische Orte wie Wien, München oder die bayerische Bergwelt. Und ganz sicher war es Erich Kästners feiner Humor, seine sprachliche Brillanz und die Art, wie er Kinder absolut ernst und wichtig nahm, die mich damals schon unterbewusst faszinierte.

Natürlich las ich auch seine anderen Kinderbücher, mein zweitliebstes war Das fliegende Klassenzimmer, aber keines kam auch nur ansatzweise an mein „Lottchen“ heran. Meine eigene Ausgabe ist übrigens von 1990 – aus der 139. Auflage im Dressler Verlag. Beide Zahlen sprechen für sich. Eins meiner Projekte im Germanistik-Studium war eine Webseite über Erich Kästner – vor 20 Jahren noch etwas ziemlich Innovatives. Kästner hätte es gefallen, er war seiner Zeit immer voraus. Scheidungen und alleinerziehende berufstätige Mütter gab es 1949, als das Buch erstmal erschien, in der Kinderliteratur nicht. Für das Studienprojekt habe ich mich noch einmal intensiver mit Kästners Leben und Werk beschäftigt. Ich war und bin fasziniert von diesem Mann, der sicher kein Heiliger, aber moralisch eine Instanz war. Nicht ohne Grund haben die Nazis ihn mit einem Schreibverbot belegt.

Das doppelte Lottchen

Auch als Erwachsene habe ich „Das doppelte Lottchen“ noch mehrmals gelesen – inzwischen selbst Journalistin und später dann auch Autorin. Da habe ich in vollem Umfang verstanden, wie genial Kästner als Autor wirklich war – ein ewig unerreichbares Vorbild. Zuletzt habe ich es vor zwei Jahren meinen Söhnen vorgelesen, die endlich im passenden Alter waren. Und obwohl es so ganz anders ist als die Kinderbücher meiner Söhne (der Große las damals bevorzugt die Kinder-Fantasy-Reihe Beast Quest) hat es ihnen gefallen. Das zeigt mir mehr als alle modernen Verfilmungen (die letzte ist von 2017), wie zeitlos diese Geschichte, die Kästner 1942 begonnen hat, ist. Und sicher wird auch der Comic von Isabel Kreitz dazu beitragen, dass Das doppelte Lottchen nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird.

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