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„Und was liest du so?“ mit Maja Bohn

Autor*innen und Illustrator*innen stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Heute ist in unser aller Lieblingsrubrik eine Illustratorin zu Gast, von der ich gar nicht wusste, dass sie so viele bekannte und viele unserer liebsten Kinderbücher illustriert hat: Maja Bohn. Dass mir das zuvor nicht aufgefallen ist, könnte an meinem Wintergehirn liegen, doch viel mehr wohl daran, dass Majas Illustrationen so vielfältig und unterschiedlich sind. Hier bekommt Ihr mal einen kleinen Eindruck:

Na, hab ich zu viel versprochen? Noch mehr Titel findet Ihr auf Majas Homepage. Maja hat übrigens einen sehr spannenden Lebenslauf – wie viele Menschen in dieser Blogrubrik. ❤

Kinderbücher, Bilderbücher, Illustration, Buchtipps, Familie, Kinder, vorlesen, Interview

Illustratorin Maja Bohn © Hans Jürgen Mörsch

Nach einer abgebrochenen Tanzausbildung hat sie eine Ausbildung zur Buchhändlerin gemacht und mehrere Jahre im Verlagswesen gearbeitet. Und dann wurde Maja quasi noch einmal von der Muse geküsst und studierte an der Kunsthochschule in Berlin. Seitdem arbeitet sie als freiberufliche Illustratorin. Jemand, der so einen interessanten Lebensweg hat, hat bestimmt auch einen spannenden Buchgeschmack, oder? (Spoiler: ja. Eines habe ich mir direkt bestellt.) Deshalb fragen wir jetzt:

Und was liest du so, Maja Bohn?

„Die Frage nach meinem Lieblingskinderbüchern ist gar nicht so einfach zu beantworten. Zu viele schwirren da in meinem Kopf herum.

Ich habe mich für zwei Bücher entschieden, die ich vor über 20 Jahren entdeckt habe, in einem Alter, indem ich selbst kein Kind mehr war. Das erste Buch trägt den Titel Herr Bohm und der Hering, geschrieben von Peter Cohen und sehr liebevoll und berührend illustriert von Olof Landström.

Peter Cohen, Olof Landström, Maja Bohm, Buchtipp, Interview, Liebslingsbuch, Bilderbuch

Herr Bohm und der Hering, Oetinger

Ich habe es damals für meine Tochter gekauft, die noch gar nicht geboren war. Es ist ein sehr philosophisches Buch, über einen Mann, der sich in sehr kindlicher Manier Fragen über die Geheimnisse des Lebens stellt, über die die meisten Erwachsenen wohl nur mit dem Kopf schütteln würden:

„Warum, fragt er sich, hat der Vogel Flügel und kann frei herumfliegen, während andere sich damit begnügen müssen, auf der Erde voranzukommen? Wie kommt es, dass der Mensch Kleider trägt, andere Wesen aber völlig nackt sind? Genau diese Art Probleme ist wichtig, findet Herr Bohm. Über die muss man nachdenken.“

Eines Tages beobachtet er auf einem seiner langen Spaziergänge Fische. „Sie mögen es nicht, denkt er, sie mögen es nicht an der Luft zu sein. Als Herr Bohm nach Hause geht, ist ihm anzusehen, dass er über etwas ganz Wichtiges nachdenkt. Wie kommt es, überlegt er, dass Fische nicht an Land leben können?“ … und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Herr Bohm fängt sich einen Hering, nimmt ihn mit nach Hause und gewöhnt ihm mit unglaublicher Geduld und rührender Fürsorge an das „Landleben“. Der gelehrige Fisch wird sein Freund und begleitet ihn an einer Leine sogar auf seinen täglichen Spaziergängen, bei denen er am Ende sogar den Regenpfützen ausweicht.

Aber als Herr Bohm ihm eines Tages das Meer zeigen will, passiert etwas Unerwartetes…

Diese Geschichte hat sowohl meine beiden Kinder als auch mich für sich eingenommen. Wir haben sie gleichermaßen geliebt und sie wird sicher auch irgendwann den Enkeln vorgelesen werden.

Das andere Buch, dass ich vorstellen möchte, heißt Am Südpol, denkt man, ist es heiß. Es ist von Elke Heidenreich geschrieben und von Quint Buchholz kongenial illustriert. Dieses Buch hat mir damals eine befreundete Buchhändlerin geschenkt und wir haben es am gleichen Abend mit verteilten Rollen gelesen und Tränen gelacht.

Elke Heidenreich, Quint Buchholz, Buchtipp, Lieblingsbuch, Kinderbuch, Familie

Am Südpol, denkt man, ist es heiß, Hanser

Die Geschichte spielt am Südpol bei den Pinguinen. In der winterlichen Tristesse erwarten die Pinguine sehnsuchtsvoll das Opernschiff, dass ihnen den kulturellen Höhepunkt des Jahres verschafft. Die drei Tenöre (in Europa schon auf dem absteigenden Ast) geben „La Traviata“… und alle Pinguine stehen Kopf.

Elke Heidenreich schafft es, durch ihren trockenen Humor, verpackt in grandiosen Reimen eine Welt zu zaubern, die einen völlig in Ihren Bann zieht. Quint Buchholz‘ Illustrationen setzen dem Ganzen das Sahnehäubchen auf und verstärken durch seinen realistischen Stil die Absurdität der Geschichte und schaffen zudem eine großartige bildnerische Atmosphäre (Meine Lieblingsszene ist, als Pavarotti, der die zarte Violetta in einem hinreißenden weißen Kleid gibt, getragen von Carreras, der ihren Geliebten Alfredo spielt, ihren letzten Seufzer macht.).

Man kann gar nicht soviel darüber schreiben, man muss es einfach lesen! Am besten laut!

„Am Südpol, denkt man, ist es heiß.
Ganz falsch gedacht! Nur Schnee und Eis! Am Südpol stehn mit ernster Miene… zweihunderttausend (!!!) Pinguine – vielleicht auch noch ein bisschen mehr, vielleicht auch etwas wenigér….
“

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