Jugendbuch, Near Future Roman, Ökothriller – das sind ja drei Dinge auf einmal!

Waaahh! Wolkendämmerung! Wahnsinn! Wo fange ich an, wo höre ich auf? Kennt Ihr das, wenn Ihr von etwas total begeistert seid und nicht wisst, wie Ihr das in Worte fassen sollt, damit die Menschen Euch glauben? (Irgendwo schüttelt jetzt ein Feuil­le­to­nist den Kopf, dreht an seinem Mont Blanc und seufzt über diese Buchblogger und ihre Begeisterungsstürme.)

Gehen wir also strukturiert vor und beginnen mit dem Inhalt: Der siebzehnjährige Nicholas lebt mit seinem Vater am Strand von Kalifornien, die Mutter hat die beiden vor einigen Jahren verlassen, ist aber immerhin so großzügig, sie in ihrem Strandhaus weiter wohnen zu lassen. Und das ist auch gut, den Nicholas‘ Vater ist durch die Trennung häufig depressiv, was sich auch negativ auf seine Arbeit als Drehbuchautor auswirkt. Dadurch wurde Nicholas schnell sehr selbstständig und er nimmt immer wieder Jobs an, um die kleine Familie über Wasser zu halten.

Doch Nicholas‘ Jugend ist nicht nur durch die abwesende Mutter und den depressiven Vater geprägt, er weiß das Leben unter der Kalifornischen Sonne durchaus zu schätzen, er surft, macht Parcours, fotografiert und genießt das Leben mit seinem Freund Zac, in dessen Familie er ein und ausgeht und wie ein Familienmitglied behandelt wird.

Eines Tages ergibt es sich – Nicholas hat durch die große Dürre, die in diesem Sommer herrscht, gerade zwei Jobs verloren -, dass er als Fotograf auf einem Forschungsschiff angeheuert wird. Für den Siebzehnjährigen bedeutet so ein Job natürlich nicht nur sehr viel Geld, das er und sein Vater gut gebrauchen können, sondern auch eine riesengroße Chance, auch in Zukunft mit seinen Fotos groß rauszukommen. Selbstverständlich nimmt Nicholas den Job an, doch ab diesem Zeitpunkt geschehen plötzlich merkwürdige Dinge in seinem Umfeld: Nicholas wird verfolgt, seine Freunde werden beschattet und ein Journalist taucht auf und bietet ihm viel Geld für Informationen rund um die Forschungsmission, deren neueste Klimareperaturtechnik doch eigentlich die Erde retten soll.

Stück für Stück setzen Nicholas, Zac und Austauschschülerin Elin die Puzzleteile zusammen und geraten am Ende in tödliche Gefahr, denn „Wir sind die Guten!“ stimmt selbst bei Klimaschützern nicht immer…

So viel vielleicht erst einmal zum Inhalt, ich hoffe, ich habe nicht schon zu viel verraten. Nun zu allem anderen. Was gefällt mir so gut an Wolkendämmerung? Zu allererst die logischen Zusammenhänge. Alles greift logisch ineinander, die Story, die Protagonisten, das Setting, die Sprache. Julia Dibbern lässt vor meinem geistigen Auge das Kalifornien aufleben, das wir aus amerikanischen Filmen und Serien kennen, das aber gleichzeitig auch seit Jahren unter großen Dürren leidet. California Dreaming und Wasserrecycling, passt das zusammen?

Es muss. Julia Dibbern hat gut recherchiert über Climate Engineering, die Technologie in Wolkendämmerung gibt es zwar noch nicht, ist aber angelehnt an bereits auf dem Papier vorhandene Projekte. Mittlerweile gehen viele Forscher davon aus, das man den Klimawandel nur aufhalten kann, indem man in das Klima eingreift, denn offensichtlich ist ja niemand bereit, den CO2-Ausstoß nachhaltig zu verringern (übrigens schön zu sehen an Zacs Vater, der als Biologe Whale Watching Touren organisiert und seinem Sohn dennoch zum 18. Geburtstag selbstverständlich ein Auto schenkt). Doch was passiert, wenn diese Technologie in falsche Hände gerät? (Ich denke nur an die Bienen in Black Mirror…)

Wolkendämmerung ist intelligent, spannend und hochaktuell und ich wünsche mir sehr, dass viele Jugendliche und junge Erwachsene es lesen. Gäbe es bei Juli liest eine Sterne-Vergabe: 5 von 5 Sternen!

Julia Dibbern: Wolkendämmerung. Ink Rebels 2017, ab sechzehn Jahren, 14,90 € oder als e-Book für 3,99 €.

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