Hörbuchexperten stellen ihr Lieblingshörbuch vor

Die kleine Hörspiel-Schmiede floff hatte ich Euch ja bereits vorgestellt, nun habe ich das große Vergnügen, Euch einen Hörspiel-Tipp von floff-Kopf Florian Fickel, dem Erfinder der Playmos und der – sprechermäßig etwas unorthodoxen – Reihe Väter lesen Janosch, zu präsentieren.

Florian schickte mir seinen Text mit der Frage, ob dieser so okay wäre oder ob ich mir etwas anderes vorgestellt hätte. Nein, hatte ich nicht. 🙂 Erstens stelle ich mir ehrlich gesagt nie etwas Konkretes vor, wenn ich jemandem die Frage „Und was liest bzw. hörst du so?“ stelle, denn diese Frage richte ich ja immer an sehr kreative Menschen und was dann dabei raus kommt, kann niemand ahnen. Zweitens hat mir – das kann ich jetzt schon einmal sagen – der Text von Florian sehr gut gefallen, denn er erinnert mich ein wenig an mein Conni-Dilemma. Offen bleibt wie immer die Frage: Wer kauft eigentlich den ganzen Kram?

Zum Glück hat Florian aber am Ende doch noch ein paar Hörbuch-Tipps für uns. Denn wir wissen ja: Die Kinder(hör)buchschätze sind da, man muss sie nur suchen! 🙂

„Juli fragt mich, ob ich für „Und was hörst Du so?“ eine Hörspielrezension schreibe. Klar, gerne, aber mir liegt etwas auf dem Herzen. Und das geht so: Ich finde es sehr schade, dass es immer weniger selbst gemachte Hörspiele gibt. Selbst gemacht bedeutet, dass die Charaktere einer Geschichte mit Sprechern besetzt werden, der Text mit den Sprechern authentisch eingesprochen/eingespielt wird und die Dialoge in eine glaubwürdige Geräuschewelt gesetzt werden. Die meisten Kinderhörspiele sind heutzutage leider nur noch ein Merchandise-Produkt, eine Zweitverwertung der Tonspur einer Kinderserie aus dem Fernsehen oder eines Kinofilmes. Zudem haben es sich die heutigen Medienmacher angewöhnt, Kindergeschichten im rasanten Tempo und möglichst laut zu erzählen, unterlegt mit möglichst viel Musik. Musik ist ein wunderbares Medium, um die Schwächen einer Geschichte zu kaschieren. In die Dialogpausen wird ein Erzähler gezwängt, der den kleinen Hörern eilig mitteilt, was sie nicht sehen. Und schon ist ein Kinderhörspiel entstanden. Die Umsetzung? Maximal einen Stern. 

Genug geschumpfen, ich mag sie auf jeden Fall noch, die selbst gemachten Hörspiele. Die, die sich der Geschichte widmen, die, bei denen die richtigen Stimmfarben auf die richtigen Figuren besetzt wurden; was gibt es für großartige bunte, krächzende, tiefe, klare Stimmen. Die, die sich Zeit nehmen, die, die nicht alles voll packen, die, die fließen! Ich mag es, wenn in einem Kinderhörspiel ein alter Sprecher den Erzähler mimt und ich das Bild vor Augen habe, ein Märchenonkel sitzt im dicken Sessel vor dem Kaminfeuer und erfindet für mich gerade eine Geschichte. Mein Lieblingssprecher Christian Rode ist zum Beispiel so einer, heute 81 Jahre jung, mit einer tiefen farbigen Stimme, die mit den Sätzen spielt und einen fesselt.

Schade, dass dieses Medium am Aussterben ist und manchmal frage ich mich, ob daran wirklich die Nachfrage (die Eltern) oder das Angebot (der Handel) schuld sind. Die Kinderhörspielregale sind in den letzten Jahren Meter um Meter gerschrumpft, Kinderhörspiele findet man heutzutage in Aktionen bei Aldi oder Lidl. Dabei ist das Hörspiel eines der wenigen, bei dem Kinder eine wichtige Ebene in ihrem Kopf entstehen lassen können: Den Film zum Hörspiel sieht jeder für sich selbst.

Und was hörst Du so? Sehr gerne höre ich die alten Kinderhörspiele, wie zum Beispiel Die kleine Hexe. Als ich meine ersten Kinderhörspiele machte, hatte ich Der Räuber Hotzenplotz zum Vorbild: gute Stimmen, simpel vertont, weniger ist so oft mehr. Sehr gerne höre ich auch Gregs Tagebuch, weil es den Machern gelungen ist, diesen ironischen Text eines Kindes über seine Familie genau so umzusetzen. Chapeau.

Im Erwachsenenbereich höre ich Sherlock Holmes, weil sich diese Hörspiele Zeit lassen. Vielleicht haben die Musik-Streamingportale wie Spotify und Co doch ihr Gutes, hier sind Hörspiele plötzlich wieder gefragt. Ich würde es dem Medium auf jeden Fall wünschen, es hätte es verdient.“

Hörbuch, Hörspiele, Tipps. Klassiker
Sherlock Holmes, Maritim Verlag 2015
Advertisements