Hörbuchexperten stellen ihr Lieblingshörbuch vor

Durch meinen Blog und die Rubriken Und was liest du so? und das neue Und was hörst du so? lerne ich fast wöchentlich viele tolle Menschen kennen, die irgendwie sehr ähnlich ticken wie ich und dieselben Dinge mögen, die aber leider auch über ganz Deutschland verteilt sind und deshalb wohl häufig „nur“ Internetbekanntschaften bleiben werden. Aber das ist ja besser als nichts! 🙂

Eine dieser netten Internetbekanntschaften ist Ines Dettmann, die ebenfalls drei Kinder hat und sogar dieselbe Brille wie ich. 🙂 Ines hat einen tollen Job, sie leitet das Junge Literaturhaus in Köln, und sitzt wie Lothar Sand in der Jury des Kinderhörbuchpreises BEO. Ines liebt Hörbücher sehr – und ihr Geschmack scheint sehr dem meinen zu ähneln!

„Hörbücher und ich – das ist eine lange Freundschaft. Wie das mit guten Freunden so ist weiß ich gar nicht mehr so genau wie oder wann es angefangen hat – es ist lange her. Mindestens 35 Jahre.

Ich habe sie fast alle noch – meine Märchenkassetten mit dem komischen Märchenonkel „Es war einmal“, Benjamin Blümchens „Auf einer schönen grünen Wiese“ und Bibi Blocksbergs „Hex, hex!“. Die Kassetten, die ich nicht mehr habe, sind vom Kassettenrekorder aufgefressen worden oder meine kleine Schwester hat sie in die Finger bekommen …

Meine erste Drei-Fragezeichen-Kassette habe ich in der zweiten Klasse mit einem Freund im Keller gehört – es war dunkel und nur die beiden riesigen Aquarien leuchteten grünblau. Ich konnte nach dem sprechenden Totenkopf mehrere Nächte lang nur sehr schlecht schlafen… Ich fand es richtig gruselig und habe bis zur vierten Klasse pausiert, um dann mit großer Ernsthaftigkeit weiter zu hören und zu lesen.

Egal ob Hörbuch und Hörspiel – ich bin als Kassettenkind groß geworden. Das durchdringende Klicken am Ende einer Seite weckte mich zuverlässig oder signalisierte mir jetzt fest einschlafen zu können. Während meines Studiums kaufte ich so viele Drei-Fragezeichen-Kassetten wie nie zuvor in meinem Leben – zu einem Zeitpunkt, als die Kassette offiziell schon längst beerdigt worden war. Die Drei Fragezeichen kamen nur als Kassette mit mir ins Bett, auch um dem schweißgebadeten Aufwachen (nachts um vier) im Repeat-Modus der CD zu entgehen und das Hörspiel zehn Mal gehört bzw. verschlafen zu haben (meiner Mitbewohnerin passierte das regelmäßig).

Heute habe ich drei Kinder und immer noch einen Kassettenrekorder (aber auch viele CDs und ein Audible-Abo). Kassetten muss ich den Kindern zwar noch umdrehen, aber die Seitenaufteilung gibt beim Hören eine viel bessere Struktur, als bei CDs. Das Argument „Noch einen Track“ ist anstrengend und abstrakt. „Noch eine Seite“ erschließt sich im hörfähigen Alter sofort; schließlich springt der Knopf nach oben. Ein klares Signal.

Hörspiele, Hörbücher, für Kinder, Hörbuchtipp
Bibi Blocksberg als Babysitter, Kiddinx

Ich höre viel aus dem Kinderzimmer (auch Kassetten): Benjamin Blümchen, wie er die Schule rettet oder Herrn Tierlieb ein tolles Ostergeschenk beschert. Mir ist heute vollkommen klar, was meine Eltern an der Folge Bibi Blocksberg als Babysitter gehasst haben und was meine Kinder daran lieben. Ich habe viel Spaß, entdecke unglaublich ironisch-witzige Anspielungen in den ersten Bibi-Blocksberg-Folgen und freue mich, dass wir das teilen können. Ich bin überrascht, an was ich mich alles erinnere.

Manchmal freue ich mich aber auch über die Erfindung des Kopfhörers, um bestimmte Dinge nicht hören zu müssen. Ich bin froh, wenn ich nicht Conni, Bobo Siebenschläfer oder Leo Lausemaus hören muss. Denn auch das lieben meine Kinder und ich hätte es als Kind auch geliebt. Conni, Leo und Bobo haben bei uns Autoverbot – es gibt Höreindrücke, denen möchte ich im Auto auf keinen Fall direkt ausgesetzt sein. Ich kann sie nur schwer ertragen und es verbessert die Situation auch nicht, das deutlich zu sagen.

Die Frage „Können wir was hören?“ wird meistens gestellt, noch bevor der Motor an ist. Meine Schwester und ich haben unsere Eltern genauso gelöchert – die Antwort hat sich vererbt und bewegt sich meistens in dem „Ja, wenn wir auf der Autobahn sind“-Bereich.

Hörbücher, Hörspiele und Autofahren sind eine perfekte Symbiose (im Auto nur mit CD oder Tablet), wenn die Auswahl stimmt. Und das ist gar nicht so einfach, wenn man das familiäre Altersgefälle betrachtet: Ava (fast zwei – gilt also nicht), Ole (drei Jahre) und Moa (sieben Jahre) – und wir als Eltern. Im Auto hören alle mit (außer wir setzen Kopfhörer mit Tablet ein, um uns ungestört unterhalten zu können – also mein Mann und ich) und es gibt kein Entrinnen. Also muss es allen gefallen und darf keinen nerven oder langweilen. Das schürt unnötige Aggressionen auf engem Raum.

Hörbücher, Hörspiele, ab sechs, Kinder, Tipps
Detektivbüro LasseMaja, Hörcompany

Wir sind oft ein rollendes Detektivbüro und lösen unterwegs Kriminalfälle (vielleicht prägen „Die drei Fragezeichen“ auch indirekt?): Jens Wawrczeck ist mit Martin Widmarks Detektivbüro LasseMaja mit uns unterwegs. Im schwedischen Valleby gibt es zum Glück immer wieder kniffelige Fälle zu lösen und wir rätseln mit. Auf der Rückfahrt aus dem Osterurlaub hatten wir „Das Hotelgeheimnis“ im Gepäck – die Weihnachtsfolge …

Das Headroom-Hörspiel zu Ulf Nilssons drei Fällen um Kommissar Gordon ist ein Riesenspaß, die Besetzung nicht nur hochkarätig, sondern perfekt besetzt. Hier stimmt alles und die schlaue Maus Buffy und die leicht depressive Kröte Gordon sind im Auto immer willkommen.

Carolin Kebekus, Ulrike Rylance, Hörbuch, Hörspiel, Kinder
Penny Pepper, Der Audio Verlag

Penny Pepper ist auch eine Detektivin – eine Krimireihe von Ulrike Rylance (im Stil von Greg´s Tagebuch), aber als Hörbuch unglaublich witzig gelesen von Carolin Kebekus. Aus einem fast unvorlesbaren Buch ist ein schräges Hörbuch geworden, rund um eine leicht verplante Detektivin und ihre Mädchengang, an dem ich mindestens genauso viel Spaß habe wie unsere Kinder.

Die Kinder werden größer und mit ihnen wachsen auch die Hörbücher. Im Sommer haben wir auf der Fahrt zur Fähre nach Schweden Jory John und Mac Barnetts Miles und Niles. Hirnzellen im Hinterhalt gehört. Gelesen von Christoph Maria Herbst. Und wir haben alle gelacht. Ole, weil Christoph Maria Herbst unglaublich gut muht, Moa, weil sie die Tricks und Streiche ziemlich unvorstellbar fand und wir, weil wir einfach eine gute Zeit hatten.

Und das macht für mich ein gutes Hörbuch oder Hörspiel aus – eine gute Zeit haben (manchmal auch gut und viel zu fest einschlafen). Hörbücher sind Literatur und Unterhaltung. Ich höre gerne Sachen, die ich einfach nicht schaffe, nebenbei zu lesen.

Moa hat letztens meine Kiste mit den Drei-Fragezeichen-Kassetten entdeckt und neugierig nachgefragt. Im Sommer kommt sie in die zweite Klasse – der sprechende Totenkopf bleibt noch etwas in der Kiste.“

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