Wo ist Oma?

Peter Schössows Wo ist Oma? hat wirklich alles, was ein gutes Bilderbuch haben muss: Humor in Wort und Bild, realistische Charaktere, Spannung und eine gute Story:

Henry ist mit seiner Babysitterin Gülsa auf dem Weg ins Krankenhaus um seine Oma zu besuchen. Weil es im Empfangsbereich so wuselig ist und Henry nicht warten will, verlieren sich die beiden aus den Augen und Henry macht sich allein auf den Weg, um Oma oder wenigstens Gülsa wiederzufinden.

Erst versucht er es an der Information und dann treibt es ihn nach und nach von Station zu Station. Henry trifft Witze erzählende Alte, eine Mumie im Rollstuhl, streitende Männer über den größten Schnarcher im Zimmer, aber auch einen Jungen mit Chemotherapie und eine verwirrte alte Dame. Kurzum: Henry begegnet so gut wie jedem, den man auf langen Krankenhausfluren so treffen kann. Und am Ende findet er natürlich auch seine Oma und eine völlig verheulte Gülsa – Ende gut, alles gut. Denn nach seinen Irrwegen durch das Krankenhaus bleibt bei Henry ein Gefühl: Oma ist hier gut aufgehoben.

Peter Schössow hat für sein Bilderbuch viel recherchiert, unter anderem war er im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und konnte dort beruhigt feststellen, dass sich der Umgang mit Kindern in Krankenhäusern in den letzten sechzig Jahren positiv verändert hat.

Ein tolles Buch, das mit einer angenehmen Direktheit die Angst vor einem gesichtslosen Krankenhaus-Apparat nimmt – sollte es so eine Angst geben. Für alle anderen ist es einfach ein interessanter und sehr humorvoller Einblick in den Alltag eines Krankenhauses.

Peter Schössow: Wo ist Oma? Hanser Verlag 2016, ab vier Jahren, 17,00 €.

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