Menschen, die mit Kindern und Literatur zu tun haben, stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Der aufmerksame Leser wird vielleicht sofort gemerkt haben, dass der Subtitel meiner Lieblingsrubrik sich geändert hat. Das liegt ein wenig an Anne. Anne ist nämlich Literaturübersetzerin und dann hätte mein Subtitel Autoren, Illustratoren, Sprecher und Literaturübersetzer stellen ihr Lieblingskinderbuch vor heißen müssen. Zu lang, oder? Und was mache ich, wenn vielleicht ein Fernsehmoderator hinzukommt oder Ursula von der Leyen, die ja bestimmt auch ständig ihren sechs Kindern vorgelesen hat? Autoren, Illustratoren, Sprecher, Literaturübersetzer, Fernsehmoderatoren und Ursula von der Leyen stellen ihr Lieblingskinderbuch vor? Merkt Ihr selbst – zu lang. Daher also der neue Subtitel.

Ich freue mich sehr, dass Anne die erste Literaturübersetzerin ist, die bei Und was liest du so? dabei ist und hoffe, dass ihr noch viele folgen werden. Jetzt erzähle ich Euch, wie es dazu gekommen ist, das war nämlich so: Anne hat das wunderbare Buch Papa ist doch kein Außerirdischer! übersetzt, was bestimmt ob der vielen geflügelten Worte, die es beinhaltet, nicht leicht war.

Anna Boulanger, Kunstanstifter
Papa ist doch kein Außerirdischer!

Und was mache ich? Ich gebe die Übersetzerin nicht in den bibliographischen Angaben an! Un-ver-zeih-lich. Zumal mein werter Gatte dies bereits häufiger erwähnt hatte. Nun machte Anne mich ebenfalls darauf aufmerksam und ich kann nur sagen: Recht hat sie! Ohne Literaturübersetzer würden wir viele wunderbare Bücher gar nicht lesen können, ihre Arbeit macht uns erst andere Literaturwelten zugänglich! Ich gelobe also hiermit Besserung und wie Ihr seht, habe ich seit der Buchvorstellung von Papa ist doch kein Außerirdischer! bei allen nicht-deutschsprachigen Büchern den Übersetzer angegeben. Die bisherigen Titel werde ich nacharbeiten, versprochen!

Im Gegenzug habe ich von Anne einen Beitrag für Und was liest du so? bekommen – klassische Win-Win-Situation, oder? 🙂 Et voilà, das liebste Kinderbuch von Anne Thomas:

„Mein Lieblingskinderbuch? Meine Eltern würden wahrscheinlich sofort sagen: Schutzengelchen von Lore Hummel. Das war mein allererstes Buch, ich konnte es auswendig und merkte sofort, wenn zur Schlafenszeit beim Vorlesen Stellen ausgelassen wurden… aber es geht schließlich um Bücher, die ich selbst gelesen habe und gern mochte.

Das wiederum sind so viele, dass ich mich kaum entscheiden kann. Das fliegende Klassenzimmer von Erich Kästner, Madita, Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter von Astrid Lindgren – die ich nur dank der deutschen Übersetzung von Anna-Liese Kornitzky und Silke von Hacht kenne – Vier verrückte Schwestern von Hilary McKay, die Irmela Brender ins Deutsche übertrug oder Paul Biegels Rote Prinzessin in einer Übersetzung von Siegfried Mrotzek… sie alle sind mir lieb und teuer und gehören einfach zu meiner Kindheit dazu.

das-allerbeste-apfelmus
Das allerbeste Apfelmus

Letztendlich möchte ich hier ein Buch vorstellen, dass ich gerade neu, mit den Augen der Erwachsenen, entdecke: Das allerbeste Apfelmus von Dorothy Canfield Fisher. Ich las Ilse Wiegands Übersetzung mit 13 und freute mich damals einfach, dass die Hauptfigur Betsy sich am Ende so vieles zutraut. Heute erkenne ich jedoch, wie viel sanfte Ironie, wie viel hintergründiger Humor und wie viel Pädagogik (ohne erhobenen Zeigefinger) in dem Buch stecken – eine Schatztruhe für Groß und Klein.

Betsy ist blass, dünn, ängstlich, hat einen nervösen Magen und fürchtet sich vor den meisten Sachen, die ihr begegnen. Zum Glück kümmert sich ihre Tante Francis aufopferungsvoll um sie, nur sie allein versteht ihre zarte Nichte. Doch dann wird Betsy zu den groben Verwandten auf die Farm geschickt – eine Katastrophe, findet Tante Francis.

Erstaunlicherweise tut Betsy das Landleben aber gut. Zumindest sind sowohl die Blässe als auch der nervöse Magen kein Thema mehr. Und bei all den Aufgaben, die man Betsy überträgt, hat sie schlicht keine Zeit mehr, sich zu fürchten. Sie kümmert sich um ihr Kätzchen, jüngere Klassenkameraden und das allerbeste Apfelmus. Und schließlich auch um die arme, gute, ängstliche Tante Francis – denn sie, so erkennt Betsy, hat es wirklich nötig.

Ein wunderbares Buch darüber, was Kinder alles können, wenn man sie nur lässt!“

Dorothy Canfield Fisher: Das allerbeste Apfelmus (Übersetzung: Ilse Wiegand). dtv 1972, ab 10 Jahren.

Advertisements