Autoren, Illustratoren und Sprecher stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Erst waren wir hier sehr in Anton verliebt, dann in das Körpergeräuschebuch (soweit man in ein Körpergeräuschebuch verliebt sein kann) und nach der Lektüre des folgenden Textes sind wir Meike Haberstock nun gänzlich verfallen. Mehr muss ich dazu auch nicht sagen – et voila, das Lieblingsbuch von Meike Haberstock:

„Eines meiner Lieblingskinderbücher ist Serafin und seine Wundermaschine von Philippe Fix. Es handelt von Serafin, der auf der Suche nach einem Beruf ist. 

Philippe Fix
Serafin und seine Wundermaschine, Diogenes 2016

Generaldirektor? Nein, nicht mit DER Frisur.

Taucher? Geht auch nicht – Serafin ist wasserscheu.

Weihnachtsmann? Eher schlecht – im Winter bekommt Serafin immer Schnupfen.

Schließlich wird er Fahrkartenknipser in der U-Bahn. Anfangs macht es noch Spaß, in alles ein Loch zu knipsen, das ihm vorgehalten wird, doch mit der Zeit erscheinen ihm Aufgabe, Ort und alle Menschen nur noch trübsinnig. Der Versuch, seinen Arbeitsplatz ein wenig zu begrünen, wird ihm versagt. 

 Eines Tages erbt Serafin ein wunderschönes altes, aber leider etwas baufälliges Haus. Genauer gesagt ist es eine Ruine – aber das stört Serafin nicht. Denn als leidenschaftlicher Bastler und Träumer weiß er ganz genau, wie diese Haus bald aussehen wird. 

Mit seinem Freund Plum und dessen Hamster Herkules macht sich Serafin daran, neue Türme, Treppen und sogar eine riesige Glaskugel an das Haus zu bauen – und eine kleines U-Bahn-Kartenknips-Häuschen gibt es auch – allerdings ins luftiger Höhe und mit viel grünen Ranken drumherum. 

Eigentlich könnten die drei nun ein wunderbares Leben in ihrem Traumhaus führen, wenn denn nicht die Behörden und die Investoren mit den bösen Baggern kommen würden…  Doch Serafin, Plum und Herkules meistern selbstverständlich auch diese Situation – und dafür brauchen sie nur ihre Fantasie und ein paar alte Holzdielen…

Fazit

Gefühlt habe ich dieses Buch schon 654 mal gelesen. 1986 habe ich es im Alter von 10 Jahren von meiner Schwester Antje geschenkt bekommen. 

Meike Haberstock_Serafin_Widmung
Für Meike von Antje

Die Geschichte geht direkt ins Herz – immer wieder. Sie ist sehr, sehr lustig, tiefgründig (ohne moralinsauer zu sein) und doch leicht zu lesen – eine perfekte Kombination.

Die deutsche Erstausgabe erschien 1970 und bis heute hat die Geschichte nichts an Aktualität verloren. Mit einer ordentlichen Portion Mut, viel Fantasie, guten Freunden und dem einen oder anderem Holzbrett kann man alles schaffen – auch wenn die Situation noch so ausweglos erscheint. Die Illustrationen sind unfassbar bezaubernd und detailverliebt und so einen riesigen Ringel-Rollkragen-Pullover wie Plum ihn hat (er nennt ihn Wohnpullover), ach, den wünsche ich mir bis heute.

Und wenn ich es recht bedenke, begründet sich meine heutige Vorliebe für gute Wohn- und Bauzeitschriften bestimmt auch auf der Tatsache, dass Serafin aus einer totalen Ruine Stück für Stück ein echtes Traumhaus gebaut hat. Ich befürchte allerdings, dass nicht für alles eine Baugenehmigung vorlag und bin mir noch nicht sicher, ob ich die hiesigen Stellen in der Verwaltung von meinen Ideen in Sachen Umbau überzeugen kann. Vielleicht sollte ich auf dem Bauamt mal eine kleine Serafin-Lesung halten, bevor ich meine Anträge stelle…“

Philippe Fix: Serafin und seine Wundermaschine. Diogenes 2016, ab sechs Jahren, 18,00 €

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