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„Und was liest du so?“ mit Selim Özdogan

Autor:innen und Illustrator:innen stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist – so lautet der Titel des Debüts von Selim Özdogan, 1995 war das. 2007 brachte mich der Titel während des Schreibens an meiner Magisterarbeit mehrfach zum Lachen wenn er bei meinen Recherchen immer wieder auftauchte. Seitdem ist viel Zeit vergangen, Selim ist nach diesem überaus erfolgreichen Debüt Schriftsteller geworden und hat damit seinen Kindheitstraum erfüllt, ich bin Literaturwissenschaftlerin, die immernoch nicht Die Buddenbrooks gelesen hat, und heute treffen wir uns hier auf dem digitalen (Vor-) Lesesofa zum ersten Mal, denn in diesem Monat erscheint im Südpol Verlag Selims erstes Bilderbuch: Die Ameise und der Frosch, ein Pappbilderbuch für die Kleinsten über Freundschaft und Verschiedenheit.

Erzählt wird die Geschichte von Ameise und Frosch, wie der Titel bereits vermuten lässt. Ameise hätte so gerne eine:n Freund:in, deshalb will sie Frosch kurzerhand zur Ameise mit grünen Körper und Schwimmhäuten machen, denn Ameisen können ja nur mit Ameisen befreundet sein, oder etwa nicht?

Es freut und ehrt mich sehr, einen so vielfach ausgezeichneten Autoren in dieser unser aller Lieblingsrubrik begrüßen zu dürfen und bevor ich jetzt ein Hohelied auf ein Internet singe, von dem ich 2007 nicht zu träumen gewagt hätte, fragen wir einfach ganz schnell:

Und was liest du so, Selim Özdogan?

Es ist so eine Sache mit Lieblingsbüchern, wenn man viel liest, hat man auch so einige davon. Ich nenne einfach Krabat und führe das das nicht weiter aus. Ein anderes Buch, das ich als Kind sehr häufig gelesen habe, ist Ein Indianer namens Heinrich von Jo Pestum.

Das Buch ist 1980 erschienen und aus heutiger Sicht wirken die Beschreibung sozialer Realitäten und auch die Sprache veraltet. Vielleicht würde man auch die Beschreibung von als männlich gelesenen Eigenschaften romantisierend empfinden. Doch das Buch hat mich als ich es vor einigen Tagen wieder gelesen habe, wieder sehr bewegt.

Heinrich ist ein einsamer Junge, aber einer, bei dem es zumindest so scheint, als habe er einen Platz gefunden, sich in der Welt zu behaupten und wohl zu fühlen. Jemand, der eine Kraft zu besitzen scheint, die tief in ihm drin wohnte. Der nicht zutiefst verunsichert ist. Doch im Laufe des Buches stellt man fest, dass natürlich auch Heinrich verletzlich ist. Und wie schwer es ist, tiefe Bindungen einzugehen. Und wie bestimmte Lebensbedingungen Bindungen und Solidarität erschweren.

Das Buch hat viel von dem, was Literatur mir unter anderen geboten hat: eine Verbindung zu Figuren, die sich einsam fühlen. Und damit einhergehend die Erleichterung: Ich bin nicht allein. Jo Pestum konnte damals auch mit anderen Büchern einen Kontakt zu meiner Gefühlswelt herstellen, aber keines davon hat mich so tief berührt wie Ein Indianer names Heinrich.

Und noch ein weiteres Buch möchte ich erwähnen, ein moderneres. Seit ich mit meiner Tochter Kinderbücher lese (und versuche einen Überblick darüber zu behalten, was sie so liest) hat mich ein Buch besonders begeistert: Prinzessin Rosenblüte von Kirsten Boie. Weil es so klug und so lustig eine romantisch überhöhte Prinzessinenwelt auseinandernimmt und mit leichter Hand bereits eingefahrene Perspektiven von Kindern verschieben kann ohne dabei belehrend zu werden.


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