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„Es war eine einzige große Kreativchallenge mit vielen Unbekannten!“

Interview mit der Kinderbuchautorin Anja Janotta

Im ersten Corona-Lockdown haben sich auf Initiative von Karin Müller zehn Kinderbuchautor:innen zusammengeschlossen und gemeinsam eine Staffelgeschichte erdacht. Niemand wusste, wie es weitergeht, alle kannten nur die jeweiligen Kapitel davor: Annemone Apfelstroh war geboren! Ein großes Abenteuer, das der Carlsen Verlag zu einem Buch gemacht hat.

Ich habe mit einer der Autor:innen gesprochen und Anja Janotta zu der Arbeit an dem Gemeinschaftsbuch, dem Schreiben und natürlich auch dem eigenen Lesen befragt.

Das Gemeinschaftsbuch Annemone Apfelstroh ist ab dem Frühjahr 2020 entstanden, also in der Zeit der ersten Lockdowns – wie hast du die Anfänge der Coronapandemie erlebt und empfunden?

Zum Glück sind meine beiden Kinder schon selbstständig in der Schule, sodass ich nicht wie viele andere Kolleg:innen nur mit Schule und Kinderbetreuung absorbiert war. Trotzdem ist an ruhiges Schreiben, wenn wir vier Leute im Haus sind, nicht zu denken. Meine Geschichten – auch die beiden Annemone-Kapitel – habe ich deshalb eher nachts geschrieben. Tagsüber blieb dafür umso mehr Zeit für den Austausch mit den lieben Kolleg:innen des Annemone-Projekts. Ich weiß, es geht nicht nur mir so: Für uns alle war es wirklich sehr tröstlich, dass wir bei all den abgesagten Lesungen und Lesefesten trotzdem so einen tollen Kollegenzusammenhalt hatten. Das Projekt hat uns allen zehn riesig Spaß gemacht.

Als die Kinderbuchautorin Karin Müller mit ihrer Idee einer Staffelgeschichte auf dich und die anderen Autor:innen zukam – was hast du gedacht, was hat dich daran gereizt? Ich könnte mir vorstellen, dass es eine:n Autor:in auch nervös machen kann, wenn die Geschichte, die man im eigenen Kopf entspinnt, von anderen ganz anders weitergeschrieben wird.

Das Schöne war: Wir kannten uns anfangs zum Teil noch gar nicht, es war eine einzige große Kreativchallenge mit vielen Unbekannten. Aber wenn man sich auf ein solches Experiment einlässt, dann richtig. Das heißt auch zu akzeptieren, dass andere überhaupt nicht die Impulse verfolgen, die man selbst in den Text gestreut hat. Ich weiß gar nicht, wie oft ich bei jedem neuen Kapitel gedacht habe: Na super, wie will denn der:die Nächste da wieder rauskommen? Und dann haben sie es geschafft und jedes Mal brillanter als ich es vermutlich aufgelöst hätte. Und die arme Karin Müller musste zum Schluss auch noch alle Impulse, Ideen und Figuren zu einem stimmigen Ende weben. Was ihr super gelungen ist, finde ich.

Du hast Deine Kindheit in Algerien und Saudi-Arabien verbracht und dort auch schon begonnen zu schreiben – hat Dich die arabische Erzähltradition in irgendeiner Weise beeinflusst? Und welches war Dein Lieblingsbuch als Kind?

Leider hatte ich als Kind nicht allzuviel Berührung mit der arabischen Erzählkultur – da wir doch sehr abgeschieden in Camps gelebt haben. Die habe ich erst viel später als Erwachsene näher kennengelernt. Aber sich die Zeit in fremden Ländern produktiv mit Geschichtenerzählen zu vertreiben, war das beste Mittel gegen Langeweile. Ich musste zwar wie Scheherazade nicht mein Leben mit den Geschichten retten, aber mindestens mal meine gute Laune. Lustig, gerade fällt mir auf – wie parallel das Ganze eigentlich zur Entstehungsgeschichte von Annemone Apfelstroh während der Corona-Zeit ist. Weil wir nicht viel Bücher ins Fluggepäck packen konnten, habe ich die Schulbücherei leer gelesen mit allem was mir in die Finger kam, egal ob Asterix, Pippi Langstrumpf, Die Schatzinsel oder auch Schiller und Eichendorff – den aber nur sehr widerwillig.

Deinen Weg zur Kinderbuchautorin beschreibst Du auf Deiner Website als „30 Jahre langen Umweg“: Warum dauerte es so lange, bis Du wieder literarisch und nicht mehr nur journalistisch oder für Kund:innen geschrieben hast?

Ganz ehrlich? Ich habe meinen Schreibkünsten noch nicht getraut. Wie viele unvollendete Romananfänge bei mir in der Schublade schlummern, verrate ich jetzt mal lieber nicht. Vermutlich brauchte ich erst ein Thema, das mir persönlich richtig nahe ging. Das war dann die Rechtschreibschwäche meiner Tochter, die der Auslöser für meinen Erstling Linkslesestärke war. Und nachdem dieses Buch wie in einem fiebrigen Flow innerhalb von sechs Wochen entstanden ist, hat die Begeisterung fürs Schreiben danach nicht mehr aufgehört.

Neben dem ungewöhnlichen und tollen Annemeone Apfelstroh – welches Kinderbuch hat Dir in diesem Jahr besonders gefallen und möchtest Du uns empfehlen?

Das ist natürlich total schwer, denn auch meine Annemone-Kolleg:innen haben ja jede Menge tolle Bücher rausgebracht dieses Jahr. Am besten Ihr lest sie gleich alle. Damit hier kein Ungleichgewicht entsteht, wenn ich mich für eines entscheide, empfehle ich lieber Kirsten Boie und Dunkelnacht – ein Jugendbuch über die mörderischen Taten von Nazis in den letzten Kriegstagen. Gerade in einem so privilegierten Land, in dem wir leben, ist es wichtig, ab und an wachzurufen, wie verheerend, kompromisslos und gnadenlos ein Kriegsgeschehen immer ist.


Zum Buch

Annemone Apfelstroh wohnt mit ihrem Vater, einer Ziege und einem Kater in einem abgelegenen Tal am Rand der Welt. An die Mutter kann sie sich kaum erinnern, sie verschwand vor langer Zeit. Als Annemone eines Tages verbotenerweise die Töpferscheibe des Vaters in Gang setzt, beginnt eine Reise durch Raum und Zeit – und die Suche nach der Mutter.

Ein märchenhaftes Abenteuer voller überraschender Wendungen: Herausgefordert von Karin Müller begaben sich mitten in der Corona-Krise zehn Autor:innen auf eine Reise ins Ungewisse, von der sie selbst nicht wussten, wohin sie führen würde. Von Autor:in zu Autor:in Kapitel für Kapitel weitergesponnen, entstand auf diesem Weg eine kunterbunte Geschichte. (Hier entlang geht’s zum Blick ins Buch.)

Die zehn Autor:innen lesen das 1. Kapitel von Annemone Apfelstroh

Wolfram Hänel, Rüdiger Bertram, Alice Pantermüller, Dagmar H. Mueller, Karin Müller, Juma Kliebenstein, Chantal Schreiber, Nikola Huppertz, Sven Gerhardt, Anja Janotta, Florentine Prechtel: Annemone Apfelstroh. Carlsen Verlag 2021, ab 8 Jahren, 14,00 €.


Gewinnspiel und Blogparade

Gestern ist der Auftaktbeitrag von Janet bei Kinderbuchlesen.de zur Blogparade Annemone Apfelstroh erschienen; auf elf Kinderbuch- bzw. Familienblogs könnt Ihr die zehn Autor:innen und auch die Illustratorin von Annemone Apfelstroh näher kennenlernen. Und: Ihr könnt hier und jetzt und auch bei meinen Bloggerkolleginnen drei Exemplare von Annemone Apfelstroh gewinnen! Verratet mir einfach in den Kommentaren Eure Lieblingsobstsorte. Anja und ich wünschen viel Glück!

Buchprojekt, Interview, Kinderbuch, Fantastisch
Blogparade Annemone Apfelstroh

Teilnahmebedingungen

Die Verlosung startet am 30.11.2021 um 06:00 Uhr und endet am 03.12.2021 um 23.59 Uhr. Die drei Gewinner:innen werden ausgelost. Wer einen Kommentar hinterlässt, kann gewinnen. Jede teilnehmende Person, die das Posting kommentiert, erklärt sich mit den Teilnahmebedingungen einverstanden.
• Teilnahmeberechtigt sind Personen über 18 Jahren mit Wohnsitz in Deutschland.
• Das Gewinnspiel beginnt mit dem Veröffentlichungsdatum des Posts und endet wie im Post angegeben.
• Gewinnen kann, wer alle genannten Bedingungen erfüllt.
• Der Gewinn ist aus dem Post klar ersichtlich.
• Die Verlosung des Gewinns erfolgt im angegebenen Zeitraum des relevanten Posts.
• Die Gewinnermittlung erfolgt durch das Los. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die Gewinner:innen werden über eine persönliche Nachricht per E-Mail informiert. In dieser Mail wird die E-Mail-Adresse vom Carlsen Verlag mitgeteilt, an die die Gewinner:innen eine Anschrift übermitteln können.
• Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
• Die Daten der Teilnehmenden werden nicht weitergegeben und vertraulich behandelt. Die Übermittlung personenbezogener Daten wird erst erforderlich, wenn der Gewinn ausgehändigt wird. Diese Informationen werden absolut vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Die Daten werden nur so lange gespeichert, wie es für die Abwicklung des Gewinnspiels nötig ist. Nach Beendigung des Gewinnspiels werden alle Daten unverzüglich wieder gelöscht.
• Den Teilnehmenden stehen keine Auskunftsrechte zu.
• Die Teilnehmenden verpflichten sich, keine rechtswidrigen Inhalte zu teilen.


63 Comments »

  1. Äpfel essen wir auch oft und da ist die Apfelmustorte mit Weinpudding und Sahne sehr lecker, am Liebsten aus eigenen Äpfeln. 😉 Und wenn Kinder mitessen mit Apfelsat statt Wein, das mögen alle!

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  2. Hallo und herzlichen Dank für diese tolle Blogparade! Wir würden dieses schöne Buch sehr gerne lesen und deshalb versuche ich sehr gerne mein Glück. Mein Lieblingsobst sind tatsächlich Äpfel.

    Liebe Grüße
    Katja

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  3. Was für ein tolles Buch und Buchtour. Wir haben einen Naschgarten. Von Erdbeeren bis Äpfel ist da nur was gern gegessen wird. Leider lassen die Minikiwi auf sich warten
    Aber wir hoffen noch.

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  4. Danke für die tolle Buchvorstellung und die Möglichkeit ein Exemplar zu gewinnen .

    Tatsächlich ist es eine Apfelsorte und zwar Gala, den kann ich immer das ganze Jahr über essen.

    Viele liebe Grüße aus Kiel sendet Jenny

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  5. Meine Lieblingsobstsorte? Mmmmmm…. das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Saisonale Früchte, am besten selbst geerntet. Ich mag beinahe jedes Obst. Besonders Äpfel und Birnen. Gar nicht so gern schmecken mir Physalis.

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