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„Und was liest du so?“ mit Akram El-Bahay

Autor*innen und Illustrator*innen stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Fans von fantastischer Literatur aufgepasst (in unserer Familie sind das übrigens Monsieur 2, meine Schwester und ein bisschen ich)! Heute nimmt nicht nur ein Könner der fantastischen Literatur auf unserem digitalen Lesesofa Platz, er hat auch noch einen fantastischen Buchtipp im Gepäck!

Die Rede ist von Akram El-Bahay, der mit Frau und Kindern am schönen Niederrhein lebt und dort als Journalist und Autor tätig ist. Akram verarbeitet die Einflüsse und Erzählungen seiner deutsch-ägyptischen Familie in seinen Büchern, so dass in diesen regelmäßig orientalische Motive oder auch arabische Namen auftauchen – so zum Beispiel in seinem Debütroman Flammenwüste, der 2015 mit dem Seraph ausgezeichnet wurde und nun auf meiner Liste für Monsieur 2 steht.

Am Montag erscheint Akrams neuer Roman Lias und der Herr der Wellen. Darin erzählt er die Geschichte von Lias, der im Haus seiner Oma in jedem Raum eine neue fantastische Welt betritt. Und so begibt sich Lias auf eine aufregende Reise durch die Buchwelten seiner Großmutter, die ihn am Ende zum Herrn der Wellen führt. Wie vor kurzem Andrea Karimé hat auch Akram intertextuelle Bezüge in sein neuestes Werk eingebaut, von denen er Euch gleich berichten wird. Und deshalb fragen wir jetzt ganz schnell:

Und was liest du so, Akram El-Bahay?

Die Lieblingsbücher meiner Kindheit? Das ist eine wirklich wilde Mischung aus Klassikern wie Die Schatzinsel, Robinson Crusoe oder In 80 Tagen um die Erde und Titeln, die in den 80er Jahren brandneu waren wie die Abenteuer des Kleinen Vampir. Aber nur wenige Bücher aus dieser Zeit nehme ich auch heute noch zur Hand. Eines ist Der Hobbit, den ich mir vor Kurzem in der sehr aufwändigen Prachtausgabe geholt habe.

Ein anderes ist die wunderbare Unendliche Geschichte von Michael Ende. Ich gebe zu: Ich habe den Film gesehen, ehe ich die Geschichte gelesen habe. Und das, obwohl ich von meiner Tante die in zwei Schriftfarben gedruckte, gebundene Ausgabe geschenkt bekommen hatte. Als ich anschließend zum Buch griff, war ich erstaunt darüber, dass der Film gerade einmal die Hälfte der Geschichte umfasste. Endes schier unerschöpfliche Fantasie hat mich umgehauen. Und so bin ich staunend durch Phantásien gewandert, habe Bastian auf seinem schweren Weg nach Hause begleitet und war traurig, dass das Buch irgendwann endete.

Es gibt wenige Geschichten, die gut altern. Manche, die in ihre Zukunft geblickt haben, wurden von der technischen Entwicklung überholt und versprühen heute einen eher nostalgischen Charme. So würde sich heute niemand mehr ernsthaft über die Reise zum Mond wundern. Ganz anders als in der Zeit, in der Jules Verne seine fantastische Geschichte skizziert hat und sein Buch pure Zukunftsmusik war. Andere Romane sind so sehr in ihrer Gegenwart verhaftet, dass sie heute wie ein Science-Fiction-Film mit mäßigen Tricks aus den 70er Jahren wirken. Die Unendliche Geschichte aber ist zeitlos. Und daher hat sie das Potenzial, auch weiter neue Generationen von Leserinnen und Lesern zu gewinnen. Mal abgesehen vom Film: Die wunderbare Geschichte von Michael Ende beweist sich spielend auch in anderen Formaten. Als Hörspiel genauso wie als Marionetten-Theaterstück. Und sie kann Leser*innen oder Zuhörer*innen immer wieder Neues bieten.

Michael Ende, Klassiker, Meschenmoser, vorlesen, Kinderbuch
Die unendliche Geschichte

Die Verbindung der in Auflösung begriffenen Innenwelt des vom Tod der Mutter schwer verwundeten Bastians zum allmählichen Verschwinden Phantásiens habe ich erst beim wiederholten Lesen begriffen. Auch, dass Bastian durch die Erschaffung einer neuen Welt sich selbst neu finden und erschaffen muss, wurde mir erst mit der Zeit klar. Und genau das macht diesen Roman zu etwas Besonderem. Man weiß als Leser nie, welche Entdeckung man macht, wenn man sich erneut auf den Weg macht.

Es war also kein Zufall, dass der Roman, an dem ich die vergangenen Monate geschrieben habe, eine Hommage an Die Unendliche Geschichte ist. Zu präsent ist das Buch für mich. In Lias und der Herr der Wellen findet sich nicht nur der Notizzettel wieder, auf dem Michael Ende die erste Idee zu dem Roman notiert hatte, der ihm „unter den Händen explodiert ist“. Auch der Wasserrohrbruch, der ihm den rettenden Einfall zum Ende des Romans bescherte, hat einen Platz in meiner Geschichte erhalten. Und so manches Andere ebenso. Meine nächste Reise werde ich übrigens mit der von Sebastian Meschenmoser illustrierten Ausgabe machen. Meine alte Kinderausgabe ist zu zerlesen. Ich hoffe, dass ich wieder etwas Neues in Phantásien entdecken werde.


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