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„Und was liest du so?“ mit Maren Hasenjäger

Autor*innen und Illustrator*innen stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Ich will in der ersten Zeile nicht schon zuviel verraten, aber heute gibt es in unser aller Lieblingsrubrik Buchtipps für echte Bilderbuchliebhaber*innen – schraubt schon mal Eure Füller auf, damit Ihr Euch Notizen machen könnt, denn Maren Hasenjäger hat uns ganz wunderbare Bilderbücher mitgebracht, die sofort auf meine Liste gewandert sind!

Doch zunächst stelle ich Euch natürlich erst einmal die Frau hinter den Buchtipps vor: Die Illustratorin und Grafikdesignerin Maren Hasenjäger lebt mit Frau und Katzen in Münster und zeichnet am liebsten „Kinder, den Weltraum und Tiere mit Partyhüten“. Zumindest den ersten beiden Punkten konnte sich Maren jetzt sehr ausführlich widmen, denn gerade ist ihr allererstes Kinderbuch erschienen und es handelt von… dem Weltraum! 🙂

Ein kleiner blauer Punkt heißt es, erschienen ist es im Magellan Verlag und es erzählt alles, was man über unser Sonnensystem wissen muss. Von den Vulkanen auf dem Mars und den 82 Monden des Saturn und von all diesen anderen Dingen, die (zumindest für mich) schwer zu verstehen, aber hochspannend sind. Wie gut, dass es Menschen wie Maren gibt, für die das alles nicht böhmische Wälder (oder marsianische Vulkane) sind und die auch noch die Fähigkeit besitzen, wunderbare Sachbilderbücher darüber zu machen!

Auf Marens Website könnt Ihr einen Blick ins Buch und auch auf ihre bisherigen Illustrationen werfen, es lohnt sich! Und nun fragen wir auch schon:

Und was liest du so, Maren Hasenjäger?

Ich bin mit meinen 32 Jahren immer noch leidenschaftliche Bilderbuchleserin. Am liebsten kaufe ich meine Bilderbücher in England, im vorletzten und letzten Jahr (natürlich vor der Pandemie) haben meine Frau und ich sehr schwere Koffer zurück nach Deutschland schleppen müssen, weil wir so viel Geld in den Londoner Buchhandlungen gelassen haben.

Mir gefallen die Bücher dort größtenteils besser, da der englischsprachige Kinderbuchmarkt im Vergleich mit dem deutschen im Großen und Ganzen weniger spießig und vorsichtig ist. Die Charaktere sind um einiges diverser, die Stile weniger gefällig und die Themen nicht so eintönig. Verglichen damit halten sich leider viele deutsche Kinderbücher immer noch an die alte „Mädchen mögen rosa, Prinzessinnen und Pferde, Jungs bekommen blau und Bagger- oder Piratenbücher“-Formel, was ich sehr schade und auch nicht sehr zeitgemäß finde. Außerdem habe ich den Eindruck, dass man den Kindern thematisch mehr zutraut. In den letzten Jahren hat sich da allerdings erfreulicherweise schon einiges auf dem deutschen Markt getan und ich hoffe, dass die positive Entwicklung sich fortführen wird!

Stellvertretend für meine liebsten Bilderbücher habe ich zwei ausgewählt, die inzwischen auch in Deutschland lizensiert wurden. Franklins fliegende Buchhandlung (Geschrieben von Jen Campbell, illustriert von Katie Harnett, im Original Franklin’s Flying Bookshop) habe ich im Buchladen entdeckt und mich sofort verliebt. Katie Harnett ist eine meine Lieblingsillustratorinnen und ich hoffe, das noch viele der von ihr illustrierten Bücher ins Deutsche übersetzt werden. Die Illustrationen machen Spaß beim Anschauen und finden die richtige Balance zwischen kindgerecht und illustrativanspruchsvoll. Die Geschichte erzählt vom bücherliebenden Drachen Franklin, der seine Liebe zum Lesen gern mit den Dorfbewohner*innen teilen würde, was ihm allerdings nicht gelingt, da sie Angst vor ihm haben. Eines Tages trifft er jedoch Luna, die sich nicht nur nicht vor ihm fürchtet, sondern auch genauso vernarrt ins Lesen wie er selbst ist. Zusammen schaffen sie es schließlich, mithilfe ihrer fliegenden Buchhandlung eine Brücke zu den Dorfbewohner*innen zu schaffen. Das Buch ist eine Liebeserklärung an das Lesen selbst und zeigt wie Geschichten die Macht haben, Menschen zu verbinden.

Jen Campbell, Katie Harnett, Bilderbuch, Drache, vorlesen, lesen, Familie, Eltern, Kinder
Franklins fliegende Buchhandlung

Das zweite Bilderbuch ist Wie man sich mit einem Gespenst anfreundet (Text/Illustrationen von Rebecca Green, im Original How To Make Friends With A Ghost). Das Buch hat eine wunderschöne Gesamtgestaltung, von der minimalen Farbkombination aus Grautönen mit wenig roten Akzenten über die handgeschriebene Typographie, dem schönen Vorsatzmuster bis zu den Zwischenkapiteln. Das Buch ist wie der Titel schon sagt eher eine Anleitung als eine Geschichte und hat mich mit seinem großartigen Humor, der Einfühlsamkeit und der Liebe zum Detail sofort in den Bann gezogen. Als Kind hätte ich die Abwechslung zwischen ganzseitigen Illustrationen und Vignetten sowie fiktiven Schaubildern und sogar einem Rezept für „schwebende Spaghetti mit Matschbällchen“ geliebt. Es gibt mittlerweile einige Bücher mit denen Kindern gezeigt wird, dass sie keine Angst vor Monstern oder Gespenstern zu haben brauchen, aber ich habe noch keins gesehen, dass es auf so eine zugleich schöne als auch witzige Weise schafft.

Mir gefällt auch, dass das Buch sich nicht scheut selbst Themen wie den Tod anzusprechen, die sonst ja oft eher gemieden werden. Am Schluss heißt es nämlich, dass das Beste an einer Freundschaft mit einem Geist ist, dass man einen großartigen Freund für alle Ewigkeit finden kann. Ein Freund, der einem noch Geschichten vorlesen kann wenn die eigenen Augen zu schwach geworden sind, und der für immer – auch wenn man selbst zum Geist geworden ist – bei einem bleibt.

Rebecca Green, Diogenes, Bilderbuch, Angst, Geister, Gespenster, Monster, Kindern Angst nehmen
Wie man sich mit einem Gespenst anfreundet

Mein letztes Buch, Tove Janssons Muminvaters wildbewegte Jugend, steht stellvertretend für die Reihe der Mumin-Bücher, die ich schon mehrmals gelesen habe und auch immer wieder lesen kann. Die Reihe hat mittlerweile schon einige Jahre auf dem Buckel, das erste, Mumins lange Reise, ist von 1945 und das letzte, Herbst im Mumintal, von 1970. Im Gegensatz zu vielen anderen alten Kinderbüchern, die man zwar mit Nostalgie zurückblickend immer noch liebt, aber die dann doch nicht mehr so richtig angemessen für jetzige Kinder scheinen, würde ich sie jedoch immer noch uneingeschränkt empfehlen. Die Charaktere sind absolut liebenswürdig, von Mumin selbst über die freche Klein Mü, Mumins besten freiheitsliebenden Freund Schnupferich zu Muminpapa, der keine Gelegenheit scheut, jedem von seiner abenteuerlichen Jugend zu erzählen.

Das ist auch die Rahmenhandlung des von mir ausgesuchten Buchs, in dem Muminpapa seinem Sohn und dessen Freund*innen aus seinen Memoiren vorliest. Die Geschichten handeln von wunderbar übertriebenen Abenteuern, die er mit seinen Jugendfreund*innen erlebt hat, welche er im Epilog dann auch mit einer großen Feier wieder trifft. Ich liebe die ansteckende Lebens- und Abenteuerlust die die Bücher ausstrahlen. Es gibt inzwischen viele verschiedene Adaptionen der Mumingeschichten, aber die Romane gefallen mir definitiv am besten und Tove Janssons Illustrationen werden nie aufhören mich zu verzaubern.

Tove Jansson, Arena, Klassiker, vorlesen, Mumins, Kinderbuch, Familie
Muminvaters wild bewegte Jugend

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