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Forschungsgruppe Erbsensuppe

Oder: Wie wir Omas großem Geheimnis auf die Spur kamen

Das beschauliche Leben des schüchternen Nils – morgens Schule, nachmittags Großeltern, abends kurzes Beisammensein mit den Eltern – nimmt gleich auf den ersten Seiten des tollen Kinderromans Forschungsgruppe Erbsensuppe Fahrt auf: Erst wird die zappelige Evi neben ihn gesetzt (wegen seines „ausgleichenden Wesens“), die sofort eine Bande mit Nils gründen will, und kurz darauf sitzt auf seiner anderen Seite Lina, die mit ihrem Vater aus Syrien geflohen ist, wo sie Anführerin einer Detektivbande war.

Knesebeck, Kinderroman, lesen, Flucht, Fluchterfahrung, Großeltern, Oma, Opa, lesen

Forschungsgruppe Erbsensuppe

Dass die drei so gut vorbereitet auf das Bandenleben sind, trifft sich gut, denn bei Nils Zuhause wartet bereits ein Fall, der dringend geklärt werden muss: Normalerweise geht Nils nach der Schule immer zu Oma und Opa, wo es Mittagsessen, Hausaufgaben und die „gemütliche Stunde“ gibt, bis Nils‘ Eltern von der Arbeit kommen, doch nicht nur durch die Bandengründung kommt diese Routine ins Wanken. Denn mit Oma stimmt irgendetwas nicht. Jeden Tag kauft sie mehrere Dosen Erbsensuppe, außerdem packt sie Kleidung, Reisepässe und sogar Nils‘ Kuschelhasen ein. Den Rest der Zeit sitzt Oma vor dem Fernseher und schaut Kriegsreportagen. Damit ist sie so beschäftigt, dass Opa immer öfter kocht (Bratkartoffeln oder Rührei), die „gemütliche Stunde“ fällt häufig aus und in der Kleinstadt gibt es Gerede.

Ein klarer Fall für die Forschungsgruppe Erbsensuppe! Gemeinsam mit seinen beiden temperamentvollen Freundinnen beschattet Nils Oma und Opa, belauscht seine Eltern und forscht im Internet, doch trotz aller Recherchen können sich die drei Nachwuchsermittler*innen zunächst keinen Reim auf das Verhalten der Erwachsenen machen.

Forschungsgruppe Erbsensuppe schlägt eine Brücke zwischen der Fluchterfahrung der älteren Generation und den Geflüchteten unserer Zeit. Die Erlebnisse von Nils‘ Großmutter als Kind werden durch die Berichterstattung im Fernsehen und auch das Auftauchen von Lina wachgerüttelt. Gleichzeitig hat Lina während der Ermittlungen ständig Angst, „etwas Illegales“ zu tun.

Rieke Patwardhan erzählt sensibel und gleichzeitig sehr kurzweilig und humorvoll eine spannende Geschichte mitten aus dem Leben (wenn auch einem sehr akademischen 😉 ) und zeigt, dass frische oder alte Fluchterfahrungen in unserer Gesellschaft normal sind und ihren Raum finden müssen. Denn darüber wird häufig nicht gesprochen: der älteren Generation wurde eingetrichtert, das Thema totzuschweigen und die heutigen Geflüchteten müssen so dringend „integriert“ werden, dass auf persönliche Erlebnisse während der Flucht wenig Rücksicht genommen wird. Auch die sonst so vorlaute Lina wird sobald es auf dieses Thema kommt einsilbig und still.

Gleichzeitig ist Forschungsgruppe Erbsensuppe auch einfach ein toller Kinderroman über Freundschaft, Ergotherapie und Eltern, die ihren Kindern mehr erklären sollten – wie das Leben eben so spielt! 🙂

In ihrem Nachwort schreibt Rieke Patwardhan, dass sie selbst gespannt ist, ob und wie die Geschichte von Lina, Nils und Evi weitergeht – ich würde mich jedenfalls über eine Fortsetzung sehr freuen! (Hier entlang geht’s zum Blick ins Buch.)

Rieke Patwardhan, Regina Kehn: Forschungsgruppe Erbsensuppe. Knesebeck 2019, ab 8 Jahren, 13,00 €.

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