Hurra, ich bin ein Schulkind!

Die ganze Woche beschäftigen wir uns schon mit dem Thema Schule, heute soll es um die Kinder gehen, die das Ganze noch vor sich haben: die zukünftigen Erstklässler. Sie strömen voller Neugierde aus den Kindergärten in die Grundschulen, stolz, endlich zu den Großen zu gehören, voller Vorfreude, was das neue Leben als Schulkind für sie bereit hält.

Die Diplompädagogin Dr. Birgit Ebbert hat gemeinsam mit dem Lingen Verlag die Seite Jetzt Schulkind entwickelt, auf der sie viele Tipps und Tricks für Eltern zukünftiger Grundschüler bereit hält, damit diese nicht die Freude am Lernen und an der Schule verlieren.

Ich habe ihr einige Fragen gestellt, wie der Schulstart am besten gelingen kann, denn wie jeder Übergang im Leben ist auch der vom Kindergarten- zum Grundschulkind mit einigen Tücken verbunden, die gemeistert werden wollen.

Frau Dr. Ebbert, im Frühjahr stehen wieder die Schuluntersuchungen an. Sollte man sein Kind darauf vorbereiten oder es einfach machen lassen?

Nein, eine Vorbereitung ist nicht nötig und sinnvoll. Je gelassener Sie als Eltern an das Thema Einschulung herangehen, umso besser. Wenn Sie vor dem Termin  bestimmte Dinge trainieren, wird ein Druck aufgebaut, der eher kontraproduktiv ist.

Bei der Schuluntersuchung wird die Schulreife festgestellt – was bedeutet das eigentlich und was passiert, wenn mein Kind nicht schulreif ist?

Den Begriff „Schulreife“ verwendet man heute eigentlich gar nicht mehr, man spricht eher von „Schulfähigkeit“.  Bei der Untersuchung wird überprüft, ob das Kind soweit entwickelt ist, dass es am Unterricht teilnehmen und den Lernstoff verstehen und aufnehmen kann. Die Untersuchung findet in der Regel sehr früh statt, sodass die Eltern HInweise erhalten, wo das Kind eine besondere Förderung braucht, damit es bis zur Einschulung auf dem Entwicklungslevel seiner Mitschüler ist. Eine Zurückstellung vom Schulbesuch ist heute eher selten, die Regelungen dafür sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und können am besten direkt beim Schulärztlichen Dienst oder in der Schule erfragt werden.

Was kann man vor der Einschulung tun, um sein Kind auf das Leben als Grundschulkind vorzubereiten?

Die Einschulung ist ein grundlegender Einschnitt im Leben eines Kindes, zum einen, weil der Schulbesuch Pflicht ist, zum anderen, weil eine größere Selbstständigkeit erwartet wird. Im Jahr vor der Einschulung finde ich es daher wichtig, Kinder auch an diese Seite des neuen Lebensabschnittes heranzuführen. Dazu gehören so kleine Dinge wie die Jacke nach dem Spaziergang selbst aufzuhängen, die Spielmaterialien wegzuräumen und selbst beim Eisverkäufer die Bestellung aufzugeben. Das hat den Vorteil, dass das Kind gewohnt ist, solche Aufgaben zu erledigen und sein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wächst – weil es die Aufgabe bewältigt hat und weil die Eltern ihm diese Selbstständigkeit zugetraut haben.

Kann man als Eltern etwas vom Kindergarten an bestimmten Übungen oder Trainings erwarten?

Davon habe ich noch nie gehört und das kann ich mir auch nicht vorstellen. Jede Kita hat ihr Konzept, für das die Fachkräfte verantwortlich sind. Das Konzept wird an den Bedarf der Kinder angepasst, über den Elternrat haben die Eltern natürlich die Möglichkeit Wünsche zu äußern, aber die Entscheidung liegt beim Team.

Wie kann man sein Kind mental auf die Grundschule vorbereiten, so dass es einen guten Start hat? Ich denke da an besonders schüchterne Kinder oder auch an besonders wilde…

Wichtig ist wirklich vor allem, dass das Kind eine Gelassenheit gegenüber der Schule entwickelt und nicht schon im Vorfeld der Eindruck entsteht, Schule ist etwas Negatives und Belastendes. Dieser Eindruck kann aber schnell entstehen, wenn etwas „für die Schule geübt werden MUSS“. Allerdings können Eltern das Interesse des Kindes und die Motivation, die damit einhergeht, nutzen, um es zu ermuntern, doch mal selbst zum Beispiel eine Frage zu stellen, wenn es eher schüchtern ist, oder eine Seite fertig auszumalen, wenn es sprunghaft ist.

In der Regel erhalten Eltern bei der Schuluntersuchung oder den Elterngesprächen in der Kita Hinweise, welche Fähigkeiten eventuell noch gefördert werden könnten. Auch hier ist wichtig: Keinen Druck aufbauen, sondern Wege suchen, diese Fähigkeiten nebenher zu fördern – indem man sich mehr erzählen lässt, wenn die Sprache gefördert werden muss, oder mit dem Kind Würfelspiele macht, wenn es mit dem Gefühl für Zahlen hapert.

Liebe Frau Dr. Ebbert, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für unser Interview genommen haben! Und wer noch mehr Fragen hat, kann ein wenig auf Jetzt Schulkind weitersurfen. Viel Spaß!

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