Autoren, Illustratoren und Sprecher stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Joachim Brandl, Kabarett, Wien, Vater, Kolumne, Eltern
Das wahrscheinlich schönste Kind der Welt, Kösel 2016

Der Wiener Autor Joachim Brandl ist aufmerksamen Eltern-Lesern sicherlich ein Begriff, denn er schreibt dort jeden Monat die Kolumne One and a half woman. Und auch sonst ist der zweifache Vater ganz gut ausgelastet, er verfasst Drehbücher und preisgekrönte Kabarettprogramme und steht selbst im Wiener Kabarett Simpl auf der Bühne.

Seine gesammelten Erfahrungen als Vater gibt es seit diesem Sommer auch als Buch: In Das wahrscheinlich schönste Kind der Welt berichtet Joachim Brandl mit einer kräftigen Portion Selbstironie – wie man es von einem Kabarettisten erwartet – von den Irrungen und Wirrungen eines modernen Vaters. Und zum Beispiel auch von Bauchmassagen.

Uns erzählt Joachim Brandl heute von seinem liebsten Kinderbuch. Seine Geschichte beginnt ein wenig tragisch, nimmt aber doch ein gutes Ende – wie man es eben von einem Kabarettisten erwartet.

„Ich hab versucht, mich an mein liebstes Buch aus meiner Kindheit zu erinnern und musste zu meinem Schrecken feststellen: Ich weiß es nicht mehr. Es gab eine Geschichte von kleinen Männchen, die je nach Stimmung ihre Farbe wechseln können. Mein Bruder und ich haben darüber Tränen gelacht – bis meine Mutter das Buch weglegte, weil es ihr zu dämlich war. Und das wars dann, ich hab das Teil nie wieder gesehen.

Mira Lobe, Winfried Opgenoorth
Valerie und die Gute-Nacht-Schaukel, Jungbrunnen 2013

Also wähle ich jetzt aus der Bibliothek meiner Töchter ein wunderschönes Einschlaf-Buch: Valerie und die Gute-Nacht-Schaukel von Mira Lobe.

Ich mag es, weil ich es am Anfang gar nicht mochte. Das Buch und ich mussten uns erst aneinander gewöhnen. Wie bei einer Platte, in die man sich einhören muss, hab ich Valerie immer lieber gewonnen, je öfter ich daraus vorgelesen habe. Ein Buch mit Charakter. Außerdem mag ich es, weil meine größere Tochter die Geschichte ebenfalls liebt: Valerie soll ins Bett, beschließt aber, zuvor noch in Gedanken um die Welt zu reisen. Und Valeries Papa kann nichts gegen ihre Fantasie ausrichten.

Ich sehe direkt, welchen Spaß meine Kleine daran hat, einen Papa so wunderbar machtlos zu erleben. Dazu kommen noch die herrlich anarchischen Verse. Völliger Nonsens, wie er nur einem Kinderkopf entspringen kann – oder der genialen Autorin. Und die unfassbar detaillierten Illustrationen, die uns bei jedem Vorlesen immer wieder was Neues entdecken lassen.

Und dann mag ich noch die letzten Worte des Vaters, als Valerie dann doch noch einschläft. Ein tief empfundenes: „Na endlich“. Jeden Abend spricht er mir damit aus der Seele.“

Mira Lobe, Winfrid Opgenoorth: Valerie und die Gute-Nacht-Schaukel. Jungbrunnen Verlag 2013, ab drei Jahren, 13,95 €.
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