Die Netzgemeinde liest vor

Kleines Vorwort

Ich liebe es ja wenn „die Medien“ etwas über „die Netzgemeinde“ schreiben- ich frage mich jedesmal, wer denn eigentlich mit dieser „Netzgemeinde“ gemeint ist, womöglich alle Bewohner des Neulands? Und dann denke ich aber an meine eigene kleine Netzgemeinde, Menschen in meiner Timeline, meinem Feed, meinem Reader, die ich nicht mehr missen möchte. Menschen, die ihren Kindern ebenso gern vorlesen wie ich. Und schwuppdiwupp war eine neue Kategorie für Juli liest geboren: Social Reading – Blogger erzählen, was sie ihren Kindern am liebsten vorlesen.

Den Anfang macht @herrpfarrfrau. Auf seinem gleichnamigen Blog erzählt er über das Leben als Pfarrfrau auf dem Lande. Hä? Wie das? Ganz einfach: Herr Pfarrfrau ist der Mann einer Pfarrerin. Die beiden haben zwei Kinder und sind vor einiger Zeit von Berlin aufs Land gezogen, wo die Frau von Herrn Pfarrfrau eine kleine Kirchengemeinde leitet, während er sich um die Kinder, das Pfarrhaus und den Garten kümmert. Darum geht es – und noch um vieles mehr. Denn wie die meisten anderen Frauen und Männer, die für ihre Kinder sorgen, macht sich auch Herr Pfarrfrau viele Gedanken über die Welt und das Leben und lässt uns daran auf seinem Blog teilhaben. Schaut doch einfach mal vorbei!

Das Lieblingskinderbuch von @herrpfarrfrau: Der Bärbeiß

Bis vor wenigen Wochen hätte ich noch gar nicht sagen können, welches mein Lieblingskinderbuch ist. Vielleicht hätte ich Wo die wilden Kerle wohnen genannt, aber dann empfahl eine Freundin den Bärbeiß. Ein wohl tolleres Kinderbuch (es gibt zwei Ausgaben davon, die zweite heißt Herrlich miese Tage) habe ich bislang nicht gelesen.

Im Mittelpunkt steht, wie soll es anders sein, der Bärbeiß. Ein bärähnliches Wesen, das immer schlecht gelaunt ist und dieses Gefühl so richtig zelebriert. Der Bärbeiß wohnt in einem kleinen Ort namens Timbuktu. Die anderen Bewohner*innen bestehen aus einer Hasenfamilie, die zwar gerne Kaffee trinkt, aber davon immer Durchfall bekommt, einer Graureiherfamilie, die besonders ehrgeizig beim Frühjahrsputz ist, einem Königspinguin, der täglich Eis isst und dem Tingeli. Das Tingeli ist der Gegenpart zum Bärbeiß. Es ist fast immer gut gelaunt und versucht mit einem grenzenlosen Optimismus auch den Bärbeiß positiv zu stimmen. Das ist auch das Kernthema des Buches. In vielen Geschichten (Umfang jeweils 4-5 Seiten) wird eine kurze Episode erzählt, in der die beiden, entweder alleine oder mit anderen Bewohnern des Dorfes, große und kleine Abenteuer erleben und auch gerne nach „Woanders“ reisen. Die Episoden bauen aufeinander auf und mehr und mehr lässt sich erahnen, dass der Bärbeiß große Sympathien für das Tingeli entwickelt, auch wenn er das niemals zugeben würde.

Annette Pehnt, Jutta Bauer
Der Bärbeiß – Herrlich miese Tage Hanser 2015

Unser großes Kind (wird im September 5) liebt die Bärbeiß-Geschichten und wir hatten beide Bücher binnen kurzer Zeit durchgelesen. Selten hatte ich so viel Spaß beim Lesen. Familienintern verweisen wir jetzt immer auf den Bärbeiß, wenn jemand von uns grummelig ist oder eben auf das Tingeli, wenn jemand besonders gut gelaunt ist. Unser Kleinkind (2 Jahre alt) hat ab und zu grummelige Launen und bezeichnet sich dann immer stolz als Bärbeiß. Großartig, genauso wie das Buch!

 

Annette Pehnt, Jutta Bauer: Der Bärbeiß. Hanser 2013, ab acht Jahren, 10,00 €.

Kleines Nachwort

Vielen Dank an Herrn Pfarrfrau für diesen tollen Buchtipp! Wenn meine Lieblingsillustratorin Jutta Bauer dabei ist, muss es einfach gut sein und ich behalte es im Hinterkopf für den Geburtstag von Monsieur 2 – warum gerade für ihn, lasse ich mal dahingestellt… 🙂 Außerdem ist es interessant zu lesen, dass der Verlag das Buch für Achtjährige empfiehlt, aber offensichtlich schon Vierjährige etwas damit anfangen können – ausprobieren lohnt sich also!

Ihr bloggt, lest Zuhause auch vor und ich habe versäumt Euch zu fragen, ob Ihr bei Social Reading mitmachen wollt? Dann schreibt mir doch eine Mail an juliliest at web.de und wir ändern das ganz schnell!

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