Menschen, die mit Kindern und Literatur zu tun haben, stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Corinne Luca kennt Ihr bestimmt von ihrem ihrer großartigen Blog Makellosmag. Kennt Ihr nicht? Dann seht Euch doch am besten mal dieses Video an, hier wird nämlich ganz gut zusammengefasst, warum Corinne 2016 den Grimme Online Award bekommen hat:

Ich lese schon seit längerem bei Corinne mit, meine liebsten Beiträge sind Diäten und Co., in erster Linie aufgrund des so wunderbar ehrlichen Einstiegs, Warum mich die moderne Butter anekelt, eine Parodie auf Ronja von Rönne, die der Meinung ist, dass die junge Frau von heute keinen Feminismus mehr bräuchte (…) und Warum mich die Fruchtbarkeitsperformance von Beyoncé nervt – dazu bedarf es wohl erstmal keiner näheren Erklärung. Und die Analyse von Kate Middletons Nude-Look hat mir auch sehr gut gefallen. Und…

Nun ja, es gibt so viele tolle Texte von Corinne, dass das förmlich nach einem Buch schrie und genau das hat Corinne dann auch getan: Sie hat ein Buch über falsche Schönheitsideale, Optimierungswahn und weichgezeichnete Fotos auf Instagram geschrieben.

Am liebsten sind mir die Problemzonen, die ich noch gar nicht kenne heißt es und ist (*Fanfarengeräusch*) heute erschienen. Und so sieht es aus:

Und was liest du so? makellosmag, Frauenzeitschriften, Schönheitswahn, Buchblogger, Buch, Frauen
Am liebsten sind mir die Problemzonen, die ich noch gar nicht kenne, Heyne 2017

Ich freue mich sehr, dass Corinne neben Buch, Job, Blog und Familie die Zeit gefunden hat, mir meine Lieblingsfrage zu beantworten. Und was liest du so, Corinne Luca?

„Wenn ich überlege, was ich meinen Töchtern einmal mitgeben möchte, ist es das Gefühl um ihrer selbst willen bedingungslos geliebt zu werden. Leider wird aber irgendwann mindestens die Pubertät dazwischenkommen, diese Zeit der bangen Frage, ob und wie man in diese Welt passt. Jedem und jeder, die hier gerade mittendrin stecken, möchte ich gern Eleanor und Park geben – einen ziemlich dicken Jugendroman. Aber spätestens J.K. Rowling hat uns ja überzeugt, dass Kinder und Jugendliche durchaus dicke Bücher lesen.

Eleanor und Park sind die titelgebenden Hauptfiguren des Buches. Eleanor ist ein wenig pummelig, hat rote Locken und Klamotten, die andere komisch finden. Selbst zu Hause erntet sie hierfür böse Kommentare. Park ist Halb-Koreaner, still und etwas unscheinbar. In einem Highschoolfilm wären sie die Außenseiter. In Eleanor und Park sind sie Figuren, die sofort mein Herz gewonnen haben. Der Roman ist eine zarte Liebesgeschichte mit Retro-Charme. Er spielt 1984 in einer Zeit, in der man beim Kennenlernen noch Kassetten tauschte und doch ist seine Geschichte zeitlos voller wunderbarer Sätze. Das liegt sowohl an der Schlagfertigkeit Eleanors als auch an den leiseren Tönen Parks („Eleanors Hand zu halten war, als würde man einen Schmetterling halten. Oder einen Herzschlag.“)

Dies ist ein Buch für alle, die schon einmal überlegt haben, ob sie schön genug sind, um gemocht zu werden. Aber in dem Roman steckt noch viel mehr. Er macht auch vor Themen wie Mobbing und schwierigen Familienverhältnissen nicht Halt und wirft den Leser und die Leserin so nicht selten in ein Gefühlchaos, das dem der Hauptfiguren nicht unähnlich ist.

Das Buch berührt, es ist nie kitschig und gibt sich nicht mit Klischees oder einfachen Auswegen zufrieden. Auch hinter vermeintlich leicht zu lesenden Nebenfiguren wie dem Großmaul oder der Superzicke steckt immer mehr. Damit macht Eleanor und Paul genau das, was ich von einem guten Jugendbuch erwarte. Es nimmt seine Leser und ihre Welt ernst, die nicht nur aus Regenwolken und nicht nur aus Zuckerwatte besteht. Und genau deshalb passt auch das Ende so gut, auch wenn es überrascht und den ein oder anderen vielleicht ein wenig irritiert zurücklässt.“

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