Über AfD-Politiker beim Vorlesetag

Lesen bildet

Die Stiftung Lesen hat zum diesjährigen Vorlesetag wie in jedem Jahr sämtliche Landtagsabgeordneten aller Parteien dazu eingeladen, in Schulen oder Kindergärten vorzulesen und somit den Vorlesetag und das Lesen selbst bekannter zu machen. Aller Parteien? Nein. Abgeordnete der NPD wurden nicht und noch nie angefragt, da deren Ideologie nicht mit der der Stiftung Lesen übereinstimmt. Abgeordnete der AfD, mittlerweile in dreizehn Landtagen vertreten, wurden eingeladen.

Über die Ideologie der AfD, die Meinungsäußerungen vieler ihrer Parteimitglieder und wie das mit so einer großartigen Aktion wie dem Vorlesetag zusammenpasst, dass die Stiftung Lesen meint, AfD-Politiker könnten Lesebotschafter werden, wurde bereits geschrieben. Das muss ich an dieser Stelle nicht mehr. Vermutlich wird die Stiftung ihre Einladung an die Politiker zurückziehen, die AfD wird sich wie jedesmal, wenn so etwas geschieht, beleidigt äußern und vermutlich wird ihr dafür auch wieder in irgendeiner Talk Show eine Plattform dafür geboten. So weit, so… normal. Leider.

Worüber ich schreiben möchte: Was können wir tun? Ich persönlich lese seit einigen Jahren beim Vorlesetag und schätze diese Aktion sehr. Meine allererste Reaktion also: Boykott. Ihr ladet AfD-Politiker ein? Gut, aber ohne mich! Dann habe ich zum Glück noch ein wenig darüber nachgedacht. Beleidigt in die Schmollecke zurückziehen? Nein! Das ist nicht mein Stil und vor allem wenig hilfreich. Denn wir alle so dächten, würden ja nur noch AfD-Politiker beim Vorlesetag vorlesen. Es gibt also nur einen Weg: Aktion!

Natürlich lese ich beim Vorlesetag! Und ich bitte Euch, dasselbe zu tun! Wir sind viele und wir wollen alle dasselbe: Ein freies, demokratisches und weltoffenes Land für unsere Kinder. Wir lesen vor, um kleine Menschen zu formen, die keine Angst vor Fremden haben, keine Angst vor neuen Dingen – kleine Menschen, die sich vor allem nicht von Angst ihr Leben diktieren lassen.

Lasst uns den Vorlesetag fluten mit Herzlichkeit, Weltoffenheit und Freude, lasst uns das Tor zur Welt öffnen, gemeinsam mit den kleinen Zuhörern über unseren Tellerrand blicken – denn genau das ist der Sinn, der hinter dem Vorlesetag steht. Wir alle können dafür sorgen, dass diese Vorleseaktion zu dem wird, was sie sein soll. Denn wir sind viele. Und noch sind wir in der Überzahl.

 

P.S. Falls Ihr Ideen für geeignete Vorlesebücher braucht, werdet Ihr bestimmt bei meiner Aktion #weltkulturstattleitkultur fündig. In diesem Fall darf es aber sogar Conni sein! 😉 Hauptsache, wir sehen uns beim Vorlesetag am 17.11.2017!

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12 Kommentare Gib deinen ab

  1. Klar muss man hingehen. Schade, dass niemand aus dem „Kimmo“ vorlesen kann: Der ist ja Migrant, seine Mutter ist Finnin und Saki stammt aus Japan. Alexander von Humboldt wiederum war nicht nur ein erbitterter Gegner der Sklaverei, sondern berichtete den verblüfften hohen Herrschaften am Berliner Hof (und wo sonst auch immer), dass alle „Wilden“, die er auf seiner Reise traf, eine hoch entwickelte Sprache und ebensolche Sitten hatten. Jajajajajaja, ein sooooooo altes Thema. Viel Spass beim Vorlesen!

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    1. Juli sagt:

      Danke! (Den lasse ich mir nicht nehmen! 😉 ) Ja, ein altes Thema… seufz. Ich frage mich, warum es EINFACH NICHT MÖGLICH ist, aus der Vergangenheit zu lernen.

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  2. Hey. Ich habe mir gerade mal Rezensionen zu „Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm“ durchgelesen. Das Buch soll mit Vorurteilen aufräumen, ist aber voll damit, dazu noch ein seltsames Frauenbild. Wie hast du das Buch empfunden?

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    1. Juli sagt:

      Ein seltsames Frauenbild kann ich jetzt nicht entdecken, was meinst du genau?
      Ich weiß nicht, ob manche die traditionelle Begrüßung des Vaters als vorurteilsbehaftet deuten – vielleicht hätten manche es schöner gefunden, wenn der Papa der Ich-Erzählerin gesehen hätte, dass Banja und ihre Eltern genauso leben wie er und er DESHALB keine Angst vor Fremden haben muss.
      Fakt ist jedoch, dass wir nun mal alle anders sind und viele ihre Traditionen mitbringen und leben wollen und leben sollen. Davor sollte man dann keine Angst haben.
      Diese kleine Zwischengeschichte mit den Übertreibungen reihe ich in die arabische Erzähltradition, aus der Rafik Schami kommt, ein.
      LG,
      Julia

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      1. Es wurde so dargestellt, als dass das weiße Mädchen für den Vater sorgen müsste. Kochen, putzen usw.

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      2. Juli sagt:

        Das ist ja merkwürdig! Nein, so ist es überhaupt nicht, es wird explizit dargestellt „Seit Mama nicht mehr da war, tat Papa alles für mich.“ (Kochen, zum Lachen bringen, Hausaufgaben helfen…).
        In der Woche, in der sie möchte, dass Papa mit zu dem Geburtstag kommt, macht sie tatsächlich „alles“ (staubsaugen, Tisch decken, Schönschrift), damit er irgendwann sagt „Du darfst dir was wünschen.“ – normales Eltern-Kind-Verhältnis, würde ich sagen. 😉

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      3. Vielen Dank für deine Einschätzung. Momentan lassr ich mich durch negative Bewertungen schnell beeinflussen. Vielleicht versuche ich es mal in der Bibliothek auszuleihen, damit ich mir selbst ein Bild machen kann. 🙂

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      4. Juli sagt:

        Ja, das wäre wohl das Beste! Hast du den Link zu dieser Rezension für mich?

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      5. In zwei von den frei 1-Sterne Rezensionen werden diese Punkte angesprochen:

        https://www.amazon.de/product-reviews/3446203311/ref=cm_cr_dp_hist_one?ie=UTF8&filterByStar=one_star&reviewerType=all_reviews&showViewpoints=0

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