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„Und was liest du so?“ mit Katharina Naimer

Autor*innen und Illustrator*innen stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Heute ist Katharina Naimer auf unserem digitalen Lesesofa zu Gast. Sie wohnt ganz im Süden der Republik, in Bayern bei Straubing, direkt am Waldrand. Wen wundert es da, dass ihr allererstes Kinderbuch den Namen Rotkäppchen trägt?

Schon als kleines Mädchen liebte es Katharina, im Arbeitszimmer ihrer Mutter, die Lehrerin für Werken und Handarbeit war, Schätze wie Perlen, Stickzeug, Nägel, Filzwolle oder Ton zu heben und damit stundenlang zu basteln. So hat ihre Mutter ihr schon mit drei Jahren das Stricken beigebracht und ihr jede Menge Malfarben gekauft und sie gefördert.

Da wundert es keinen, dass Katharina Naimer zunächst Kunsterziehung und Germanistik auf Lehramt studiert hat, bevor es sie an die Akademie der Bildenden Künste nach München zog. Als freie Künstlerin und bald auch als Mutter gründete sie kurzerhand mit befreundeten Künstlerinnen eine Kreativwerkstatt für Kinder, das Kinderatelier PABLiTO, mitten in München. Heute lebt sie glücklich auf ihrem Hof mit Mann, Kindern und Katze und arbeitet zur einen Hälfte als Lehrerin und zur anderen als freischaffende Künstlerin.

Katharinas Rotkäppchen ist künstlerisch sehr besonders und geht auch inhaltlich in Form der Illustrationen einen ganz neuen interpretatorischen Weg: Sie lässt den Wolf sympathisch erscheinen und geradezu mit der Natur und dem Wald verschmelzen.

Dafür hat Katharina erst Bleistiftskizzen angefertigt und dann große Papierbahnen eingefärbt. Auf braunen Papierbahnen wurden zum Beispiel Holzstrukturen imitiert, um später daraus die Holzdielen für den Fußboden des Großmutter-Häuschens auszuschneiden. Oder bei den grauen Papieren für das Wolfsfell wurde mit groben Pinseln gearbeitet, um Haarbüschel nachzuahmen. Dann wurden aus den gemusterten Papieren alle Details für die Illustrationen ausgeschnitten und zusammengeklebt. Die endgültigen Bilder sind also Collagen aus einer Vielzahl von bunten Papierschnipseln. Die so entstandenen Bilder für das Bilderbuch konnten gar nicht wie üblich gescannt werden, sondern mussten zum Fototermin.

Wer mit so viel Hingabe ein Märchen illustriert, hat bestimmt auch ein sehr spezielles Lieblingskinderbuch. Deshalb fragen wir jetzt:

Und was liest Du so, Katharina Naimer?

Für mich waren tatsächlich Märchenbücher von großer Bedeutung. Meine Eltern waren beide berufstätig, deshalb verbrachte ich mit meinen Schwestern zusammen die Vormittage bei meiner Großmutter. Und sie las uns sehr gerne kleinere Geschichten und Märchen vor. Eines dieser dicken Bücher habe ich noch in meinem Regal. Es enthält Märchen von Andersen, den Grimms und auch verschiedene Tierfabeln. Die wunderschönen Aquarellbilder dafür malte der polnische Illustrator Janusz Grabianski. Diese Bilder faszinierten mich schon als Kind und ich mag sie immer noch gerne, da sie farbenprächtig und sehr lebendig sind. Ich erinnere mich daran, dass ich meine Lieblingsbilder alle nachmalen wollte, was natürlich nicht gelang.

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Mein großes Märchenbuch (Ausgabe von Katharina Naimer)

Als ich selber lesen konnte, war mein Lieblingsbuch der Räuber Hotzenplotz von Otfried Preußler. Die Zeichnungen in meiner Ausgabe von Franz Josef Tripp mag ich ebenfalls sehr. Sie sind für mich einfach untrennbar mit den fabelhaften Geschichten von Otfried Preußler verbunden. In Zusammenhang mit dem Räuber Hotzenplotz weiß ich noch, dass ich hier unbedingt den ganzen Text abschreiben wollte, weil ich ihn so toll fand. Und zwar alle 362 Seiten in einem Rutsch. Weil ich das aber an einem Tag nicht schaffen konnte, fing ich jedes Mal wieder von vorne an. So schrieb ich ganze Hefte voll, immer mit den gleichen ersten Seiten. Das erzählte ich jetzt meiner sechsjährigen Nichte, die gerade in der ersten Klasse ist und das Schreiben lernt. Sie sagte: „Das war aber ganz schön dumm von dir.“ Dann lachten wir, aber das war damals mein Ausdruck dafür, dass ich etwas ganz besonders liebe.

Eine Autorin, deren Geschichten ich alle verschlang, ist Christine Nöstlinger. Diese Bücher las ich auch meinen eigenen Kindern vor, zum Bespiel den Konrad aus der Konservenbüchse. Diese Geschichten sind so großherzig und toll, das zu lesen kann ich allen nur ans Herz legen. Ich hoffe sehr, diese fantastische Autorin findet auch nach ihrem Tod 2018 weiterhin viele, viele Leser*innen.


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