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„Und was liest du so?“ mit Dully&Dax

Autor*innen und Illustrator*innen stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Heute müssen wir eigentlich fragen Und was lest Ihr so?, denn in unserer Lieblingsrubrik nehmen heute gleich zwei tolle, kreative Frauen auf dem digitalen Lesesofa Platz: Dully & Dax also known as Sabine Dully und Eva Dax. 2015 veröffentlichten die beiden ihr erstes gemeinsames Kinderbuch Du bist so schrecklich schön! und das war so erfolgreich, dass sich die beiden selbstständig machten und fortan als Dully & Dax Bücher und Apps für Kinder entwickeln.

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Dully & Dax (Foto: Nicola Mesken)

Hier auf dem Blog sind Euch die beiden bereits mit dem wunderbaren Bilderbuch Die kleine Motte, die davon träumte, anders zu sein begegnet, aber in der Werkstatt des Duos sind noch einige andere schöne Titel entstanden; zum Beispiel die Wichtelgeschichte Jeppe & Oswald, das gereimte Klappenbuch Eddie Meisterdieb oder Fräulein Hicks und die kleine Pupswolke (Monsieur 3 sitzt gerade neben mir und möchte ungelogen jedes Buch sofort haben). Die Apps, die Eva und Sabine entwickelt haben, könnt Ihr Euch am besten auf ihrer Website ansehen – inklusive Corona-Händewasch-Song!

Eva und Sabine haben sich für ein gemeinsames Lieblingskinderbuch entschieden und auch das scheint sehr nach Monsieur 3’s Geschmack zu sein. Deshalb fragen wir jetzt ganz schnell:

Und was lest Ihr so, Dully & Dax?

Sabine: Die Buchreihe, die wir beide unglaublich gern mögen, stammt von dem Illustratoren/Autoren-Duo Julian Gough und Jim Field. Sie hat den etwas sperrigen Titel Rotzhase und Schnarchnase aus dem Magellan-Verlag. Im Original heißt es etwas schlichter: Rabbit and Bear. Das gefällt uns besser. Aber das ist auch schon der einzige Kritikpunkt.

Eva: Als Sabine mir das erste Buch der Reihe gab mit dem Hinweis, ich solle es unbedingt lesen, da hab ich es förmlich verschlungen – und war danach erstmal tief deprimiert. Es ist nämlich so lustig, tiefsinnig und pointiert, dass ich dachte: Oh Mann. Besser kann man’s nicht machen. Wir können eigentlich gleich Aufhören mit dem Büchermachen. 😉 Inzwischen haben wir alle Bände – und mit jedem Lesen werden sie besser und lustiger.

Sabine: Inhaltlich geht es um die Freundschaft zwischen einem sehr missmutigen Hasen und einer extrem sonnigen Bärin (die einfach nur „Bär“ genannt wird). Im ersten Band klaut Hase Bär alle Vorräte und ist auch sonst ein richtiger Miesepeter. Er wird schnell wütend, lacht selten und sieht in allem erst einmal das Schlechte. Trotzdem ist die Bärin so unverwüstlich freundlich, dass Hase irgendwann kapituliert: Er lächelt, hat Spaß und findet in Bär eine Freundin.

Eva: Jeder Band kreist um eine sehr existenzielle Frage. Im ersten Band geht es um eine optimistische oder pessimistische Sicht auf’s Leben. In Das Tal wird kahl will ein Biber im Namen des Fortschritts das Tal fluten – und fragt sich am Ende, ob er wohl die richtigen Prioritäten setzt (aber natürlich viel kindgerechter formuliert). In Ein Wicht vor Gericht treffen die Tiere des Waldes auf eine schlafende Mini-Eule. Und Hase, der sowieso einen Hang zur Extreme hat und Eulen fürchtet, steckt die anderen Tiere mit seiner Angst an, so dass sie das harmlose Federknäuel vorsorglich ins Gefängnis stecken. Es wird aber nie moralinsauer oder kitschig. Sobald Kitschgefahr droht, wird die Situation gleich wieder gebrochen.

Aus: Ein Wicht vor Gericht.

Sabine: In einer meiner Lieblingsszenen entschuldigen sich alle Tiere beieinander. Auch Hase bei Grünsprecht (auch weiblich), weil er sie angeschrieen hat. Und Grünspecht antwortet: „Schon gut, gut, gut. Ich war in deinem Bau und habe deinen Lieblingssessel vollgekackt, jetzt geht’s mir besser.“ Total beknackt. Total großartig! Übrigens ist jedes Buch aus der Reihe so umfangreich bebildert wie ein Bilderbuch – hat aber über 100 Seiten. Mir ein Rätsel, wie diese Menge zu schaffen ist. Und dann auch noch so wahnsinnig GUT illustriert. Immer monochrom, dadurch wirken die Illus bei aller Komik sehr künstlerisch.

Eva: Und dann die hohe Gagdichte! Anke Engelke sagte mal, eine traurige Szene zu schauspielern sei gar nicht so schwer: Trauriges Thema, melancholische Musik, eine rinnende Träne …. Fertig. Das richtige Timing für eine lustige Szene zu finden, sei viel schwieriger. Auch bei dieser Buchreihe darf man – nur weil sie unterhaltsam ist – nicht übersehen wie brillant sie gemacht ist! Sowohl bildlich als auch textlich ist alles exakt getimt. Nirgendwo ist eine Zeile zuviel. Diese Kunst, jedes überflüssige Wort wegzulassen, bewundere ich sehr. Auch bei den Dialogen erkennt man selbst bei kurzen Sätzen welche der Figuren spricht. Hase hört man förmlich schreien. Bär redet mild und freundlich. Grünsprecht spricht im hämmernden Stakkato.

Sabine: In Ein Wicht vor Gericht verkündet Hase auf S. 1: „Heute ist der tollste Tag aller Zeiten“, um auf Seite 3 zu brüllen: „Heute ist der doofste Tag aller Zeiten“. Und schon deutet sich in diesen wenigen Sätzen das ganze Drama an: Hase neigt zu Schwarz-Weiß-Malerei und zu Extremen. Das Thema des Buches auf den Punkt gebracht. Es gibt so viele Bücher zu ernsten oder sogenannten schwierigen Themen. Aber ein Buch, bei dem Kinder und Erwachsene zusammen laut lachen müssen? Bei dem sie gemeinsam über Hasen-Köttel-Witze lachen und gleichzeitig über „Richtig und Falsch“ philosophieren können? Da fallen mir auf Anhieb nicht so viele ein.

Eva: Als mein siebenjähriger Sohn heute die Bücher sah, die wir zum Fotografieren auf den Tisch legten, da sagte er: „Ich weiß wirklich nicht, wie man so Witziges schreiben kann.“ Genau! Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

P.S. Natürlich gibt es noch viel, viel mehr Bücher, die uns gut gefallen. Als Kind hat Sabine alle möglichen Comics verschlungen. Und Eva alle Unsere Oma-Bände (die damals Rekordauflagen erzielten, heute aber irgendwie in Vergessenheit geraten sind). Zu Sabines Lieblingsillustratoren gehören unbedingt Benji Davies aus England und Marc Boutavant aus Frankreich. Hier in Deutschland mögen wir beide die lustigen Illustrationen von Ramona Wultschner. Den Humor von Anne Ameling. Den wunderbar weitschweifigen Erzählstil in Snöfrid von Andreas H. Schmachtl. Das Buch Frag mich! von Antje Damm ist das beste für überraschende Gespräche mit Kindern. Ach ja – und wir lieben Märchen! Und jetzt gerade haben Kirsten Boies Sommerby-Bände Eva tief bewegt und zu Tränen gerührt.

Uff. Bestimmt haben wir jetzt noch jede Menge Bücher vergessen, die uns erst einfallen, wenn dieser Text schon längst abgeschickt und veröffentlicht ist. 😉


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