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„Und was liest du so?“ mit Steffen Gumpert

Autor*innen und Illustrator*innen stellen ihr Lieblingskinderbuch vor

Weiter geht’s mit unserem kleinen Und was liest du so?-Special zur Buchmesse – und zwar mit Steffen Gumpert, dessen Bleichen Hannes ich Euch bereits vorgestellt hatte. Steffen wohnt mit seiner Familie in Berlin und arbeitet dort als freier Illustrator und Autor, Cartoonist und Comiczeichner, sowie als Character Designer beim Trickfilm und für Spieleentwickler.

Dadurch hat Steffen natürlich auch ein unglaublich breit gefächertes Portfolio, das Ihr Euch unbedingt mal ansehen solltet. Gerade ist seine kleine, aber feine Rätselkrimi-Sammlung Schnapp den Dieb bei Ravensburger erschienen; darin gibt es fünf Abenteuer von und mit Polizeiinspektor Kieselklein, Lilo, Tilo und Gecko Gurke, die das Antolin-Punktekonto des Monsieur 2 weiter ansteigen lassen werden…

Steffen hat uns einen von Herzen kommenden Tipp für ein Buch mitgebracht, von dem ich behaupte, das es nicht unerheblich für Steffens späteren Werdegang war und deshalb fragen wir jetzt auch schon:

Und was liest du so, Steffen Gumpert?

Ein Buch, das mich in meiner Kindheit wirklich nachhaltig beeindruckt hat, ist Die Türme des Februar von Tonke Dragt. Es ist ein eher unbekannteres Werk der niederländischen Autorin, die vornehmlich durch Ihre Werke Der Brief für den König oder Das Geheimnis des siebten Weges Bekanntheit erlangt hat, aber für mich ist es das ultimative Mystery Buch und ein einziges großes Rätsel bis heute. Das Buch ist von 1973 und ist heute leider fast vergriffen, aber mit etwas Glück kann man noch irgendwo ein Exemplar ergattern. Ich selber habe es mir, bevor ich diese Zeilen schrieb, nochmals gebraucht nachgekauft, weil ich es nicht mehr fand und plötzlich Lust verspürte, es erneut zu lesen.

Das Buch ist in Tagebuchform geschrieben und die Autorin besteht im Vorwort darauf, dass nicht sie das Buch geschrieben hat, sondern dass es ihr von einem unbekannten Verfasser zugeschickt wurde und sie es in unveränderter Form veröffentlicht hat. Das Buch beginnt am 30. Februar. Es sind die Aufzeichnungen eines namenlosen Jungen, der sich eines Tages ohne Erinnerung an einem unbekannten Strand wiederfindet. Er weiß nicht wie er dorthin kam und kann sich auch nicht an seinen Namen erinnern. Er ist allein, aus dem Meer kommen Fußspuren, aber er weiß nicht, ob es seine sind. Seine Uhr ist stehengeblieben, er hat jegliches Zeitgefühl verloren. In den Dünen erblickt er in der Ferne zwei Hochhäuser, die ihm Angst machen und ihm dennoch vertraut vorkommen. 

Er begibt sich auf die Suche nach Antworten auf seine Fragen. Unterwegs trifft er Leute, die ihm helfen und Schritt für Schritt schafft er es der Lösung des Rätsels auf den Grund zu kommen. Er versteht, was es mit dem seltsamen unlesbaren Notizbuch in seiner Tasche auf sich hat und wie er hier her gelangt sein muss. Aber was hat es bloß mit dem geheimnisvollen „Wort“ auf sich?

Was fast klingt wie der Beginn eines modernen Escaperoom-Spiels ist in meinen Augen eines der spannendsten Kinderbücher überhaupt. Ich mochte immer fantasievolle Erzählungen ohne Schubladendenken. Bevorzugt Geschichten, die nicht direkt in einer fremden Welt voller Trolle, Gnome und Elfen spielten, sondern jene, wo das Fantastische sorgsam dosiert eingesetzt wurde. Solche, die in einer (vermeintlich) wirklichen Welt begannen und sich das Unglaubliche darin erst ganz langsam entfaltete. Diese Werke bauten quasi eine Brücke zur wirklichen Welt und schafften so in meiner Fantasie die Möglichkeit, dass all dies wirklich passieren konnte. So etwas fand ich großartig! 

Und Die Türme des Februar hat diese Idee in meinen Augen von all diesen Werken mit Abstand am konsequentesten umgesetzt und zu Ende gedacht. Es spielt bis zum Ende mit der Vorstellung, dass es sich um eine wahre Geschichte handeln könnte und schafft so einen Sog, dem ich mich nicht zu entziehen vermochte. 

Tonke Dragt: Die Türme des Februars (Übersetzung: Liesel Linn). Beltz&Gelberg 2010, ab 12 Jahren, 7,99 € (E-Book).

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